Neuer Prozess gegen Weinstein in New York soll nach dem Sommer beginnen

Dem früheren US-Filmmogul Harvey Weinstein wird nach der Annullierung seines Vergewaltigungsurteils in New York nach dem Sommer dort erneut der Prozess gemacht. Dies kündigte ein Richter bei einem Termin an, an dem auch Weinstein selbst teilnahm. (Steven Hirsch)
Dem früheren US-Filmmogul Harvey Weinstein wird nach der Annullierung seines Vergewaltigungsurteils in New York nach dem Sommer dort erneut der Prozess gemacht. Dies kündigte ein Richter bei einem Termin an, an dem auch Weinstein selbst teilnahm. (Steven Hirsch)

Dem früheren US-Filmmogul Harvey Weinstein wird nach der Annullierung seines New Yorker Hafturteils wegen sexueller Gewalt nach dem Sommer dort erneut der Prozess gemacht. Bei einem Termin mit dem weiterhin inhaftierten Weinstein kündigte Richter Curtis Farber am Mittwoch (Ortszeit) an, dass das neue Gerichtsverfahren nach dem Labor-Day-Feiertag am 2. September beginnen werde. Einen konkreten Termin nannte der Richter noch nicht.

Der 72-jährige Weinstein wirkte bei dem Gerichtstermin gebrechlich. Er wurde in einem Rollstuhl begleitet von zwei bewaffneten Sicherheitsbeamten in den Gerichtssaal gebracht und winkte lächelnd Unterstützern im Publikum zu. Anwesend war auch die Ex-Schauspielerin Jessica Mann, die den früheren Filmproduzenten beschuldigt, sie im Jahr 2013 vergewaltigt zu haben.

Weinstein war wegen dieses Vergewaltigungsvorwurfs sowie auch wegen der Anschuldigung der ehemaligen Produktionsassistentin Mimi Haleyi, sie zu Oralsex aufgezwungen zu haben, im März 2020 in New York zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaats New York hob das Urteil jedoch in der vergangenen Woche wegen Verfahrensfehlern auf und ordnete eine Neuverhandlung an.

Seine Entscheidung begründete das Gericht damit, dass in dem Prozess auch die Zeugenaussagen mutmaßlicher Weinstein-Opfer zugelassen wurden, die in der Anklage nicht genannt worden waren.

Die Aufhebung des Hafturteils löste Enttäuschung und Entsetzen in der #Metoo-Bewegung gegen sexuellen Machtmissbrauch aus. Weinstein blieb jedoch in Haft, da er in einem anderen Verfahren in Los Angeles im Februar 2023 ebenfalls wegen Vorwürfen sexueller Gewalt zu einer 16-jährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Weinsteins Verteidiger in New York beantragten dennoch die Freilassung ihres Mandanten auf Kaution, dies wurde jedoch am Mittwoch von Richter Farber zurückgewiesen.

Staatsanwältin Nicole Blumberg zeigte sich "fest davon überzeugt", dass Weinstein erneut verurteilt werde. Ihre Mandantin Jessica Mann wolle, dass "der Gerechtigkeit erneut Genüge getan wird".

Im Unterschied zu Mann war das andere mutmaßliche Weinstein-Opfer Haleyi bei dem Gerichtstermin am Mittwoch nicht anwesend. Haleyis Rechtsvertreterin Gloria Allred sagte, die Aufhebung von Weinsteins Hafturteil habe bei ihrer Mandatin "ein neues Trauma" verursacht. Deshalb habe Haleyi auch noch nicht entschieden, ob sie in dem neuen Prozess aussagen wolle.

Vor dem neuen Prozess nach dem Labor Day soll es noch eine Gerichtsanhörung zu dem Fall am 29. Mai geben. Weinsteins Anwalt Arthur Aidala insistierte am Mittwoch, dass sein Mandat "von den schwerwiegendsten Vorwürfen freigesprochen" sei. Auch sagte er mit Blick auf Weinsteins angeschlagenen Gesundheitszustand, dass dessen "Leben auf dem Spiel" stehe.

Am Wochenende war der 72-Jährige nach Angaben seines Anwalts vom Gefängnis für eine "Vielzahl von Tests" in ein New Yorker Krankenhaus gebracht worden. Dabei sei festgestellt worden, dass Weinstein "sofortige medizinische Hilfe benötigt", hatte Aidala vor dem Gerichtstermin am Mittwoch mitgeteilt.

Weinstein war früher einer der mächtigsten Männer Hollywoods. "Er war es gewohnt, Champagner zu trinken und Kaviar zu essen - jetzt kauft er Chips" im Gefängnis, sagte Anwalt Adaila. Dutzende Frauen werfen dem früheren Filmmogul sexuelle Angriffe bis hin zur Vergewaltigung vor. Die Enthüllungen über Weinstein hatten 2017 die #MeToo-Bewegung ausgelöst.

dja/yb