Welche Fragen Sie mitbringen sollten - Anwalt für die Scheidung auswählen? Darauf müssen Sie dabei achten

Anwältin Sandra Günther erklärt, worauf es bei der Auswahl eines Anwalts im Familienrecht ankommt.<span class="copyright">Getty Images/MilanEXPO</span>
Anwältin Sandra Günther erklärt, worauf es bei der Auswahl eines Anwalts im Familienrecht ankommt.Getty Images/MilanEXPO

Menschen, die von ihrem Partner verlassen wurden, die vielleicht ihr Haus verloren haben oder um das Umgangsrecht für die Kinder streiten, befinden sich oft in einer Ausnahmesituation. Anwältin Sandra Günther erklärt, wie man in einer solchen Situation den richten Anwalt für Familienrecht findet.

Was sind die wichtigsten Aspekte, die man bei der Beauftragung eines Anwalts im Familienrecht beachten sollte?

Das familienrechtliche Mandat ist anders als ein mietrechtliches oder baurechtliches Mandat. Familienrechtliche Mandanten befinden sich meist in einer privaten Ausnahmesituation. Sie wurden von ihrem Partner verlassen oder geschlagen, sie haben ihr Haus verloren und kämpfen um das Umgangsrecht mit gemeinsamen Kindern. Umso mehr ist es wichtig, dass die Beauftragung eines Rechtsanwalts für Familienrecht von Vertrauen geprägt sein muss.

Betroffene sollten zunächst im Bekannten- und Verwandtenkreis erfragen, ob eine Empfehlung für einen Rechtsanwalt ausgesprochen werden kann. Sollte dies erfolglos sein hilft ein Blick in die zur Verfügung stehenden Suchmaschinen.

Auch Social-Media wie Instagram kann helfen, den richtigen Rechtsanwalt zu finden. Betroffene sollten sich im Vorfeld auch überlegen, ob sie lieber von einem Mann oder einer Frau vertreten werden möchten. Auch die Entfernung zwischen Rechtsanwalt und Wohnort von Betroffenen sollte eine Rolle spielen.

In einem ersten Beratungsgespräch besteht die Möglichkeit, sich kennenzulernen und ein Gefühl dafür zu bekommen, ob eine spätere Mandatierung Sinn macht oder auch nicht. Wichtig ist dabei zu wissen, dass eine Erstberatung Geld kostet. Im Vorfeld zu erfragen, wie hoch die Beratungsgebühr sein wird, kann zielführend sein.

Betroffene sollten bei der ersten Begegnung mit ihrem Rechtsanwalt auf ihr Bauchgefühl hören. Wenn ein Störgefühl da ist, sollte diesem auch Beachtung geschenkt werden. Es gibt so viele Familienrechtler, da ist für jeden einer dabei, der in Frage kommt.

Wie läuft die Mandatsaufnahme bei einem Anwalt für Familienrecht ab?

Wenn Mandanten zum ersten Mal ihren Anwalt aufsuchen, wird ihnen in der Regel ein Mandatenaufnahmebogen überreicht mit der Bitte, diesen auszufüllen. Wenn der Anwalt sodann zum Gespräch bittet, werden Mandanten zunächst einmal gebeten, zu erzählen, was der Anlass ihres Beratungstermins ist.

Viele Mandanten sind in den ersten Minuten hochemotional, weinen und sind nicht in der Lage, den Sachverhalt strukturiert zu erzählen. Dies ist der belastenden Situation geschuldet, in welcher sich die meisten Mandanten befinden.

Ein guter und einfühlsamer Anwalt ist in der Lage, die Mandanten emotional aufzufangen und versucht, den Sachverhalt gemeinsam mit dem Mandanten zu sortieren. Der Anwalt wird viele Fragen stellen, dabei können die Fragen auch sehr persönlich sein. Dies hängt von dem jeweiligen Sachverhalt ab.

Wichtig ist, dass Mandanten ihrem Anwalt vertrauen. Ohne Vertrauen kann kein gutes Mandatsverhältnis entstehen. Wenn der Anwalt dann herauskristallisiert hat, welche Themen für den Mandanten anstehen, wird er Lösungswege aufzeigen. Ein guter Anwalt weist zu diesem Zeitpunkt bereits auf die Kosten hin, die bei weiteren rechtlichen Schritten für den Mandanten entstehen können. Wenn Mandanten nicht genügend Geld haben, dann können sie Verfahrenskostenhilfe beantragen. Manche Anwälte sind sogar offen für Ratenzahlungen.

Wichtig ist es, dass Anwalt und Mandant sich einig darüber sind, welche Schritte als nächstes eingeleitet werden. Ein guter Anwalt wird sich die Zeit nehmen, den Mandanten kennenzulernen, um ein Gefühl für diesen zu bekommen. Einfühlungsvermögen und Empathie sind für ein gelingendes Mandatsverhältnis unerlässlich.

Der Mandant hat in der Regel auch Zeit genug, seine wichtigen Fragen zu stellen. Mandanten sollten ihren Anwalt auch fragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Dies ist keine Schande, sondern Normalität. Der erste Besuch beim Anwalt ist für die Betroffenen meistens ein einschneidendes Ereignis, da sie grundsätzlich niemals damit gerechnet hätten, dass ihre Ehe zerbricht, das Fremdgehen ein Thema wird oder Kinder zum Streitthema werden.

