Wetter: Hitzewelle in Europa trifft auch Deutschland - die wichtigsten Entwicklungen

Extrem hohe Temperaturen machen den Menschen in mehreren europäischen Ländern zu schaffen - und auch Deutschland erwartet nun eine Hitzewelle. Hier gibt's die aktuellen Entwicklungen.

Wetter: Hitzewelle in Europa trifft auch Deutschland - die wichtigsten Entwicklungen. (Symbolbild: Getty)
Wetter: Hitzewelle in Europa trifft auch Deutschland - die wichtigsten Entwicklungen. (Symbolbild: Getty)
  • Deutschland: Temperaturen könnten örtlich bis auf 40 Grad steigen - Uniklinik ruft wegen Hitze zur Vorsicht auf - Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz

  • Baerbock nennt Klimakrise größtes Sicherheitsproblem der Welt

  • Großbritannien: Hitzerekorde von bis zu 41 Grad erwartet

  • Frankreich: Anhaltende Waldbrände an der südfranzösischen Atlantikküste

  • Italien: Ernteverluste von gebietsweise bis zu 70 Prozent

  • Griechenland: 108 Brände binnen 24 Stunden

  • Spanien und Portugal: Zahlreiche Brände aktiv - Hitzewelle soll am Dienstag zu Ende gehen

Die Lage in Deutschland

In Deutschland zeigt sich der Himmel am Dienstag laut Vorhersage oft wolkenlos, der Wind weht bei Temperaturen zwischen 34 und 38 Grad nur mäßig. Im Südwesten und Westen können es laut DWD vereinzelt sogar 40 Grad werden. Der bisher heißeste Tag in diesem Jahr war am 19. Juni gewesen: Laut DWD waren da mit 39,2 Grad die wärmsten Orte Cottbus und Dresden.

DWD-Pressesprecher Andreas Friedrich: «Wir können davon ausgehen, dass dieser Rekord am Dienstag geknackt wird.» Laut DWD liegt der Hitzerekord in Deutschland bei 41,2 Grad - gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg. «Es ist möglich, dass wir am Dienstag entlang des Rheins in ähnliche Bereiche kommen», sagte Friedrich.

Uniklinik ruft wegen Hitze zur Vorsicht auf

Mediziner rufen die Menschen wegen der erwarteten Hitzewelle dazu auf, direkte Sonneneinstrahlung zu meiden. Als besonders gefährdet bezeichnete die Universitätsklinik Rostock sowohl Kleinkinder, alte Menschen als auch Patienten mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen. «Sonnenbrand, Kopfschmerzen und Sonnenstich bei zu viel direkter Sonneneinstrahlung sind die größten Gefahren», sagte Jan-Arne Lauffs, Leiter der Zentralen Notaufnahme im Universitären Notfallzentrum (UNZ).

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Auch beim Baden soll man die Gefahr der UV-Strahlung nicht unterschätzen. «Was viele nicht wissen, im Wasser ist man vollkommen ungeschützt», betonte Steffen Emmert, Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie. «Nach jedem Badegang ist Eincremen daher Pflicht.» Auch im Wasser könne man bereits nach fünf bis zehn Minuten einen Sonnenbrand bekommen.

Das Klinikum rief die Menschen dazu auf, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, um gefährliche Situationen zu verhindern: Sporteinheiten lieber in der Frühe oder in den Abendstunden, viel ungesüßte Getränke zu sich zu nehmen, Kinder und Haustiere nicht im Auto lassen.

Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz

Im Nationalpark Sächsische Schweiz ist ein Waldbrand ausgebrochen. Es brenne in unwegsamem Gelände nahe der berühmten Basteibrücke, sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle Dresden. Sämtliche Feuerwehren der Gegend seien im Einsatz. Ungefähr 100 Kräfte versuchten, das Feuer in den Griff zu bekommen, hieß es. Der Brand sei in der Nacht zum heutigen Montag gemeldet worden.

