Angebliche Abhöraktion gegen Trump belastet nun auch Verhältnis zu London

1 / 2
US-Präsident Trump brachte die Affäre ins Rollen

Die Affäre um den angeblichen Lauschangriff gegen den heutigen US-Präsidenten Donald Trump durch seinen Vorgänger Barack Obama belastet nun auch das Verhältnis der USA zu Großbritannien. Nachdem das Weiße Haus dem britischen Geheimdienst GCHQ am Donnerstag zunächst eine Verwicklung in die angebliche Abhöraktion vorgeworfen hatte, sicherte die US-Regierung am Freitag nach Aussage Londons zu, derartige Vorwürfe nicht zu wiederholen. Das Weiße Haus versicherte später, Großbritannien keine Spionage vorgeworfen zu haben.

Trumps Sprecher Sean Spicer hatte am Donnerstag zunächst einen Medienbericht zur Untermauerung der Vorwürfe angeführt. Spicer stützte sich dabei auf einen Bericht des Senders Fox News. Darin wird Obama vorgeworfen, er habe zur Überwachung von Trump den britischen Geheimdienst GCHQ genutzt, um "keine amerikanischen Fingerabdrücke zu hinterlassen".

In dem Bericht erklärte der Justizexperte und Kommentator Andrew Napolitano, der Sender sei von "drei Geheimdienstquellen" darüber informiert worden, dass Obama die "Kommandokette" verlassen habe, um das Abhören anzuordnen. Er habe weder die eigenen Geheimdienste NSA und CIA, noch die Bundespolizei FBI oder das Justizministerium genutzt. Stattdessen habe er sich an den GCHQ gewandt.

Ins Rollen gekommen war die Affäre zunächst durch Trump selbst, der in einer Reihe von Einträgen bei Twitter Anfang März behauptet hatte, Obama habe in der heißen Wahlkampfphase seine Telefone im Trump Tower angezapft. Belege dafür lieferte er nicht. Stattdessen beauftragte er den Kongress damit, dem Vorwurf nachzugehen. Die Geheimdienstausschüsse erhielten bislang nach eigenen Angaben auch noch keine Beweise. Obama wies die Anschuldigungen zurück.

Die britische Regierung und der Geheimdienst reagierten erzürnt auf die jüngsten Aussagen Spicers. Die Äußerungen von Napolitano seien "Unsinn" und "vollkommen lächerlich", erklärte ein GCHQ-Sprecher knapp. Sie sollten schlicht "ignoriert" werden. Später erklärte die Pressestelle des Geheimdienstes, eine solche Klarstellung sei im Inhalt nicht ungewöhnlich, "vielleicht aber im Ton".

Schließlich reagierte auch die britische Premierministerin Theresa May über einen ihrer Sprecher. Die Anschuldigungen seien "vollkommen lächerlich" und das sei der US-Regierung auch so übermittelt worden. "Wir haben die Zusage erhalten, dass diese Anschuldigungen nicht wiederholt werden."

Der Chef der britischen Liberaldemokraten, Tim Farron, sprach von "beschämenden" Äußerungen durch den Kommentator Napolitano. Diese gefährdeten nicht nur die Sicherheit Großbritanniens, sondern auch die der USA, erklärte er.

In den USA kamen am Freitag der britische Botschafter Kim Darroch und der britische Nationale Sicherheitsberater Mark Lyall Grant mit Spicer und dem Nationalen Sicherheitsberater der USA, Herbert Raymond McMaster, zusammen, um Klarheit in der Sache zu schaffen. Darroch und Grant hätten ihrer Besorgnis Ausdruck verliehen, teilte das Weiße Haus mit. Spicer und McMaster wiederum hätten versichert, dass sich der Regierungssprecher lediglich auf einen Medienbericht berufen habe, "ohne eine bestimmte Theorie zu unterstützen".

Der ehemalige britische Außenminister Malcolm Rifkind sagte, das Weiße Haus müsse nun eindeutig klarstellen, dass es keine Beweise für eine Beteiligung des GCHQ an der angeblichen Abhöraktion gebe. "Das ist einfach dumm und sehr, sehr gefährlich. Präsident Trump sollte das besser in den Griff bekommen", sagte Rifkind dem Sender BBC. "Wir reden hier vom Präsidenten der USA. Es kann nicht sein, dass sein offizieller Sprecher Vorwürfe gegen die Regierung eines Nato-Partners erhebt", sagte Rifkind.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen