Weltweit so viele Kohlekraftwerke wie noch nie abgeschaltet

Umweltverbände machen bei Emissionszielen Druck

Weltweit sind in den vergangenen drei Jahren so viele Kohlekraftwerke wie noch nie abgeschaltet worden. Wie ein am Donnerstag von Greenpeace und weiteren Umweltorganisationen veröffentlichter Bericht ergab, gingen von 2015 bis 2017 insgesamt 522 Kraftwerke mit einer Leistung von 97 Gigawatt (GW) vom Netz. Die neugebauten Kraftwerke liegen mit 245 GW in ihrer Leistung aber nach wie vor deutlich darüber.

Erst ab 2022 könnte bei sich fortsetzendem Trend die Gesamtkapazität aller weltweiten Kohlekraftwerke aufhören zu steigen und erstmals schrumpfen.

Obwohl US-Präsident Donald Trump lautstark für Kohle wirbt, geht fast die Hälfte der weltweiten Abschaltungen auf das Konto der USA. Dort stehen neben der Europäischen Union die im Schnitt ältesten Kohlekraftwerke. Um die Pariser Klimaziele einhalten zu können, fordern die Autoren des Berichts eine schnellere Abschaltung.

Stefanie Langkamp von der Klima-Allianz erklärte dazu: "Für Deutschland und die Kohlekommission bedeutet das, dass schon in wenigen Jahren die Hälfte der Kohlekraftwerke vom Netz gehen muss." Die Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag eine Kommission angekündigt, die den Kohleausstieg vorbereiten soll. In der EU sind dem Bericht zufolge bereits zehn Länder aus der Kohleverstromung ausgestiegen oder bereiten dies vor, darunter Frankreich, Italien und Großbritannien.

Neue Kraftwerke werden hauptsächlich in Asien gebaut, doch auch dort sinkt die Zahl der angekündigten und fertiggestellten Neubauten. Die Leistung der angekündigten Projekte weltweit sank 2017 im Vorjahresvergleich um 29 Prozent. Die Leistung der fertiggestellten Kraftwerke war um 28 Prozent niedriger als im Vorjahr. Gründe dafür sehen die Autoren in erster Linie in strengeren Vorgaben durch die Behörden in China und den Rückzug von privaten Investoren in Indien.