Der Sprecher des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Thomas Kunz, berichtete, das Feuer habe sich an einem Steilhang auf ungefähr 2500 Quadratmeter ausgebreitet. Die Ursache war vorläufig ebenso unklar wie die Höhe des entstandenen Schadens. Die Einsatzkräfte hätten das Feuer unter Kontrolle. Allerdings gebe es immer noch Glutnester, die aufflammen könnten.

Hitzeschutzplan gefordert

Angesichts der erwarteten Wetterlage fordert der Ärzteverband Marburger Bund einen nationalen Hitzeschutzplan und eine Aufklärungskampagne. «Die Politik muss ihre Anstrengungen für Schutzmaßnahmen in Hitzephasen deutlich ausbauen», sagte die Vorsitzende Susanne Johna dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Städte und Kommunen brauchten Hitzeschutzpläne, damit sich Senioreneinrichtungen oder Krankenhäuser besser auf Hitzewellen vorbereiten könnten, «am besten geregelt durch einen nationalen Hitzeschutzplan». Wichtig seien auch konkrete Verhaltensregeln, «zum Beispiel durch eine Aufklärungskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung». Nötig seien «Fortbildungen zu hitzebedingten Erkrankungen, die temperaturgerechte Aufbewahrung von Medikamenten» oder «Gebäudeanpassungen».

Die Gewerkschaft Verdi verlangt Erleichterungen für Arbeitnehmer. «Bei extremer Hitze fordern wir natürlich längere Pausen oder ein früheres Ende der Arbeit - Hitzefrei - auch wenn darauf kein rechtlicher Anspruch besteht», sagte Norbert Reuter, der Leiter der tarifpolitischen Grundsatzabteilung bei Verdi, dem RND. «Hier sind dann im Benehmen mit dem Betriebsrat Regelungen zu treffen, wann die ausgefallenen Arbeitszeiten gegebenenfalls nachgeholt werden können.» Man fordere, «alle Möglichkeiten» von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung zu nutzen, wie sie schon in den technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) festgehalten seien.

Außenministerin Annalena Baerbock. (Bild: Florian Gaertner/Photothek via Getty Images)
Außenministerin Annalena Baerbock. (Bild: Florian Gaertner/Photothek via Getty Images)

Baerbock nennt Klimakrise größtes Sicherheitsproblem der Welt

Außenministerin Annalena Baerbock hat die Weltgemeinschaft zu verstärkten Anstrengungen und zum sofortigen Handeln gegen die von Menschen gemachte Erderwärmung aufgerufen. «Die Klimakrise ist mittlerweile das größte Sicherheitsproblem für alle Menschen auf dieser Erde», sagte die Grünen-Politikerin heute beim Petersberger Klimadialog in Berlin. «Wir haben nicht 10, 20, 30 Jahre, nein, uns bleiben noch 8 Jahre, um die weltweiten Emissionen nahezu um die Hälfte zu senken.»

Baerbock nahm insbesondere die Industrieländer in die Pflicht. «Die Industrieländer tragen eine ganz besondere Verantwortung. Denn wir sind führend im Emissionsausstoß.» Die Industrieländer müssten ihrer Verantwortung gerecht werden und ihre Zusagen einhalten, forderte die Außenministerin. «Das bedeutet, endlich das Ziel von 1000 Milliarden Dollar für die Klimafinanzierung zu verwirklichen. Und es bedeutet, die gemeinsame Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen im Vergleich zu 2019 zu verdoppeln.»

Beim Petersberger Klimadialog wollen sich Minister und Vertreter aus etwa 40 Staaten über den weiteren Kurs im Kampf gegen den Klimawandel abstimmen.

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Klimawandel kostet in Deutschland jährlich 6,6 Milliarden

Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat in Deutschland seit 2000 durchschnittlich Schäden in Höhe von 6,6 Milliarden Euro pro Jahr verursacht. Insgesamt waren es Kosten von mindestens rund 145 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz beauftragtes Projekt zu den Kosten der Klimawandelfolgen in Deutschland, das am heutigen Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Hierbei handelt es sich den Angaben zufolge nur um einen Teil der aufgetretenen Schäden. Die tatsächliche Schadenshöhe liege noch über der genannten Summe. Denn manche Schäden wie etwa der Verlust an Biodiversität ließen sich nicht in Geld umrechnen. Bei anderen gehe dies zwar theoretisch, aber es gebe dafür derzeit keine geeigneten Datengrundlagen oder Methoden. Ein Großteil der Schäden sei durch Extremwetterereignisse entstanden, für die der Einfluss des voranschreitenden Klimawandels klar belegt sei.

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Die Lage in Großbritannien

Auf Rekorde steuern möglicherweise Regionen in Großbritannien zu: Wie der Wetterdienst Met Office mitteilte, könnten die Temperaturen in Teilen Englands auf bis zu 41 Grad steigen. Besonders am Dienstag wird mit außergewöhnlich hohen Werten gerechnet, bevor die Temperaturen am Mittwoch wieder sinken sollen.

Met-Office-Chefin Penelope Endersby warnte die Menschen davor, die Hitze zu unterschätzen. «Diese Temperaturen sind beispiellos in Großbritannien und wir sind nicht gewohnt, mit ihnen umzugehen», sagte sie. Der bisherige Temperaturrekord in Großbritannien liegt bei 38,7 Grad und wurde 2019 in Cambridge gemessen. Das Met Office hatte Ende vergangener Woche erstmals eine rote Wetterwarnung wegen Hitze ausgegeben.

Störungen am Londoner Flughafen Luton wegen extremer Hitze

Am Londoner Flughafen Luton hat die extreme Hitze für erhebliche Störungen gesorgt. Durch die hohen Temperaturen sei die Oberfläche des Rollfeldes beschädigt worden, teilte der Flughafen am Montagnachmittag mit. Derzeit seien Reparaturarbeiten in Gange. Berichten zufolge mussten mehrere Flüge gestrichen oder umgeleitet werden.

Für große Teile Englands und die Hauptstadt London wurde Anfang der Woche mit Temperaturen von über 40 Grad gerechnet. In Wales wurde bereits am Montag ein Hitzerekord gemeldet. Mit 37,1 Grad in der walisischen Grafschaft Flintshire verzeichnete der Landesteil seinen bislang heißesten Tag seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch für ganz Großbritannien wurde mit Rekordwerten gerechnet.

Sky News zufolge soll auch der Militärflughafen Brize Norton am Montag Flüge ausgesetzt haben. Die Landebahn sei «geschmolzen», sagte eine Militärquelle dem Sender.

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Die Lage in Frankreich

Wegen der anhaltenden Waldbrände an der südfranzösischen Atlantikküste mussten auch am heutigen Montag Tausende Menschen vorsichtshalber ihre Häuser verlassen. Nach Angaben der Präfektur für die Gironde waren bei Teste-de-Buch etwa 8000 Menschen betroffen. Bei Landiras wurden zunächst 3500 Menschen in Sicherheit gebracht, am Nachmittag begann dann die Räumung weiterer Gemeinden. Bereits zuvor waren wegen der seit Dienstag wütenden Brände in dem Gebiet mehr als 16 000 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

Die beiden Feuer südlich von Bordeaux griffen am heutigen Montag weiter um sich. Mittlerweile verbrannten sie etwa 14 800 Hektar Land. Das entspricht etwas mehr als der Gesamtfläche des Stadtgebiets von Bonn.

Hitze und Waldbrände: Tausende Menschen in Südeuropa auf der Flucht - näheres dazu im Video:

Die Lage in Italien

Neben immer wieder aufflammenden Waldbränden macht Italien auch der ausbleibende Regen zu schaffen. Der Bauernverband Coldiretti warnte am Sonntag vor Ernteverlusten von gebietsweise bis zu 70 Prozent. Obst und Gemüse verbrenne auf den Feldern, hieß es in einer Mitteilung. Betroffen seien Sorten von Paprika bis zu Melonen, Aprikosen, Tomaten und Auberginen. Auf Sizilien und Sardinien hoben die Behörden die Waldbrand-Warnstufen in manchen Teilen der Inseln erneut an. Auf Sizilien gilt örtlich bereits die höchste Stufe drei.

