Wie die Kunst aus Afghanistan verschwindet

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Eine afghanische Künstlerin verbrennt ihre eigenen Werke (Bild: Omaid H. Sharifi/Twitter)
Eine afghanische Künstlerin verbrennt ihre eigenen Werke (Bild: Omaid H. Sharifi/Twitter)

Mit der Machtübernahme der Taliban ist das kulturelle Leben in Afghanistan erloschen. Künstler:innen müssen um ihr Leben fürchten. Viele sind geflüchtet oder versuchen noch, das Land zu verlassen und einige zerstören aus Furcht vor den Dschihadisten ihre eigenen Werke.

Der Leiter des Kunstprogramms ArtLords, Omaid H. Sharifi, teilte auf Twitter einige bedrückende Bilder: Aus dem Rahmen geschnittene Bilder, eine zerschmetterte Skulptur, eine Künstlerin, die ihre eigenen Gemälde verbrennt.

“Mir zerreißt es das Herz, wenn ich sehe und von erfahre, wie Künstler:innen begonnen haben, ihre eigene Kunst aus Angst zu zerstören. Afghanistan wird wieder schwarz und weiß. Es verliert seine Schönheit, Vielfalt und seine Farben. Ich fürchte, die Welt wird das wieder zulassen!”

Die extremistische Islam-Auslegung der Taliban lässt keine bildende Kunst, Musik oder andere künstlerische Ausdrucksformen zu. Während ihrer ersten Herrschaft zerstörten sie massenweise Kunstwerke aus Museen und Privathäusern. Unwiederbringliche Kunstschätze Afghanistans gingen verloren, für internationales Aufsehen sorgte insbesondere 2001 die Sprengung der beiden riesigen Buddha-Statuen in Bamiyan.

Singen, Tanzen und Schauspiel waren ebenso verboten wie die traditionellen afghanischen Hobbys Drachen steigen lassen und Vögel züchten.

Auch beim erneuten Vormarsch auf Kabul zerstörten Taliban vielerorts alle Musikinstrumente, derer sie habhaft werden konnten. Vor kurzem kursierte ein Video, auf dem Kämpfer einen jungen Mann schlagen, weil er Musik auf seinem Handy gehört hatte. In Kandahar verschleppten Taliban Mitte Juli vor laufender Kamera den beliebten Comedian Nazar Mohammad und ermordeten ihn später.

Künstler:innen bemalen in Kabul eine Sprengschutzwand mit einem Gemälde zum Weltfrauentag 2019 (Bild: AP Photo/Rahmat Gul)
Künstler:innen bemalen in Kabul eine Sprengschutzwand mit einem Gemälde zum Weltfrauentag 2019 (Bild: AP Photo/Rahmat Gul)

Seit der Machtübernahme zerstörten die Taliban bereits in mehreren Städten Statuen auf Plätzen und in Parks. Nach der Einnahme Kabuls ordnete die Stadtverwaltung an, die charakteristischen Sprengschutzwände zu entfernen, die vielerorts das Stadtbild prägen. Das soll wohl zum einen eine Rückkehr zur Normalität signalisieren, da die Taliban sich nun als Ordnungsmacht gerieren. 

Doch zugleich waren auch diese Betonmauern mit Graffiti und Malereien überzogen, oftmals Schöpfungen von Sharifs ArtLords. Es waren häufig explizit politische Werke oder Erinnerungen an Opfer des Terrors - eine aus der Krise geborene Kunst, die nun ebenfalls verschwinden soll.

Video: Afghanische Fußballerinnen in Not

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