Weltweit Proteste gegen Einschränkung von Wissenschaft und Forschung

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"March for Science" in Berlin

Aus Sorge vor zunehmenden Einschränkungen im Wissenschaftsbereich haben weltweit zehntausende Menschen am "March for Science" teilgenommen. Die zentrale Veranstaltung fand am Samstag in Washington statt, wo die Demonstranten zum Kapitol zogen. In Berlin und anderen deutschen Städten gingen ebenfalls mehrere tausend Menschen für die Freiheit der Forschung auf die Straßen.

Nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump wächst vor allem in den USA die Angst vor einer neuen Ära der "alternativen Fakten". Aber auch in anderen Ländern wie beispielsweise der Türkei und Ungarn wird die freie Wissenschaft immer stärker eingeschränkt.

In Washington versammelten sich tausende Menschen im Herzen der Hauptstadt. Auf der Tribüne an der National Mall, der Grünanlage beim Weißen Haus, sprachen dutzende Redner, unter ihnen auch Nancy Roman, die Leiterin der Astronomieprogramme der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Dazwischen spielten Musikgruppen - insgesamt dauerte das Programm fünf Stunden.

Beim Marsch zum Kapitol, dem Sitz des Kongresses, waren Schilder mit Aufschriften zu sehen wie "Wissenschaft - nicht Ideologie!" oder "Wissenschaftsfakten zählen".

Die etwa 60-jährige Biochemikerin Kathy Ellwood äußerte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP beunruhigt über die "mangelnden wissenschaftlichen Kenntnisse" der neuen US-Regierung. "Sie müssen verstehen, dass wissenschaftliche Fakten unpolitisch sind, und den Forschern zuhören", sagte die Demonstrantin. Protestiert wurde unter anderem auch in New York und Los Angeles.

Trump ließ am Samstag in einer Erklärung verlauten, er befürworte eine "gründliche Wissenschaft" zum "besseren Verständnis unserer Umwelt und der Umweltgefahren". Es gehe darum, Wirtschaftswachstum zu generieren und gleichzeitig die Umwelt zu schützen - "ohne Amerikas arbeitenden Familien zu schaden."

Weltweit gab es Wissenschaftsmärsche in mehr als 500 Städten - darunter London, Paris und Accra in westafrikanischen Ghana. Den Auftakt bildeten Australien und Neuseeland. In Sydney trugen zahlreiche Demonstranten weiße Laborkittel, auf Spruchbändern war zu lesen: "Ohne Wissenschaft ist alles nur Fiktion" sowie "Wir brauchen Denker, keine Leugner". Weitere Kundgebungen gab es in Melbourne, Brisbane und Perth sowie in den neuseeländischen Städten Wellington und Auckland.

In Berlin liefen die Teilnehmer von der Humboldt-Universität über den Boulevard Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor. Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf 11.000, die Polizei sprach von mehreren tausend Demonstranten.

"An der Freiheit der Wissenschaft lassen wir nicht rütteln", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der auch Senator für Wissenschaft und Forschung ist, bei der Kundgebung in der Hauptstadt. "Wir werden all denen entschlossen entgegen treten, die diese Freiheit gefährden wollen." Auch in zahlreichen anderen deutschen Groß- und Universitätsstädten fanden Kundgebungen statt.

Nach den Worten des Geophysikprofessors Peter Schlosser von der New Yorker Columbia Universität soll der weltweite "March for Science" ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig Forschung für die Zukunft der Gesellschaft ist. Die von der neuen US-Regierung geplanten Budgetkürzungen, die noch vom Parlament beschlossen werden müssen, würden in gravierendem Ausmaß sowohl Klima- und Umweltforschung als auch Forschung im Bereich der Gesundheit betreffen, warnte Schlosser im Deutschlandradio Kultur.

Laut Schlosser will die US-Regierung bei der Gesundheitsbehörde 18 Prozent einsparen und bei der Umweltbehörde sogar 31 Prozent. Das schlage sich unmittelbar auf die Stärke der Forschung nieder, sagte der Wissenschaftler. Er rechne damit, dass die Forschung "über Jahre bis Jahrzehnte daran knabbern" werde.

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