Wer ist hier „das wahre Monster“? Internet-Häme gegen Muslima nach London-Attentat

Bei dem Terroranschlag in London wurden sechs Menschen getötet. (Bild: AP)

Angestachelt durch die bereits aufgeheizte Stimmung nach dem Terrorakt von London, entlädt sich derzeit der Hass im Internet auch gegen Unschuldige.

Kurz nachdem ein Attentäter mit seinem Auto auf der Westminster Bridge in London in eine Menschenmenge gerast war, schritt eine Frau mit braunem Kopftuch und grauem Mantel an einem auf dem Boden liegenden Unfallopfer vorbei und schaute dabei auf ihr Handy.
Nach der Veröffentlichung des Fotos in den Nachrichtenagenturen sah sich die junge Frau bösen Anfeindungen im Internet ausgesetzt. Sie sei völlig gleichgültig gewesen, so die Anschuldigungen.

Vor allem ein Twitter-Nutzer namens Texas Lone Star forcierte die Häme, indem er das Bild via Twitter seinen 44.000 Followern zugänglich machte. Dazu schrieb er: „Muslimische Frau macht sich keine Gedanken um die Terrorattacke, läuft einfach an sterbendem Mann vorbei und checkt dabei ihr iPhone #BeteFürLondon #Westminster #IslamBann.“


Doch der hetzerische Tweet stieß nicht nur auf Zustimmung. Viele der User betitelten den Provokateur als das „wahre Monster hier“. Eine Twitter-Nutzerin schrieb: „Sie guckt verängstigt. Was ganz natürlich ist, weil sie vermutlich Britin ist und sich inmitten eines Terroranschlags befindet.“

Nahe des britischen Parlaments raste der Attentäter in eine Menschenmenge. (Bild: AP)

Generell kommentierten die Kritiker des einseitigen Tweets von Texas Lone Star, dass dieser lediglich eine winzige Momentaufnahme herausgestellt habe, damit aber eine Welle an Hass provozierte, die völlig unangemessen war. Außerdem, so die Vermutungen der User, habe die verstörte Frau vermutlich lediglich Kontakt mit ihrer Familie aufgenommen, um mitzuteilen, dass sie unverletzt und in Sicherheit sei.

Bei den Angriffen auf der Westminster Bridge und nahe des britischen Parlaments wurden sechs Menschen getötet und mehr als 29 verletzt.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen