WHO-Expertenmission kann Ursprung der Corona-Pandemie nicht klären

Laurie CHEN
·Lesedauer: 3 Min.
Abschluss-Pk. der WHO-Mission in Wuhan

Die Expertenmission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat während ihres vierwöchigen Aufenthalts in China den Ursprung der Corona-Pandemie nicht klären können. Es sei weiter unbekannt, von welchem Tier der Erreger auf den Menschen übergegangen sein könnte, teilten die WHO-Experten mit ihren chinesischen Kollegen am Dienstag bei ihrer Abschluss-Pressekonferenz in Wuhan mit. Sie fanden keine Hinweise auf Corona-Infektionen vor Dezember 2019 und verwarfen weitestgehend die These eines Entweichens des Virus aus einem Labor in Wuhan.

Dass Sars-CoV-2 von seinem ursprünglichen Wirtstier zunächst auf eine andere Tierart übersprang und von ihr auf den Menschen, sei "die wahrscheinlichste" These, sagte der Leiter der WHO-Delegation, Peter Ben Embarek, zum Abschluss der Mission in Wuhan. Es bedürfe aber "spezifischerer und gezielterer Untersuchungen".

Entgegen früherer WHO-Stellungnahmen schloss Ben Embarek eine Übertragung durch importierte Tiefkühlkost nicht aus. Der Leiter des chinesischen Wissenschaftlerteams, Liang Wannian, sagte, eine Übertragung von Tieren auf den Menschen sei wahrscheinlich, aber diese müssten "noch identifiziert werden".

Die unter anderem vom früheren US-Präsidenten Donald Trump geäußerte Theorie, Sars-CoV-2 sei aus einem Hochsicherheitslabor in Wuhan entwichen, in dem an gefährlichen Viren geforscht wird, bezeichnete Ben Embarek als "extrem unwahrscheinlich". Liang ergänzte, es sei nach derzeitigem Wissensstand nicht davon auszugehen, dass es bereits vor Dezember 2019 Infektionen mit Sars-CoV-2 bei Menschen in China gab. Für diese These gebe es "nicht genügend Beweise".

Die Elf-Millionen-Einwohner-Metropole Wuhan im Zentrum Chinas war Ende 2019 der weltweit erste bekannte Infektionsherd des damals neuartigen Erregers, an dem inzwischen mehr als 2,3 Millionen Menschen weltweit starben. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass Fledermäuse die ursprünglichen Wirte des Coronavirus waren und dieses auf einem Markt in Wuhan durch einen Zwischenwirt auf den Menschen übertragen wurde.

Die WHO-Mission bestand aus zehn internationalen Experten verschiedener Fachrichtungen wie Zoologen und Epidemiologen, darunter Fabian Leendertz vom Robert-Koch-Institut. Sie waren am 14. Januar in Wuhan eingetroffen. Nach zweiwöchiger Quarantäne besuchten sie dort unter anderem das Zentrum für Tierseuchen-Prävention, das Institut für Virologie und das Krankenhaus, das die ersten Corona-Patienten behandelte. Sie besichtigten den Huanan-Markt, der als ein möglicher Ausgangspunkt der Pandemie gilt, und sprachen mit Behördenvertretern.

Die Anreise der Experten hatte sich wegen fehlender Genehmigungen von chinesischer Seite um einige Tage verzögert. Die WHO reagierte mit Kritik darauf.

Peking hatte eine unabhängige internationale Untersuchung zum Ursprung des Virus, die beim Kampf gegen diese und kommende Pandemien helfen sollte, zunächst verweigert. Später schwenkte die Volksrepublik um und verbreitete Thesen, dass das Virus seinen Ursprung in anderen Ländern habe und womöglich durch importierte Tiefkühl-Lebensmittel nach China gelangt sei.

Wie politisch aufgeladen die Mission war, zeigten Ende Januar auch Äußerungen der neuen US-Regierung. Das Weiße Haus äußerte "große Sorge" über eine mögliche "Falschinformation" durch "einige Quellen in China" und forderte eine "belastbare" Untersuchung.

Das neuartige Coronavirus hat sich weltweit ausgebreitet und beeinträchtigt das Leben vielerorts weiter stark. Mittlerweile bereiten ansteckendere Sars-CoV-2-Mutanten Sorgen. Außerdem gibt es Zweifel, ob die Corona-Impfstoffe gegen alle Varianten schützen.

Südafrika verkündete am Sonntag eine Verschiebung seiner Corona-Impfkampagne. Hintergrund ist eine Studie, derzufolge der Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca nicht umfassend gegen die zuerst in Südafrika entdeckte Corona-Mutante B.1.351 wirksam ist.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete die Studienergebnisse am Montag als "eindeutig besorgniserregend". Allerdings beruhten sie auf Daten von nur 2000 Teilnehmern. WHO-Notfalldirektor Michael Ryan betonte, in der aktuellen Situation müssten alle zur Verfügung stehenden Mittel zum Einsatz kommen. Der Leiter der Impf-Allianz Cepi, Richard Hatchett, warnte nach Beratungen mit der WHO, es sei "viel zu früh", den Impfstoff von Astrazeneca als zu wenig wirksam abzutun.

yb/cp