Wie effektiv sind Sexstreiks für einen politischen Wandel?

Wenn Frauen in Sexstreik treten, kann sich dadurch das politische Klima ändern. (Bild: AP Photo)

Erst kürzlich sorgte die Sängerin Janelle Monáe mit einem Interview für die Zeitschrift „Marie Claire“ für Schlagzeilen: Um Frauenrechte durchzusetzen, sollten ihrer Meinung nach alle Frauen in den Sexstreik treten. „Die Leute müssen anfangen, die Vagina zu respektieren. Solange nicht jeder Mann für unsere Rechte kämpft, sollten wir in Erwägung ziehen, mit dem Sex aufzuhören.“ Was zunächst nach einer verrückten Idee klingt, hat sich im Laufe der Jahrhunderte aber bereits mehrfach bewährt.

Das Thema kam nämlich bereits in der griechischen Antike auf. Die Komödie „Lysistrata“ des Dichters Aristophanes behandelte genau jenes Phänomen. Die clevere Protagonistin des Stücks hatte – wie alle Frauen in Athen und Sparta – die Nase vom Krieg gestrichen voll. Ihre Männer bekämpften sich gegen Ende des fünften Jahrhunderts v. Chr. und starben der Reihe nach auf dem Schlachtfeld. Daher setzten die Frauen ihnen die Pistole auf die Brust: Je schneller Frieden geschlossen werden würde, desto eher konnten sie wieder die weiblichen Liebesdienste in Anspruch nehmen. Ein Sexstreik brachte die Männer zur Vernunft. Auch in Wirklichkeit endete der Peloponnesische Krieg – fünf Jahre nach Aristophanes’ Theaterstück. Ob dahinter auch ein Sexstreik steckte, ist allerdings nicht überliefert.

Sexentzug hat in der Vergangenheit schon Bürgerkriege beendet. (Bild: AP Photo)

Im 17. Jahrhundert weigerten sich irokesische Frauen, mit ihren Männern zu schlafen, um Kriege zu vermeiden. Der Plan ging auf: Sie erkämpften sich dadurch das Vetorecht in Krisensituationen und ebneten somit den Weg für spätere feministische Aufstände. Auch heutzutage ist die Taktik noch immer weit verbreitet. 2003 organisierte die liberische Bürgerrechtlerin Leymah Gbowee einen Sexstreik und zwang damit sogar gewalttätige Warlords in die Knie. Ein seit 14 Jahren andauernder Bürgerkrieg wurde dadurch beendet. Für ihr Engagement erhielt sie später den Friedensnobelpreis.

Vor fünf Jahren forderten Frauen in Togo den Rücktritt des unbeliebten Präsidenten Faure Gnassingbé, um größeren politischen Einfluss zu bekommen. Die Damen des Landes waren für sieben Tage dazu aufgerufen, ihren Männern den Beischlaf zu verwehren, sofern sie den Präsidenten unterstützten. Um Männer zum pazifistischen Umdenken zu zwingen, bedarf es also lediglich einer konkreten Forderung seitens der Frauen – dann kann ein Sexstreik tatsächlich funktionieren.

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