Wenn der Geldsegen zum Fluch wird: Tipps für Lotto-Millionäre

Columbia (dapd). Der zweitgrößte Lotto-Jackpot, den es in den USA je gab, ist geknackt, und irgendwo in den Staaten Arizona und Missouri dürfte die Freude über den Millionen-Gewinn bald der bangen Frage weichen: Was tun mit dem Geldsegen? Vielleicht ein ausgedehnter Urlaub in den Tropen oder ein neues Auto? Glückspilze, die das alles bereits hinter sich haben, und Finanzexperten wissen es besser. Ihr Rat: Gut haushalten, weise investieren, lernen, auch einmal "Nein" zu sagen - und darauf vorbereitet sein, auf der Gefühls-Achterbahn aus Freude, Angst, Schuldgefühlen und Misstrauen Freunde zu verlieren.

"Ich musste mich an ein neues Leben gewöhnen", sagt Sandra Heyes, die sich 2006 einen Lotto-Gewinn über 224 Millionen Dollar (heute umgerechnet 174 Millionen Euro) mit einem Dutzend Kollegen teilte. Nach Abzug der Steuern kassierte sie auf einmal sechs Millionen Dollar. "Ich musste es aushalten, dass Menschen gierig sind und versuchen, an dein Geld zu kommen. Das hat sehr weh getan.", berichtet die frühere Sozialarbeiterin. "Das waren Menschen, die ich sehr liebte, und die sich dann in Vampire verwandelt haben."

Die alleinerziehende Mutter behielt ihren Job beim Staat, zahlte einen Studentenkredit über 100.000 Dollar und eine Hypothek über 70.000 Dollar zurück, verbrachte eine Woche auf Hawaii und kaufte sich einen Lexus. Aber sechs Jahre nach dem Millionengewinn kauft sie immer noch in Billigläden ein und lebt von den Zinsen.

"Wer nicht diszipliniert ist, geht pleite"

"Ich kenne eine Menge Leute, die im Lotto gewonnen haben und heute pleite sind", sagt Heyes. "Wer nicht diszipliniert ist, geht pleite. Da ist es völlig egal, wie viel Geld man gewonnen hat."

Gerne zeigen die Lotto-Gesellschaften die glücklichen Gewinner auf Pressekonferenzen vor, wie sie überdimensionierte Schecks herzen. Doch häufen sich die Berichte über vermeintliche Glückspilze, die in den finanziellen Ruin schlittern und verzweifelt scheitern.

Da ist die zweimalige Lotto-Gewinnerin aus New Jersey, der ihre 5,4 Millionen Dollar nur so durch die Finger gerieselt sind. Ein Mann aus West-Virginia, der vor zehn Jahren 315 Millionen Dollar kassierte, macht den Mega-Gewinn für den Drogentod seiner Enkelin, seine Scheidung, Hunderte Gerichtsverfahren und den Umstand verantwortlich, dass er keine echten Freunde hat.

Nach Schätzung einer US-Stiftung, die sich um die Bildung der US-Bürger in Finanzdingen kümmert, verdaddeln bis zu 70 Prozent der Lottogewinner ihren Geldsegen binnen weniger Jahre. "Seine Emotionen unter Kontrolle zu bringen ist eine der größten Herausforderungen", sagt der Sprecher des National Endowment for Financial Education, Paul Golden. "Wer nie zuvor Gelddinge gemanagt hat, für den kann es sehr verwirrend werden. Es ist falsch zu glauben, man müsse sich nie wieder um Geld Sorgen machen."

Viele habe es aber auch richtig gemacht. Wie David Gehle. Mit Kollegen seiner Fleisch verarbeitenden Firma in Nebraska hatte er vor sechs Jahren 365 Millionen Dollar eingestrichen. Seinen Job hängte er an den Nagel, heute verbringt er seine Zeit mit Holzbasteleien und Freizeitsport. Der größte Teil seines Gewinns ist investiert, sein altes Auto hat der 59-Jährige aber immer noch. "Ich bin ein ganz normaler Typ. Ich war nie dafür, Geld für große, teure Wagen auszugeben. Hauptsache, er läuft."

Konservativ investieren und von den Zinsen leben

Im ersten Jahr nach seinem Lotto-Gewinn waren für Michael Terpstra vor allem die Nächte hart. "Ich bin immer wieder aufgewacht und dachte, das ist alles nur ein Traum", erzählt der 54-Jährige. "Dann bin ich umher gewandert und habe mir gesagt: Ja, ich habe gewonnen." Zuerst war er von Angst beherrscht - dass er all das Geld wieder verlieren würde und wieder arbeiten müsste.

Deshalb steckte er den Gewinn in konservative Investitionen und lässt Fachleute darüber wachen. Ein neues Haus gönnte er sich, auch einen neuen Wagen. Aber von Extravaganzen hielt er sich fern.

Sandra Heyes hat auch nach ihrem Millionengewinn das Lotto-Fieber nicht verlassen. Vor der Ziehung vom Mittwoch kaufte sie sich zehn Lose. Aber sie sieht ihre Mission auch darin, anderen dabei zu helfen, mit dem Geldsegen zurechtzukommen. Sie unterhält im Internet ein Blog zum Thema und schrieb ein Buch. "Wenn bei dieser Ziehung jemand gewinnt, möge Gott ihm beistehen. Er wird es brauchen."

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