Wie die Googlesuche einen Softwareentwickler zum Serienmörder machte

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Ein Google-Algorithmus, der automatisiert Informationen aus verschiedenen Quellen passend zur Suchanfrage zusammenfügt, hat einen folgenschweren Fehler gemacht: So wurde aus einem Softwareentwickler ein Serienmörder.

Wer den Namen googelt, hat kurzzeitig ein irreführendes Ergebnis erhalten. Foto: Screenshot / Googlesuche
Wer den Namen googelt hat, erhielt kurzzeitig ein irreführendes Ergebnis. Foto: Screenshot / Googlesuche

Als Hristo Georgiev – ein Softwareentwickler aus Bulgarien, der mittlerweile in der Schweiz lebt und bei der Raiffeisen Bankengruppe arbeitet – vor einigen Tagen seine Mails checkte, stieß er auf die alarmierende Nachricht eines ehemaligen Kollegen. Der hatte Georgiev wohl der alten Zeiten wegen gegoogelt und dabei eine Entdeckung gemacht.

Gleich das erste Ergebnis seiner Googlesuche verwies auf einen Wikipedia-Artikel über Georgiev. Der war auch bebildert mit einem aktuellen Foto des Softwareentwicklers: penibel frisiert, Anzug, Krawatte, Brille.

Nur ging es in dem zugehörigen Text nicht um Hristo Georgiev, den Angestellten bei der Raiffeisen Bankengruppe, sondern um einen gleichnamigen bulgarischen Vergewaltiger und Serienmörder, der unter dem Namen „der Sadist“ bekannt war.

Darüber hat Georgiev – der außer seiner Abstammung und dem Namen nichts mit dem Mörder zu tun hat – einen Blogeintrag auf seiner Webseite geschrieben. Die Überschrift: „Google hat mich zu einem Serienmörder gemacht.“

Alles nur ein Streich?

In dem Beitrag ist auch ein Screenshot der irreführenden Ergebnisseite der Googlesuche zu sehen. Sein Foto, dazu der Text: „Hristo Bogdanov Georgiev, auch bekannt als ‚der Sadist‘, war ein bulgarischer Vergewaltiger und Serienmörder, der in den Jahren zwischen 1974 und 1980 fünf Menschen, vor allem Frauen, ermordete. Sein Fall gilt als bemerkenswert, weil er zu zahlreichen Verhaftungen anderer Krimineller führte und etliche Straftaten häuslicher Gewalt offenlegte.“

Der Artikel und das Foto gehören nicht zusammen. Foto: Screenshot / Archive.md
Der Artikel und das Foto gehören nicht zusammen. Foto: Screenshot / Archive.md

Als erstes vermutete Georgiev hinter der Nachricht des ehemaligen Kollegen einen Streich. Denn Wikipedia-Artikel lassen sich schnell und unkompliziert manipulieren.

Doch als er den Artikel anklickte, war da kein Foto mehr von ihm zu sehen. Die Falschinformation wurde also nicht auf Wikipedia verbreitet.

Stattdessen lag der Fehler beim „Google-Knowledge-Graph-Algorithm“, der automatisiert Georgievs Foto mit dem Wikipedia-Mörder-Artikel verknüpft hatte. Warum es ausgerechnet ihn getroffen habe, schreibt Georgiev in seinem Blogeintrag, sei total überraschend, denn es gebe buchstäblich hunderte Menschen mit seinem Namen. Wieso die Googlesuche sein Foto mit dem Serienmörder in Verbindung gebracht habe, könne er sich deshalb nicht erklären.

Solche Fehler können Katastrophen auslösen

Georgiev meldete den Fehler bei der Suchmaschine und amüsierte sich mit Freunden darüber.

Er schreibt aber auch, dass durchaus schwerwiegende Folgen hätten entstehen können: „Es ist furchteinflößend, dass ein Suchalgorithmus, der von Milliarden Menschen genutzt wird, Informationen so leicht verbiegen kann.“

Vor allem in Zeiten von Fake News und Cancel Culture, in denen jede*r mit einer Online-Präsenz angreifbar sei, hätte diese Geschichte sicherlich einen finsteren Verlauf nehmen können. „Ein kleiner Fehler im System kann heutzutage Unannehmlichkeiten mit sich bringen oder Katastrophen auslösen, etwa Karrieren oder das Ansehen einer Person zerstören.“ Bislang habe er gedacht, sowas würde nur anderen passieren. „Aber da lag ich sowas von falsch.“

Georgiev kommt deshalb zu dem Schluss: „Vielleicht ist es keine gute Idee, die Informationen der Welt in die Hände eines einzigen Unternehmens zu legen.“

Keine negativen Folgen

Immerhin: Für Georgiev hatte die Sache, wie es den Anschein macht, keine negativen Folgen. Denn sein Name wurde zwischenzeitlich reingewaschen. In der aktualisierten Googlesuche wird sein Foto nicht mehr mit dem Massenmörder verknüpft.

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