Wetter-Prognosen: Woher sie kommen und warum jede App etwas anderes anzeigt

Antonia Wallner
Freie Autorin

Es ist eine essentielle Frage, die wir uns fast jeden Tag stellen: Wie wird das Wetter heute? Um sie zu beantworten, greifen wir gerne auf Online-Dienste und Wetter-Apps zurück. Das Problem dabei: Die verschiedenen Anbieter unterscheiden sich in ihren Vorhersagen. Höchste Zeit, sich in diesem Zusammenhang mal eine Grundsatzfrage zu stellen: Woher kommt unser Wetter eigentlich?

Auf fast jedem Smartphone ist eine Wetter-App vorinstalliert. Doch die sind oft ungenau. (Symbolbild: Getty Images)

Zu wissen, ob es bei uns stürmt, regnet oder schneit, ist Aufgabe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Damit die Meteorologen das Wetter in Deutschland bestimmen können, sind aber nicht nur lokale Daten notwendig.

Drei große Wettermodelle für Deutschland

Globale Messstationen auf der ganzen Welt zeichnen mit Satelliten permanent eine Vielzahl von Wetterdaten in der Erdatmosphäre auf, und zwar zu Wasser, zu Land und aus dem Weltraum. Die Daten werden von Meteorologen in Wettermodellen aufbereitet und fließen schließlich in Supercomputern zusammen, die daraus die Prognosen berechnen. Das Ganze ist relativ zuverlässig. Heute kann der DWD das Wetter für sechs Tage ziemlich genau bestimmen. Zum Vergleich: Vor vierzig Jahren konnte man das Wetter nur für maximal 24 Stunden vorhersagen.

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Für die Vorhersagen in Deutschland gibt es drei Wettermodelle, die am häufigsten genutzt werden: das amerikanische Wettermodell (GFS), das europäische Wettermodell (ECMWF) und das deutsche Wettermodell (ICON). Jedes Modell basiert auf Rastern, die über die Wetterkarten gelegt werden. Je feinmaschiger dieses Netz ist, umso genauer kann das Wetter vorhergesagt werden. Für Deutschland ist das ICON-Modell des DWD am exaktesten. Diese Wettermodelle sind auch der Grund, warum sich die Wetter-Apps und Online-Dienste teils so stark unterscheiden können.

Das Wetter für jeden Tag setzt sich aus Unmengen an Daten der Erdatmosphäre zusammen, die von Messstationen aufgezeichnet werden. (Symbolbild: Getty Images)

Jeder App-Anbieter hat die Wahl

Denn die App- und Seiten-Anbieter können sich aussuchen, mit welchem Modell sie arbeiten wollen. Auf den meisten Smartphones sind Wetter-Apps vorinstalliert, die häufig das amerikanische GFS-Modell verwenden. Doch das ist für unser heimisches Wetter eher ungeeignet, da die Raster auf dem Gitternetz relativ weit ausfallen – logisch, da die USA ja auch deutlich größer sind als das kleine Deutschland, wo sich das Wetter teilweise schon in einzelnen Stadtvierteln unterscheiden kann.

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Die Anbieter der Wetter-Apps und Onlineseiten können aber noch weiter entscheiden, ob sie die Daten des Wettermodells einfach stumpf übernehmen und aufgehübscht wiedergeben oder ob sie die Rohdaten noch durch einen eigenen Algorithmus jagen. Manche verwenden auch mehrere Datensätze aus verschiedenen Quellen und mischen daraus die Prognose. Durch diese Wahlmöglichkeiten kann es dann eben sein, dass die eine App Sonnenschein anzeigt, während es bei der anderen bereits regnet.

Ab 7 Tagen ist es ein Wetter-Trend und keine Prognose

Auf vielen Online-Seiten lässt sich das Wetter bis zu drei Wochen im Voraus anzeigen. Doch was dort den Nutzern angegeben wird, ist keine Prognose, sondern vielmehr ein Wetter-Trend. Heißt: Das Wetter könnte sich in diese Richtung entwickeln. Aber theoretisch ist noch alles offen. Langfristig ist also alles, was über maximal sechs Tage hinausgeht, eine Mutmaßung.

Auf der anderen Seite können die Meteorologen kurzfristig genau vorhersehen, ob sich etwa ein gefährliches Unwetter zusammenbraut. Der DWD spricht dann die bekannten Warnungen für die Landkreise aus. Welche Wetter-App nun die zuverlässigste ist, findet man nur auf eine Art heraus: Ausprobieren – und im Zweifelsfall einen Regenschirm einpacken!

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