Werberat erhält deutlich mehr Beschwerden wegen angeblich sexistischer Werbung

Werbeplakat in Frankreich

Der Deutsche Werberat hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Beschwerden wegen vermeintlich sexistischer Werbung erhalten. Die Zunahme sei allerdings nicht mit einer objektiven Verschlimmerung zu erklären, teilte der Werberat am Donnerstag mit. Die Beschwerdeführer würden vielmehr zunehmend "Extrempositionen" vertreten.

62 Prozent der 703 zur Prüfung angenommenen Fälle hätten sich auf den Vorwurf "geschlechterdiskriminierende Werbung" bezogen, erklärte das Selbstkontrollgremium der Werbewirtschaft. 2015 machten diese Beschwerden 52 Prozent des gesamten Aufkommens aus.

Die Zahl der nach Überprüfung als berechtigt anerkannten Beanstandungen sei aber rückläufig gewesen, erklärte der Werberat. Demnach erkannte er im vergangenen Jahr nur in 35 Prozent der auf den Vorwurf des Sexismus abzielenden Beschwerden einen Verstoß gegen Regeln, die sich die Branche selbst gibt. Im Vorjahr lag diese Quote mit 45 Prozent merklich höher.

Zugenommen hätten also vor allem "unbegründete Beschwerden", betonte das Gremium. Seiner Auffassung nach ist dies auf die "intensive gesellschaftliche Debatte" zurückzuführen, die im vergangenen Jahr über die Gleichstellung im Allgemeinen und über ein von der SPD gefordertes gesetzliches Verbot für sexistische Werbung im Besonderen geführt worden sei. Nicht jedes Motiv mit einer Frau in erotischer Pose oder im Zusammenhang mit Hausarbeit oder bei der Betreuung von Kindern sei sexistisch oder diskriminierend. Auch Verbraucher müssten "wirklichkeitsnahe Maßstäbe" anlegen, die der Toleranz der Gesellschaft entsprächen und sich in der Werbung widerspiegeln dürften.

Der Werberat ist die Selbstkontrolleinrichtung der Werbeindustrie. Es befasst sich nur mit kommerzieller Werbung. Die Prüfung von Gesetzesverstößen ist nicht seine Aufgabe.

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