Schalke-Aktion erntet sarkastischen Spott

SPORT1

Es ist eine unbedingt lobenswerte Neuerung, die der FC Schalke 04 vor der Partie gegen den FC Bayern München verkündet hat - und doch erntet sie beißenden Spott.

Der Klub hat für das erste Bundesliga-Heimspiel die Eröffnung einer Anlaufstelle eröffnet, in der Fans diskriminierende Vorfälle melden können. Als er die Nachricht via Twitter postete, gab es statt Applaus jedoch fast nur negative Reaktionen. Der Grund: der Rassismus-Eklat um den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies.

"Möchte einen Aufsichtsratsvorsitzenden melden"

"Möchte einen Aufsichtsratvorsitzenden eines Bundesligaclubs melden", postete etwa ein User. Ein anderer meinte ebenso sarkastisch: "Und so einfach geht's: Diskriminiere eine x-beliebige Person, lass dich dabei erwischen und melden, gewinne unter allen Übeltätern einen dreimonatigen Urlaub in einer Finca auf Mallorca!" In praktisch jeder Antwort wurde der Bezug zu Tönnies hergestellt.


Tönnies hatte bei der Festveranstaltung zum "Tag des Handwerks" in Paderborn eine Rede zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung" gehalten. Der Schalke-Boss empfahl dabei die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Tönnies bat danach Fans und Verantwortliche des Klubs um Entschuldigung und kündigte an, seinen Posten drei Monate ruhen zu lassen. Diesem Vorschlag entsprach der Klub - der zuständige Ehrenrat wertete Tönnies' Aussage nur als "Diskriminierung", nicht als "Rassismus".

Auch vielen Schalker Fans reichte diese Reaktion nicht: Sie hielten vor dem Pokalspiel beim SV Drochtersen/Assel (5:0) ein Plakat mit der Aufschrift "Wir zeigen Tönnies die Rote Karte" hoch.

Fall Tönnies überschattet Aktion

Der Ärger um Tönnies überschattet nun die schon vorher geplante Einrichtung der neuen Anti-Diskriminierungsstelle.

"Die Beratungsstelle dient als Anlaufpunkt für Menschen, die auf Schalke Opfer von diskriminierendem, rassistischem und sexistischem Verhalten oder Gewalt geworden sind, außerdem können Verstöße gegen das Leitbild des S04 und die Stadionordnung der Veltins-Arena gemeldet werden", erklärt Schalke in der Mitteilung.

Vorstand Peter Peters ergänzt: "Unter dem Leitgedanken #stehtauf wollen wir ab der Saison 2019/2020 unser Engagement für ein tolerantes und vielfältiges Schalke vergrößern und intensivieren." Der Fall Tönnies wird mit keinem Wort erwähnt.