Wie Disney auf die Forderung nach mehr Regisseurinnen reagiert

“Mulan” ist einer der kommenden Disney-Filme, bei denen eine Frau Regie führt. (Bild: Disney)

Geht doch! Erst kürzlich hab ich mir an dieser Stelle ausgemalt, wie schön es doch wäre, wenn eines der großen Hollywood-Studios eine Zeit lang ausschließlich Regisseurinnen verpflichten würde. Und was passiert? Disney erklärt sich bereit, immerhin 40 Prozent der kommenden Filme von Frauen drehen zu lassen.

Eine Kolumne von Carlos Corbelle

Da ich stark davon ausgehe, dass Mickey Maus meine Texte eher selten liest, schließe ich einen direkten Zusammenhang zwischen der Forderung dieser Kolumne und der Entscheidung des Filmstudios mal aus. Nein, die 40 Prozent-Ankündigung des Mickey-Maus-Konzerns hat natürlich einen anderen Hintergrund. “Viele haben uns kontaktiert, damit wir die 4-Prozent-Challenge annehmen, doch ich bin stolz verkünden zu dürfen, dass 40 Prozent der kommenden Disney-Filme von Frauen inszeniert werden und wir sogar noch mehr anstreben”, erklärte Disney-CEO Bob Iger auf Twitter.

Die 4-Prozent-Challenge, auf die er sich bezieht, ist eine Initiative, die von Schauspielerin Tessa Thompson ausgeht. Als Reaktion darauf, dass bloß 4 Prozent der 100 erfolgreichsten Studio-Filme der letzten 10 Jahre von Frauen inszeniert wurden, verpflichtete sie sich, im Namen der “4 Percent Challenge” innerhalb der nächsten 18 Monate mit einer Regisseurin arbeiten zu wollen. Die Aktion schlug hohe Wellen und so schlossen sich dem Vorhaben kurz darauf diverse weitere, sowohl weibliche als auch männliche Stars wie Brie Larson und Armie Hammer an.

Tessa Thompson will mit der 4-Prozent-Challenge Hollywood verändern. (Bild: AP Images)

Captain Marvel und Co.

Man darf gespannt sein, wen die Disney-Studios alles verpflichten wird, um ihr 40-Prozent-Versprechen einzuhalten. Fest steht schon mal, dass hinter der baldigen Comic-Verfilmung “Captain Marvel” ein weiblich-männliches Regie-Duo steht: Anna Boden und Ryan Fleck. Dasselbe gilt für den Animationsfilm “Frozen 2”, der von Jennifer Lee und Chris Buck inszeniert wird. Und mit der Neuinterpretation des Disney-Klassikers “Mulan” hat das Studio einen Film in der Pipeline, bei dem Regisseurin Niki Caro die Umsetzung anvertraut wurde.

Zyniker könnten nun sagen, dass Disney einfach schlau genug ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen und auch deshalb auf mehr Frauen setzt, um angesichts der lautstarken Forderungen nach mehr Regisseurinnen ein weiteres Verkaufsargument in der Tasche zu haben, wenn es um die Vermarktung ihrer Filme geht. So oder so: Ein weiterer (kleiner) Schritt auf dem Weg zu einer wirklichen Gleichberechtigung in Hollywood ist damit getan.

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