Mihambo verärgert den DLV

SID

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo trainiert künftig beim neunmaligen Olympiasieger Carl Lewis. Das bestätigte die 26-Jährige der Bild am Sonntag. "Ich habe das Gefühl, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt für einen solchen großen Schritt ist", sagte die 7,30-m-Springerin.

Der DLV verschickte am Pfingstsonntag eine Mitteilung, in der die Enttäuschung über den nächsten US-Wechsel einer Topathletin nach Konstanze Klosterhalfen und Gina Lückenkemper halbherzig in nette Worte gepackt war.

"Wenn Athleten eine neue Herausforderung suchen, um sich weiterzuentwickeln, können wir sie nicht aufhalten", wird Präsident Jürgen Kessing zitiert, der zwar "alles Gute" wünschte, gleichwohl darauf verwies, dass "Titelgewinne mit unserem Fördersystem absolut erreichbar sind".

Wurde DLV kalt erwischt?

Zudem ließ der Verband durchblicken, von der Entscheidung kalt erwischt worden zu sein. Am Freitag habe Mihambo die zuständigen Bundestrainer bei einem Treffen über diesbezügliche Gedankenspiele informiert, am Samstag sei per Mail - kurz vor Erscheinen des BamS-Interviews - über den Vollzug unterrichtet worden.  


Mihambo hatte den 58 Jahre alten US-Star vor einigen Wochen bei einem Online-Termin kennengelernt. Zudem wird Leroy Burrell ihr neuer Sprinttrainer. "Ich kann sehr viel von ihnen lernen, da sie den gleichen Weg gegangen sind, das ist unersetzlich. Nur wer diesen Weg beschritten hat, kann ihn auch lehren", sagte sie.  

"Ich möchte mich als Athletin und als Mensch weiterentwickeln. Das ist in diesem Umfeld gegeben", sagte die 26-Jährige der Bild am Sonntag: "Carl Lewis und Leroy Burrell waren jahrelang in der Weltspitze. Beide sind sehr offen und von meinem Potenzial überzeugt. Wenn einem so etwas der beste Weitspringer der Welt sagt, ist das ein schönes Zeichen und bestärkt einen."


Lewis vertuschte Dopingtest

Mihambo wird für die Zusammenarbeit wahrscheinlich ab August ihren Trainingsmittelpunkt in die USA verlegen. Bislang war Mihambo im beschaulichen Umfeld der LG Kurpfalz beheimatet, hatte seit Kindertagen bei Ralf Weber trainiert, der sie zur Weltmeisterin von Doha und zweitbesten deutschen Weitspringerin nach Heike Drechsler machte. Doch der Cosmopolitin Mihambo, die sich aus persönlichen Gründen von Weber trennte, scheint die kurpfälzische Welt zu klein geworden zu sein. 

Mihambo begibt sich auf reizvolles, jedoch vermintes Gebiet - wenn auch vielleicht nicht so signifikant wie Klosterhalfen mit dem Wechsel ins Oregon Project des damaligen Chefcoaches Alberto Salazar. Doch seit langem schwelen Gerüchte um Lewis' Dopingvergangenheit, 1988 war ein krachend positiver Test unter den Tisch gekehrt worden.


Mihambo schwärmt indes für die Lichtgestalt: "Er ist der Athlet des Jahrhunderts. Er interessiert sich für Politik, spielt Klavier und hat sich vegan ernährt. Er hat gesungen, geschauspielert und hatte ein eigenes Mode-Label. Das sind Menschen, die nicht den 08/15-Weg gehen."

Lewis hatte zwischen 1984 und 1996 insgesamt neunmal Gold bei Olympischen Spielen gewonnen, darunter auch über die 100 und 200 m. Bei der WM 1991 in Tokio war Lewis in einem spektakulären Weitsprung-Finale 8,91 m gesprungen - diese Weite reichte aber nur zu Silber, weil Mike Powell den bis heute gültigen Weltrekord von 8,95 m nachlegte.