Die Lage in Griechenland

Auf der Urlaubsinsel Kreta kämpften Feuerwehrleute auch am heutigen Montag gegen die Flammen und die Glut eines Waldbrandes. Auch andernorts in Griechenland brannte es - die Feuerwehr registrierte von Sonntag auf Montag 108 Brände binnen 24 Stunden. Die Waldbrandgefahr wird örtlich als «sehr hoch» eingeschätzt, unter anderem auf den Inseln Kreta, Euböa, Samos und Lesbos, und auch im Nordosten der Halbinsel Peloponnes und in der Umgebung der Hauptstadt Athen.

Die Lage in Spanien und Portugal

In den Urlaubsländern Spanien und Portugal brennt es vielerorts weiter lichterloh. In Spanien waren am heutigen Montag noch 22 Feuer aktiv, wie der Zivilschutz mitteilte. Besonders betroffen waren die Regionen Extremadura im Westen, Galicien im Nordwesten, Kastilien und León im Zentrum sowie Katalonien im Nordosten des Landes. Nach dem Tod eines Feuerwehrmannes am Wochenende wurde in Losacio in Kastilien und León die verbrannte Leiche eines Schafhirten gefunden, teilten die Behörden am Montag mit.

«Der Klimawandel tötet», sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Montag beim Besuch betroffener Gebiete in Extremadura. «Er tötet Menschen, wie wir gesehen haben, aber er tötet auch unser Ökosystem, unsere Biodiversität. Und er zerstört auch wertvollste Güter unserer Gesellschaft: ihre Häuser, ihre Wohnungen, ihre Unternehmen, ihren Viehbestand», sagte der Regierungschef.

Die seit etwa zehn Tagen wütenden Brände zerstörten in Spanien bisher nach amtlichen Schätzungen insgesamt 25 000 Hektar Wald sowie Dutzende von Häusern, Läden und Fabriken. Tausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Unzählige Tiere verendeten.

Große Sorgen bereitete am Montag der Brand in Pont de Vilomara nur etwa 50 Kilometer nördlich der katalanischen Metropole Barcelona. Dort zerstörten die am Sonntag ausgebrochenen Flammen nach weniger als 24 Stunden bereits 1700 Hektar Wald. Das Feuer erfasste auch zahlreiche Häuser. Die Rauchsäulen waren kilometerweit, etwa auch in Barcelona, zu sehen.

Eine seit Monaten anhaltende Dürre, die Hitzewelle, die in Spanien offiziell seit dem 9. Juli mit Temperaturen von bis zu 45 Grad herrscht, sowie starke Winde begünstigten den Ausbruch und die Ausbreitung der Flammen. Der Wetterdienst Aemet hatte am Montag aber auch eine gute Nachricht parat: Die Hitzewelle werde am Dienstag zu Ende gehen.

In Portugal waren am heutigen Montag noch fünf größere Brände aktiv. Nach Angaben der Naturschutzbehörde ICNF vernichteten die Flammen in Portugal in einer guten Woche rund 30 000 Hektar Wald.

EU-Bericht: Großteil der EU-Fläche von Dürre bedroht

Ein Großteil der Fläche der Europäischen Union ist einem Bericht des gemeinsamen Forschungszentrums der EU-Kommission zufolge von Dürre bedroht. Ende Juni hatte für 46 Prozent eine Dürre-Warnstufe zwei, für 11 Prozent der Fläche sogar die höchste von drei Warnstufen gegolten, wie aus am heutigen Montag veröffentlichten Angaben hervorgeht. Schwere Dürre, von der mehrere Regionen Europas seit Anfang des Jahres betroffen seien, breite sich weiter aus und verschlimmere sich, heißt es in dem Bericht. Dies liege etwa an mangelndem Niederschlag in Kombination mit Hitzewellen.

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