Weltweit erstmals statistisch mehr als eine Million Corona-Neuinfektionen am Tag

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Corona-Teststation in London (AFP/Tolga Akmen) (Tolga Akmen)

Erstmals ist laut einer AFP-Zählung die Schwelle von weltweit statistisch mehr als einer Million Corona-Neuinfektionen pro Tag überschritten worden. Mit mehr als 7,3 Millionen von Behörden in aller Welt gemeldeten Neuinfektionen zwischen dem 23. und dem 29. Dezember gab es pro Tag im Durchschnitt 1,045 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren.

 Die Zahl ist deutlich höher als beim vorangegangenen Rekord, der zwischen dem 23. und 29. April mit durchschnittlich 817.000 Neuinfektionen täglich erreicht worden war. Mehr als 85 Prozent der jüngsten Infektionen konzentrieren sich auf Europa und Nordamerika.

 In Frankreich wurden am Donnerstag den zweiten Tag in Folge mehr als 200.000 Neuinfektionen registriert. Auch Spanien erreichte mit 161.688 Neuansteckungen einen neuen Höchststand. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Mittwoch wegen der hoch ansteckenden Omikron-Variante des Virus vor einem "Tsunami" an Corona-Fällen und einem Kollaps der Gesundheitssysteme gewarnt.

 Die britischen Behörden kündigten am Donnerstag angesichts steigender Patienten-Zahlen die Einrichtung von Corona-Lazaretten mit bis zu 4000 zusätzlichen Betten an. Die Zahl der Covid-19-Patienten in England hatte am Mittwoch die Marke von 10.000 überschritten.

NHS-Leiter spricht von "Kriegszustand"

 Der medizinische Leiter der Gesundheitsbehörde NHS, Stephen Powis, sprach angesichts der hohen Zahl an Infektionen und Krankenhauseinweisungen von einem "Kriegszustand", in dem sich seine Behörde nun befinde. Er hoffe, "dass wir diese neuen Einrichtungen nie brauchen werden".

 Auch in Italien ist die Lage in einigen Krankenhäusern angespannt. Während am 17. Dezember landesweit noch zehn Prozent der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt waren, stieg die Zahl in den vergangenen zwei Tagen nach Angaben der Gesundheitsbehörden auf 13 Prozent.

 Einige Regionen sind dabei besonders stark betroffen. So berichtete der medizinische Leiter des Casalpalocco-Krankenhauses in Rom, Antonino Marchese, dass 111 der 120 Betten seiner Klinik mit Covid-19-Patienten belegt seien. "Wir werden mit Anfragen auf Aufnahme überschwemmt. Es ist ein ständiger Druck", sagte er.

 Portugal, das mit 89,4 Prozent eine der höchsten Impfquoten weltweit aufweist, verzeichnete am Donnerstag mit 28.659 neuen Fällen binnen 24 Stunden ebenfalls einen Höchstwert bei den Neuinfektionen. Dennoch entschieden die Gesundheitsbehörden, die Quarantänezeit für symptomfreie Infizierte und deren Kontaktpersonen von zehn auf sieben Tage zu reduzieren. Sie begründeten dies mit der kürzeren Inkubationszeit bei Erkrankungen durch die Omikron-Variante.

Rekordzahlen in den USA

 Mit durchschnittlich mehr als 265.000 Fällen pro Tag seit einer Woche sehen sich auch die USA mit Rekordzahlen konfrontiert. Die US-Behörden raten wegen des massiven Anstiegs inzwischen auch Geimpften von Kreuzfahrtreisen ab.

 In Israel wurde mit 4000 Neuinfektionen binnen eines Tages der höchste Wert seit September erreicht. Das israelische Gesundheitsministerium gab am Donnerstag grünes Licht für eine vierte Corona-Impfung für Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

 Bislang macht sich die Explosion der Infektionszahlen jedoch nicht bei der Zahl der Todesfälle bemerkbar. Diese ist im Gegenteil seit drei Wochen weltweit rückläufig.

 Der Berliner Virologe Christian Drosten äußerte sich im ZDF-"heute journal" am Donnerstag verhalten optimistisch mit Blick auf die weitere Entwicklung. Es gebe Hinweise darauf, dass sich die pandemische Situation zu einer endemischen entwickele. "Endemische Situation heißt: Dieses Virus wird zu einem Erkältungsvirus", sagte er. "Es ist natürlich eine gute Situation, wenn man ein Virus hat, das nicht mehr so krank macht, das aber gut übertragbar ist, so dass es im Prinzip alle Immunitätslücken in der Bevölkerung findet."

 noe/pe

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