Wehe, wenn sie ausbrechen: So gefährlich sind Supervulkane

Das möchte niemand erleben: Szene aus dem Film “Supervulkane”. (Bild: ddp)

Mit Weltuntergangstheorien ist es ein bisschen wie mit Krimis – sie sind unterhaltsam aber nie so bedrohlich, dass man wirklich Angst bekommen müsste. Und doch gibt es eine Kraft, die sich in der Geschichte der Erde schon etliche Male gezeigt und ein unvergleichbares Zerstörungspotenzial hat: Supervulkane.

Supervulkane sind nicht durch Bergkegel erkennbar, sondern nur durch Schwefelgeruch und sprudelnde Heißwasserquellen. Zumindest, solange von ihnen kein größeres Ungemach droht. Brechen sie aber aus, schleudern sie so viel Säure und Asche in die Luft, dass der Boden einstürzt und ein Loch in der Größe einer Großstadt zurücklässt. Die Temperaturen sinken über Jahre erheblich, die Erde versinkt in Dunkelheit. Als vor 25.000 Jahren der Taupo in Neuseeland ausbrach, hatten die Pflanzen und Tiere keine Chance. Das war das letzte Mal, dass es zum Ausbruch eines Supervulkans gekommen ist. Doch in Sicherheit wiegen kann man sich deswegen noch lange nicht. Laut einem veröffentlichten Gutachten des Geological Society of London stehen die Chancen auf einen vergleichbaren Ausbruch noch in diesem Jahrhundert bei 1:6. Und die Folgen wären auch heute verheerend: Riesige Flüchtlingsströme, Hungersnöte und eine Wirtschaftskrise, vor der kein Land der Welt sicher wäre.

Wie sind Supervulkane aufgebaut?

Mittels Erdbebenwelle, die die Erde durchlaufen und je nach Material ihre Geschwindigkeit verändern, haben Forscher der Universität Nowosibirsk den indonesische Supervulkan Toba untersucht. Das Ergebnis: In einer Tiefe von mehr als hundert Kilometern schiebt sich die Erdplatte des Indischen Ozeans unter die Indonesiens. Pro Monat macht das einen halben Zentimeter, der peu à peu dazu führt, dass die unten liegende Meeresplatte von der schieren Masse regelrecht ausgequetscht wird. Das Wasser steigt nach oben, das darüber liegende Gestein verwandelt sich zum Teil in Magma.

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Das Magma sammelt sich in einem riesigen Vorratsbecken, dessen Aufstieg nur durch eines verhindert wird: Die Erdkruste, die einen Gesteinsdeckel bildet. Je länger das Magma darunter eingeschlossen ist, desto mehr Gas bildet sich in ihm. Der Druck steigt und steigt. Ist er hoch genug, hat das Magma genug Kraft, den Deckel zu durchbrechen.

Der Yellowstone in den USA

Genug Potenzial für den Riesenrumms gibt es unter jedem Kontinent. Dennoch gibt es einige Hotspots, die die Geologenherzen höher schlagen lassen und unter genauer Beobachtung stehen. Ein heißer Anwärter auf den gefährlichsten Supervulkan der Welt ist der, der unter dem Yellowstone Nationalpark brodelt. Bei seinem letzten Ausbruch vor

Der Vulkan Yellowstone liegt unter dem gleichnamigen und namensgebenden Nationalpark in den Vereinigten Staaten. (Bild: ddp)

64.000 Jahren entstand ein Krater in der Größe Korsikas, vor 1,2 Millionen Jahren und vor 2,1 Millionen Jahren war er ebenfalls ausgebrochen. Laut dem Forscher Hsin-Hua Huang der Universität Utah ist die Menge des Magmas unter dem Yellowstone sogar noch viel größer, als die Geologen bislang angenommen hatten: Elf Mal könnte man damit den Grand Canyon auffüllen, schrieb er im Wissenschaftsmagazin „Science“.

Italiens Brennende Felder

Doch auch in Europa könnte ein Ausbruch bevorstehen. Westlich von Neapel liegt der Supervulkan Phlegräische („Brennende“) Felder, dessen heiße Quellen in den letzten Monaten einen deutlich erhöhten Kohlenmonoxid-Anteil enthalten. Ein mögliches Anzeichen für aufsteigendes Magma, wie Forscher um Giovanni Chiodini im Magazin „Nature Communications“ berichteten.

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Dazu sei die Temperatur der Wasserdampffontänen um 70 Grad auf etwa 300 Grad gestiegen, Erdbeben in der Region häufen sich. Eine gefährliche Situation nicht nur für die 1,5 Millionen Menschen, die in einem engeren Radius um das Risikogebiet leben. Käme es zu einem größeren Ausbruch, könnten laut Agust Gudmundsson von der University of London weite Teile Europas von einer dicken Ascheschicht überzogen werden. Schon ein Zentimeter reicht aus, um die Ernte eines Feldes zu vernichten.

Von ersten Anzeichen bis zum Ausbruch

Darin, dass sich ein Ausbruch durch vermehrte Erdebene, mehr ausströmendes Gas und eine Wölbung der Erdoberfläche andeutet, sind sich die Experten einig. Forscher der Blaise-Pascal-Universität von Clermont-Ferrand haben berechnet, dass zwischen den ersten Anzeichen und einem Ausbruch nur ein paar Monate liegen könnten, optimistischere Daten gehen von einem Jahr aus. Doch selbst, wenn man im Voraus Bescheid wüsste: Die Geological Society of London hat schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass für diesen Fall keinerlei Notfallpläne existieren. Und weltweit gibt es mehr als 20 bekannte Supervulkane.

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