Weil es sich die Eltern wünschen: US-Stadt führt Prügelstrafe an Schule wieder ein

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21 Jahre sah man in der US-Kleinstadt Cassville davon ab, ungehörige Schüler mit Schlägen zu maßregeln. Doch nun wurde im Schulbezirk die Prügelstrafe wieder eingeführt – auf Wunsch zahlreicher Eltern.

Stockhiebe bleiben zwar weiterhin verboten, doch eine US-Kleinstadt hat nach 21 Jahren Pause die Prügelstrafe mit einem Holzpaddel wieder eingeführt. (Symbolbild: Getty Images)
Stockhiebe bleiben zwar weiterhin verboten, doch eine US-Kleinstadt hat nach 21 Jahren Pause die Prügelstrafe mit einem Holzpaddel wieder eingeführt. (Symbolbild: Getty Images)

Ein ordentlicher Hieb mit dem Stock oder Lineal auf die ausgestreckten Finger, ein Schlag auf den Hinterkopf oder gar eine Ohrfeige, die Möglichkeiten der "Züchtigungsmaßnahmen", zu denen Lehrer einst zurückgriffen, waren mannigfaltig und vor allem schmerzhaft.

Im Jahr 1973, also vor knapp 50 Jahren, wurde es in den meisten deutschen Bundesländern verboten, dass Lehrer ihre Schüler im Unterricht zur Strafe schlagen. In Bayern wurde dies 1983 gesetzlich verankert.

Anders in den USA, dort ist die Prügelstrafe an Schulen in vielen Staaten weiterhin erlaubt. Nun sorgte Cassville, eine Kleinstadt im Bundesstaat Missouri, weltweit für Schlagzeilen, weil sie, 21 Jahren nach der Abschaffung, die Bestrafung von Schülern durch Schläge wieder einführt und dies angeblich auf den Wunsch vieler Eltern.

Nach 21 Jahren Pause: Schulbezirk führt Prügelstrafe wieder ein

Im Jahr 2001 wurde die Prügelstrafe im dortigen Schulbezirk abgeschafft. Dass diese nun zwei Jahrzehnte später eine Renaissance erlebt, soll auf eine Initiative der Eltern zurückgehen.

Dem "Springfield News Leader" erzählte Merlyn Johnson, verantwortlicher Superintendent der Schulen im Bezirk Cassville, dass er von Eltern gefragt wurde, ob es nicht möglich wäre, Schüler mit einem Holzpaddel zu züchtigen. Auf seine Entgegnung, dass diese Art von Bestrafung nicht mehr in den Richtlinien des Schulbezirks verankert sei, reagierten zahlreiche Eltern mit der Bitte, diese Leitlinien zu ändern und die Möglichkeit einer Prügelstrafe wieder einzuführen. Am Ende gab die Schulbehörde diesem Drängen nach.

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Bereits im Juni entschieden die Behörden darüber, dass "körperliche Gewalt zur Korrektur des Verhaltens von Schülern" künftig an den Schulen wieder angewendet werden darf. Die betreffenden Eltern wurden nun über diese Entscheidung und die neue Regelung in Kenntnis gesetzt.

Diese Neuregelung ist allerdings nicht als Freibrief des Lehrkörpers zu verstehen, jeden ungehorsamen Schüler körperlich zu züchtigen. Vielmehr dürfen nur die Kinder mit einem Holzpaddel geschlagen werden, deren Eltern zuvor den Schulbehörden eine schriftliche und unterschriebene Genehmigung zukommen ließen.

Eltern bedanken sich für Wiedereinführung der Prügelstrafe

Auch ist es den Lehrern nicht gestattet, wild drauf los zu schlagen, der Ablauf der schmerzhaften Züchtigungsmaßnahme ist ganz genau geregelt. So darf die Prügelstrafe nur in Anwesenheit eines Zeugen durchgeführt werden.

Für jüngere Kindern sind ein bis zwei Holzpaddelschläge auf den Hintern erlaubt, bei älteren Schülern liegt die Höchstzahl bei drei Schlägen.

Andere Bestrafungen wie Ohrfeigen oder Stockschläge auf die Finger bleiben weiterhin verboten.

Die Schläge dürfen nur von einem Lehrer oder einem Schulleiter durchgeführt werden und nach Vollstreckung muss der verantwortliche Superintendent mittels eines Berichts über die durchgeführten Züchtigungsmaßnahmen informiert werden.

Mit solch einem Holzpaddel sind an den Schulen in Cassville nun wieder Schläge erlaubt - unter bestimmten Voraussetzungen. (Bild: Getty Images)
Mit solch einem Holzpaddel sind an den Schulen in Cassville nun wieder Schläge erlaubt - unter bestimmten Voraussetzungen. (Bild: Getty Images)

In der Stadt Cassville sollen die neuen Strafmaßnahmen sehr gut ankommen. Zahlreiche Eltern sollen sich bereits bei Superintendent Johnson für die Wiedereinführung bedankt haben. Allerdings, so beschwichtigte Johnson in den Medien, freue sich bei den Lehrern niemand darüber, da keiner gerne Kinder schlage.

"Uns ist bewusst, dass die Nachricht ein kleiner Schock sein mag. Aber vielleicht gibt es Kinder da draußen, die ihr Verhalten nun ändern, weil es jetzt eine neue Form der Bestrafung gibt", so Johnson gegenüber dem "Springfield News Leader".

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1977 entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass die Prügelstrafe generell nicht verboten sei. Die Entscheidung, ob diese an Schulen Anwendung finden sollte, überließen die Richter den jeweiligen Bundesstaaten. Und so ist im Jahr 2022 in 19 US-Staaten, darunter Texas und Missouri, die körperliche Züchtigung weiterhin erlaubt. So kam es im Schuljahr 2017/2018 in den USA zu 69.000 Fällen von Prügelstrafen an Schulen, wie die "Washington Post" unter Berufung auf Zahlen aus dem Bildungsministerium berichtete.

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