Die Weltbank warnt vor schlechten Wachstumsaussichten im gesamten asiatischen Raum – auch weil China so schwächelt

Stark getroffen von neuen US-Regulierungen ist Chinas Elektronikbranche. - Copyright: picture alliance / NurPhoto | CFOTO
Stark getroffen von neuen US-Regulierungen ist Chinas Elektronikbranche. - Copyright: picture alliance / NurPhoto | CFOTO

Der asiatisch-pazifische Raum war lange Zeit einer der wichtigsten Wirtschaftsmotoren der Welt. Nun hat die Weltbank ihre Wachstumsprognosen für die Region angepasst. Die Entwicklungsbank korrigierte ihre Prognose für die sich entwickelnden Volkswirtschaften in Ostasien und im pazifischen Raum, zu denen auch China gehört, nach unten, wie die "Financial Times" (FT) berichtet.

Für das Jahr 2024 gehe sie nun von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 4,5 Prozent aus. Im April hatte die Weltbank noch 4,8 Prozent erwartet. Die prognostizierten Wachstumsraten für die Region seien demnach so niedrig wie zuletzt Ende der 1960er Jahre, wenn man von außergewöhnlichen Ereignissen wie der Pandemie absieht. Gründe für das geringere Wachstum sind laut der "FT" unter anderem eine sinkende globale Nachfrage sowie eine steigende Verschuldung.

Neue Regulierungen tragen zu Wachstumssorgen bei

Ein besonders wichtiger Faktor sind demnach aber auch die neuen protektionistischen US-Regulierungen. Die Regulierungen der USA, der Inflation Reduction Act und der Chips and Science Act, treffen nicht nur China, sondern die gesamte Region.

Früher hätten südostasiatische Länder von wirtschaftlichen Konflikten zwischen den USA und China profitieren können, teilte die Weltbank demnach mit. Der Grund: Die USA handelten stattdessen mit anderen asiatischen Ländern. Seitdem die neuen Regelungen in Kraft sind, sind jedoch die Exporte aus der gesamten asiatischen Region in die USA zurückgegangen.

Chinas Wirtschaft gerät ins Stocken

Wie die "FT" schreibt, sind vor allem die niedrigen Wachstumsraten Chinas problematisch, da davon auszugehen sei, dass sie sich auf den gesamten asiatischen Raum auswirken werden. Die Weltbank habe ihre eigene Wachstumsprognose für 2024 seit April (4,8 Prozent) auf 4,4 Prozent angepasst.

Aaditya Mattoo, Chefökonom der Weltbank für Ostasien und den pazifischen Raum, sagte der "FT", vor allem Chinas Entwicklung nach der Pandemie sei nicht wie erwartet verlaufen. Ökonomen hätten zuvor geschätzt, dass sich die Wirtschaft nachhaltiger und stärker erholen würde. Die "FT" schreibt weiter, dass die Einzelhandelsumsätze unter das Niveau vor der Pandemie gefallen seien, die Immobilienpreise stagnierten und die Staatsverschuldung steige.

Immobilienprojekt von Evergrande in China. Der Konzern ist in eine Schieflage geraten und wurde zum Symbol für Chinas Wirtschaftskrise.
Immobilienprojekt von Evergrande in China. Der Konzern ist in eine Schieflage geraten und wurde zum Symbol für Chinas Wirtschaftskrise.

Wenn China und andere asiatische Staaten jetzt keine tiefgreifenden Reformen in Angriff nehmen würden, so Mattoo, werde sich diese Entwicklung fortsetzen. Die gesamte Region habe vor allem durch Handel und Investitionen einen Aufschwung erlebt. Jetzt müsse auch der Dienstleistungssektor erneuert werden, vor allem um von der Digitalisierung zu profitieren.

aeh