Mehr als 140 Tote durch Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

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Aufräumarbeiten in Altenahr

Bei der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind mindestens 141 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Menschen werden noch vermisst. Während mancherorts schon die Aufräumarbeiten begannen und an einigen Stellen die Pegel leicht zurückgingen, blieb die Lage am Samstag in vielen Regionen angespannt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief zu Solidarität mit den Betroffenen auf, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am Sonntag im Krisengebiet erwartet.

Im Raum Ahrweiler in Rheinland-Pfalz erhöhte sich die Todeszahl im Zusammenhang mit der Hochwasserkatastrophe auf 98, wie die Polizei Koblenz am Nachmittag bekanntgab. Die Zahl der Verletzten stieg demnach auf 670. Die Gesamtzahl der bestätigten Todesopfer in NRW lag bis zum Nachmittag bei 43. Die Zahl der Toten übertrifft mittlerweile um ein Mehrfaches jene der sogenannten Jahrhundertflut aus dem Jahr 2002, bei der in Sachsen 21 Menschen gestorben waren.

Viele Menschen wurden am Samstag noch vermisst. Die genaue Zahl war unklar, da die Behörden sich mit genauen Angaben zurückhielten. Oft konnten Menschen ihre Angehörigen nicht erreichen, weil Telefonleitungen und Mobilfunknetz noch unterbrochen waren.

Kritisch war die Lage an der Steinbachtalsperre bei Euskirchen. Es drohe weiterhin "akute Überflutungsgefahr" durch das Versagen des Absperrdammes, twitterte die Kölner Bezirksregierung. Zwischenzeitlich hatte es Hoffnung auf eine Entspannung gegeben: Am Freitagabend war der Grundablass der zuvor von Geröll verstopften Sperre geöffnet worden, Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks pumpten Wasser ab.

Laut Bezirksregierug kann eine Entwarnung aber erst bei einer Zweidrittel-Entleerung gegeben werden. Nach vorsichtiger Schätzung könne diese am Sonntagnachmittag erreicht sein. In der Nacht war im Kreis Heinsberg nahe der niederländischen Grenze der Wassenberger Stadtteil Ophoven evakuiert worden, wo ein Damm der Rur gebrochen war.

In den überfluteten Orten bot sich ein Bild der Zerstörung. In der Region Ahrweiler suchte die Polizei schwer zugängliche Bereiche mit Hubschraubern ab. Im nordrhein-westfälischen Erftstadt, wo die über die Ufer getretene Erft zahlreiche Häuser unterspült und zum Einsturz gebracht hatte, sprach Bürgermeisterin Carolin Weitzel von einem "verheerenden" Ausmaß. Die Bundeswehr barg auf der überfluteten B265 mit Hilfe von Panzern Autos und suchte nach möglichen Opfern.

Bundespräsident Steinmeier und NRW-Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet besuchten Erftstadt. Steinmeier sprach den Betroffenen seine Anteilnahme aus. "Wir trauern mit denen, die Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder verloren haben. Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz", sagte er nach Gesprächen mit Betroffenen und Einsatzkräften.

Laschet versprach, das Land Nordrhein-Westfalen werde "alles dafür tun", Direkthilfe für die Betroffenen zu organisieren. Danach müsse strukturell geholfen werden, alles wiederaufzubauen. Er sei froh, dass sowohl der Bund als auch die anderen Länder Unterstützung zugesagt hätten, erklärte Laschet.

Auch Frank Rock (CDU), der Landrat des Rhein-Erft-Kreises, bedankte sich für die Solidarität. "Sie trägt uns alle", sagte er. Er sprach von einer Situation, "die wir uns vor einigen Tagen oder Wochen nicht vorstellen konnten."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich am Sonntagnachmittag zusammen mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in dem besonders betroffenen Eifeldorf Schuld über das Ausmaß der Schäden informieren. Am Freitag hatte Merkel an Videokonferenzen der Krisenstäbe von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen teilgenommen.

Die Kanzlerin habe die Unterstützung des Bundes zugesichert, twitterten ihr Sprecher Steffen Seibert und die Staatskanzlei in Düsseldorf. Am Mittwoch will das Bundeskabinett über Hilfen beraten.

smb/ilo

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