Weltweites Entsetzen über Atomkrieg-Tweet von Donald Trump

Donald Trump verstört aktuell mit seiner Rhetorik: Offenbar schreckt der US-Präsident vor einem Atomkrieg nicht zurück. (Bild: AP Photo)

„Dann wird es Nordkorea nicht mehr geben“ – mit diesen Worten schockte US-Präsident Donald Trump in der Nacht auf Sonntag seine Twitter-Follower. Die Vernichtungsfantasien des mächtigsten Mannes der Welt sorgen in der ganzen Welt für Erschütterung.

Diplomatie ist die Kunst des Weglassens. Wenn sich Politiker auf internationalem Parkett bewegen, ist die Vorsicht im Umgang mit Worten ganz besonders angesagt. Wozu ein Schlagabtausch führen kann, wenn zwei Staatsmänner sich nicht an die Regeln der Krisendiplomatie halten, kann man derzeit am Beispiel Donald Trump gegen Kim Jong-un beobachten.

Seit Wochen bekriegen sich die beiden Männer mit Worten. „Dementer US-Greis“ schallt es aus Pjönjang, „kleiner Raktenmann“ aus Washington. Nun sorgt Donald Trump mit einem Tweet für eine weitere Drehung in der Eskaltionsspirale. In der Nacht zu Sonntag schrieb Trump: „Habe gerade den Außenminister Nordkoreas vor den UN sprechen hören. Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiedergibt, dann wird es sie nicht länger geben.“

Donald Trump spricht von Auslöschung. Zwar verwendet er das Wort „Atomkrieg“ nicht, doch vor wenigen Tagen sprach Trump bereits von der „totalen Zerstörung“ des asiatischen Landes, dessen Bevölkerung seit drei Generationen von der Familie Kim beherrscht und unterdrückt wird.

Eine totale Vernichtung? Das erinnert sehr an die Rhetorik des Zweiten Weltkrieges – dem einzigen Konflikt in der Geschichte der Menschheit, bei dem bisher Atomwaffen zum Einsatz gekommen sind. Und zwar ebenfalls durch die USA auf ein asiatisches Land. Die beiden Atombomben wurden 1945 auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abgeworfen.

Das Entsetzen nach dem Tweet von Donald Trump ist dementsprechend groß. Der Wissenschaftler Asad Abukhalil, der an der California State University/Stanislaus als Professor Politikwissenschaft lehrt, bringt es in einem Tweet auf den Punkt: „Das ist die leichtsinnigste Rhetorik einer Person, die über Atomwaffen verfügt, seit Einführung dieser Waffe.“

Yashar Ali, Journalist für das New York Magazine und die Huffington Post, kritisiert nicht nur Trump, sondern auch dessen Beraterstab, da dieser ihn offenbar nicht über die Folgen seiner Drohungen unterrichtet hatte: „Während die Rhetorik der Nordkoreaner lediglich leere Drohungen enthält, ist die Situation nun extrem angespannt. Der Präsident der USA hätte darüber so schnell wie möglich informiert werden müssen.“

Donald Trumps rhetorische Zündeleien in Sachen Atomwaffen sind nicht neu. Bereits im Wahlkampf sickerte durch, dass Trump sich für das Nuklearwaffenarsenal seines Landes interessiert. Anfang August 2016 habe Trump laut Berichten des Senders MSNBC seine außenpolitischen Berater gefragt: „Wenn wir Atomwaffen haben, warum setzen wir sie nicht ein?“

Nun scheint er zu erwägen, auch Gebrauch von ihnen zu machen.

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