Chinesen kritisieren nach Tod von jungem Arzt Umgang der Behörden mit Epidemie

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In China sind mehr als 31.000 Menschen infiziert

Nach dem Tod eines jungen Arztes, der als einer der Ersten vor dem neuartigen Coronavirus warnte, wächst in China die Kritik am Umgang der Behörden mit der Epidemie. Der Augenarzt Li Wenliang sei an dem Erreger gestorben, teilte seine Klinik in Wuhan am Freitag mit. Angesichts der weiteren Ausbreitung des Virus stellten die USA Millionenhilfen für China und andere betroffene Länder in Aussicht. Die Zahl der in Deutschland bestätigten Infektionsfälle stieg unterdessen auf insgesamt 14.

Der verstorbene chinesische Arzt Li wurde nur 34 Jahre alt. Laut seiner Schilderung hatte die Polizei versucht, ihn mundtot zu machen, nachdem er Ende Dezember Kollegen vor dem neuartigen Virus gewarnt hatte. "Er ist ein Held, der andere unter Einsatz seines Lebens warnte", schrieb ein Arzt im chinesischen Online-Dienst Weibo.

Im Internet brach sich auch Wut über die chinesischen Behörden Bahn. Vielfach wurde der Ruf nach Meinungsfreiheit laut. Die chinesische Anti-Korruptionsbehörde kündigte Ermittlungen zu Lis Fall an.

Das neuartige Coronavirus war im Dezember erstmals bei Menschen aufgetreten. Die Provinz Hubei und ihre Hauptstadt Wuhan sind am stärksten betroffen. In ganz Festland-China wurden mittlerweile mehr als 31.000 Krankheitsfälle bestätigt. Mehr als 630 Menschen starben. In rund zwei Dutzend Ländern gibt es insgesamt mehr als 240 weitere Infektionen.

Bayerische Behörden bestätigten am Freitag einen zwölften Infektionsfall im Freistaat. Es handle sich um die Frau eines Mannes, der für den Autozulieferer Webasto arbeite und in der vergangenen Woche positiv auf das Virus getestet worden sei, hieß es. Insgesamt gibt es in Deutschland damit 14 bestätigte Infektionsfälle.

Eine Studie der Südchinesischen Landwirtschaftlichen Universität ergab, dass das in China begehrte Schuppentier Überträger des neuen Coronavirus 2019-nCoV sein könnte. Die Untersuchung von mehr als tausend Proben von Wildtieren habe ergeben, dass die Gensequenz von Viren beim Schuppentier zu 99 Prozent mit der von 2019-nCoV übereinstimme, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua aus der Studie.

Die Weltgesundheitsorganisation berichtete von einem "chronischen Mangel an persönlicher Schutzausrüstung". Bereits am Mittwoch hatte die WHO daher Lieferungen an hilfsbedürftige Länder angekündigt und dazu von der internationalen Gemeinschaft finanzielle Unterstützung gefordert.

Der britische Seuchenexperte Jeremy Farrar sagte dem "Spiegel", ein Impfstoff gegen das Virus sei "frühestens zum Jahresende fertig oder in einem Jahr".

In einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump versprach Chinas Staatschef Xi Jinping die "striktesten Präventions- und Kontrollmaßnahmen". Angesichts eines US-Einreiseverbots für Chinesen ermahnte Xi die USA zugleich, "vernünftig" auf die Epidemie zu reagieren. Trump erklärte, er habe Vertrauen in Chinas "Stärke und Widerstandskraft" im Kampf gegen den Erreger.

US-Außenminister Mike Pompeo sagte derweil China und weiteren betroffenen Ländern finanzielle Hilfen bis zu 100 Millionen Dollar zu. Zudem seien in den USA aus privaten Mitteln "hunderte Millionen Dollar" gespendet worden.

In Japan stehen tausende Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess" unter Quarantäne. Erste Tests bestätigten dort mittlerweile 61 Infektionen.

In Kanada landeten am Freitag etwa 170 Menschen, die von der kanadischen Regierung aus Wuhan ausgeflogen worden waren. Deutschland hatte vergangene Woche mehr als hundert Bürger aus Wuhan zurückgeholt. Das Auswärtige Amt plant die Rückholung einzelner weiterer Deutscher.

Die US-Notenbank Fed warnte vor massiven Folgen für die Weltwirtschaft. Die Ausbreitung des Virus könne zu Verwerfungen in der chinesischen Wirtschaft führen, die weltweit Niederschlag finden, hieß es. Vor dem Hintergrund einer international schwächelnden Konjunktur und niedriger Inflation seien Zinssenkungen durch die Zentralbanken weltweit zu erwarten, hieß es.