Weniger Bauaufträge: Unternehmen warnen vor Wohnungsnot

Wiesbaden/Berlin (dpa) - Angesichts ausbleibender Aufträge im Wohnungsbau haben die deutschen Bauunternehmen vor sozialen Folgen gewarnt.

«Der Wohnraummangel führt zu steigenden Miet- und Kaufpreisen, die sich keiner mehr leisten kann. Dies führt nicht nur zu sozialem Unfrieden, sondern auch zu einem zunehmenden Fachkräftemangel», erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Tim-Oliver Müller. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbes (ZDB) nannte es eine «Frage des sozialen Friedens», jährlich mindestens 400.000 Wohnungen fertigzustellen, wie es von der Bundesregierung angestrebt wird.

Im vergangenen Jahr waren es 295.300 Einheiten, und seit Monaten gehen die Zahlen für Genehmigungen wie auch die konkreten Aufträge im Wohnungsbau zurück. Zu unveränderten Preisen (real) gingen im ersten Halbjahr 29 Prozent weniger Aufträge ein, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Der Wohnungsbau schrumpfte damit deutlicher als andere Bausparten, da die Orders im Schnitt nur um 13 Prozent schrumpften.

«Wir brauchen mehr und nicht weniger Wohnungsbau», sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa laut Mitteilung. Er verlangte politische Impulse auf der Nachfrageseite, da sich die «Zins-Schockstarre» nicht von alleine auflöse. Dazu gehörten Sonderabschreibungen, die nicht an strenge Effizienzvorgaben nach dem EH-40-Standard gebunden sind, sowie Freibeträge bei den Grunderwerbssteuern.

Weniger Aufträge für Bauhauptgewerbe

Das Bauhauptgewerbe erhielt im Juni weniger Aufträge. Bereinigt um Kalender- und Saisoneffekte sowie um die Preissteigerungen gingen bei den Unternehmen 2 Prozent weniger Aufträge ein als im Mai, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Im Vergleich zum Vorjahresmonat fielen die Orders 2,7 Prozent geringer aus. Besonders schwach war der Wohnungsbau mit einem Minus von 12,3 Prozent.

Auf den Baustellen setzte sich im Juni die Umsatzflaute der vergangenen Monate erstmals in diesem Jahr nicht fort. Die preisbereinigten Erlöse lagen 2,2 Prozent über denen vom Juni 2022. Einschließlich der Preissteigerungen waren es mit 10,3 Milliarden Euro Umsatz 8,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Im gesamten ersten Halbjahr musste die Branche allerdings im Vorjahresvergleich einen Umsatzeinbruch um real 5,5 Prozent verkraften. Die gestiegenen Baupreise führten aber zu einem nominalen Umsatzplus von 5,5 Prozent auf rund 49 Milliarden Euro.