Welche Rolle spielen Kinder in einem familienrechtlichen Mandat und wie wird ihr Wohl gewährleistet?

Kinder spielen bei familienrechtlichen Mandaten eine große Rolle. Kinder sind diejenigen, die sich in der schwächsten Position befinden. Sie sind den Verhaltensweisen ihrer Eltern oft schutzlos ausgeliefert, erleben jahrelange Streitigkeiten, erleben ihre Eltern traurig, wütend oder abwesend.

Wenn Eltern die Kinder aus dem Blick verlieren und sich nur noch anfeinden, dann leidet das Kindeswohl. Dies ist ein Fakt. Kinder leiden, wenn sie ihre Eltern ständig streiten sehen und hören. Sie wollen, dass ihre Eltern glücklich sind. Kinder wünschen sich auch, das Eltern zusammenbleiben und sie mit beiden wohnen dürfen. Diese Voraussetzungen sind im Rahmen einer Trennung aber nicht mehr gegeben.

Um Das Kindeswohl zu schützen, sollten Eltern gemeinsam mit ihren Kindern sprechen und ihren mitteilen, dass eine Trennung ansteht. Sie sollten ihren Kindern, nach Möglichkeit gemeinsam, mitteilen, dass sie als Eltern immer für sie da sind. Sie sollten Kindern zusichern, dass diese weiterhin beide lieben dürfen und sogar sollen und das regelmäßige Kontakte weiterhin bestehen bleiben. Auf diese Weise besteht zumindest die Chance, dass gemeinsame Kinder die Trennung einigermaßen unbeschadet überstehen.

Natürlich spielen der Charakter und die Veranlagung des jeweiligen Kindes auch eine große Rolle dabei, ob ein Kind sehr unter einer Trennung leidet oder nicht. Dies hat etwas mit Resilienz zu tun. Eine Trennung ist nicht schön, aber oft ist eine Trennung die einzige Möglichkeit, um wieder glücklich zu werden.

Wenn Eltern es dann noch schaffen, sich wechselseitig mit Respekt zu behandeln, dann haben Kinder eine gute Chance, trotz Trennung, gesund und glücklich aufzuwachsen. Kinder können mit einer Trennung zurechtkommen, wenn die Erwachsenen es vormachen. Kinder sollten zu den Terminen beim Anwalt nach Möglichkeit nicht anwesend sein. Derartige Gespräche belasten die Kinderseele und können somit nachhaltigen Schaden anrichten. Betroffene sind somit gut damit beraten, ihre Kinder betreuen zu lassen, um den Termin beim Anwalt ungestört wahrzunehmen.

Was sollte man zu einem Beratungsgespräch mit einem Anwalt für Familienrecht mitbringen und welche Fragen sollte man stellen?

Das Beratungsgespräch beim Rechtsanwalt will gut vorbereitet sein, wenn es effektiv sein soll. Damit ist aber nicht gemeint, dass ein seitenlanger Fragenkatalog gefüllt mit Beispielen vorgetragen werden soll. Das Motto: Close to the facts! Wenn es um eine Scheidung geht, ist es sinnvoll, die Heiratsurkunde und die Geburtsurkunde der gemeinsamen Kinder direkt mitzubringen.

Wenn bereits anwaltliche Schreiben vorliegen, sollten auch diese im Termin vorgelegt werden, damit der Anwalt sich ein Bild darüber machen kann, was von der Gegenseite gefordert wird und er möglicherweise darauf reagieren kann.

Wenn ein Ehevertrag geschlossen wurde, ist es wichtig, auch diesen zum Termin mitzubringen. Die ladungsfähige Anschrift des Expartners sowie mögliche Beweismaterialien sind ebenfalls unerlässlich für ein effektives Beratungsgespräch beim Rechtsanwalt. Ein guter Anwalt umreißt das in Rede stehende Thema vorab und klärt darüber auf, welche Wege möglich sind und was für Lösungen er vorschlägt. Wenn danach noch Fragen offen sind, sollte der Mandant seine Fragen stellen.

Häufig drücken Anwälte sich für Laien schwierig aus. Als Mandat sollte man dann keine Scheu haben, zu sagen, dass man etwas nicht verstanden hat. Wichtig ist es auch, nach den Kosten zu fragen. Transparenz ist diesbezüglich unheimlich wichtig. Die Frage nach der Dauer eines Verfahrens und dem Ablauf sollte ebenfalls gestellt werden. Es gibt auch häufig das sogenannten Prozessrisiko. Den Anwalt darauf anzusprechen, kann ebenfalls sinnvoll sein.

Die meisten Anwälte sind telefonisch nicht so einfach erreichbar, sodass der Mandant fragen sollte, wie der Anwalt am besten erreichbar ist. Familienrechtliche Mandate sind oft hochexplosiv und erfordern häufig situatives Handeln vom Anwalt. Somit ist es natürlich wichtig für den Mandanten, zu wissen, wohin er sich im Notfall wenden kann.