Wie Elon Musk Twitter umbauen will

·Wirtschaftsjournalist und Techblogger

Es ist die M&A-Sensation des Jahres: Elon Musk kauft Twitter. Wie der Seriengründer den 280-Zeichendienst umkrempeln und auf strikten Wachstumskurs trimmen will, wurde nun publik.

Elon Musk hat Fakten geschaffen: Der reichste Mann der Welt kauft Twitter (Foto: REUTERS/Dado Ruvic/Illustration)
Elon Musk hat Fakten geschaffen: Der reichste Mann der Welt kauft Twitter (Foto: REUTERS/Dado Ruvic/Illustration)

Es klang wie einer von Elon Musks vielen Tweets, eine Neckerei, eine Pose, ein Stunt in 280 Zeichen: Der Tesla-CEO kündigte an, Twitter zu kaufen – als Privatmann. Dass sich der reichste Mensch der Welt den Mikrobloggingdienst leisten konnte, war angesichts des erstaunlichen Vermögens von knapp 250 Milliarden Dollar keine Frage. Allein: Sollte sich der Seriengründer, der neben dem Elektroautopionier auch noch das Raumfahrtunternehmen SpaceX leitet, eine weitere Baustelle schaffen?

Musk wollte. Genau fünf Wochen ist es her, dass 50-Jährige die Twitter-Community und den Rest der Welt mit seinem Einstieg überraschte. Zunächst sicherte sich Musk einen 9,2 Prozent-Anteil am strauchelnden Social Media-Pionier, dann erklärte er seinen über 90 Millionen Followern sein milliardenschweres Investment auf charakteristische Weise: „Oh hi lol“, twitterte Musk.

Elon Musk spielt Katz und Maus mit Twitter

Es folgte ein Katz-und-Maus-Spiel ganz nach dem Geschmack des exzentrischen Multimilliardärs: Musk erklärte sich für einige Tage bereit, den Aufsichtsrat beizutreten, was eine Aufstockung seines Investments auf über 15 Prozent unmöglich gemacht hätte, nur um dann kurzerhand eine Rolle rückwärts zu schlagen und dieses Angebot wieder zurückzuziehen.

Dafür kam ein anderes: Elon Musk wollte Twitter komplett übernehmen – für 54,20 Dollar je Aktie, die wiederum einem Unternehmenswert von 44 Milliarden Dollar entsprachen. Weder die Wall Street noch die Twitter selbst schienen abschätzen zu können, wie ernst es Musk mit seinem Gebot meinte, bis der Tesla-CEO eine dafür abgeschlossene Finanzierung präsentierte.

Twitter bekommt eine gutes Angebot in schwierigen Zeiten

Das Angebot stand, und Twitter blieb am Ende nichts anderes übrig, als die feindliche Übernahmeofferte anzunehmen, schließlich hatte der bereits 16 Jahre alte Social Media-Pionier in den vergangenen Jahren beständig die Erwartungen der Wall Street enttäuscht und lediglich 2018 und 2019 überhaupt schwarze Zahlen geschrieben. Mehr noch: das zuletzt enorm herausfordernde Börsenumfeld für Technologieaktien hätte die Twitter-Aktie im Falle einer Ablehnung des Musk-Gebots den nächsten Absturz eingebrockt.

Entsprechend konnte sich Musk vor zwei Wochen über den Zuschlag des Twitter-Aufsichtsrats freuen. Seitdem vergeht kaum ein Tag mit Spekulationen, wie der umtriebige Südafrikaner den beliebten Kommunikationskanal umkrempeln würde. Fest steht, dass Elon Musk Twitter nach erfolgreicher Übernahme von der Börse nehmen will, um den 280-Zeichendienst abseits der Drucks von Quartalsberichten, unruhigen Investoren und nörgelnden Analysten umzubauen – und das sogar Interimsmäßig als CEO.

Musk stellt Umsatzverfünffachung bis 2028 in Aussicht

Inhaltlich brachte Musk die lang erwartete Einführung eines Edit-Buttons, lockere Content-Moderationregeln und eine (noch) größere Meinungsfreiheit ins Spiel. Vor allem aber monetär hat der Techinvestor große Ziele im Auge, wie am Wochenende in Presseberichten publik wurde.

Wie die New York Times berichtet, hat Elon Musk enorm große Ambitionen in der Geschäftsentwicklung. So sollen sich die Umsätze innerhalb der nächsten sechs Jahre von jetzt 5 Milliarden auf 26,4 Milliarden Dollar im Jahr 2028 mehr als verfünffachen. Möglich werden soll dies durch neue Erlösströme.

Abhängigkeit von Werbesparte soll sinken

So soll Twitter mit einem Abo-Modell, das Musk zuletzt für Unternehmen und professionelle Nutzer angedeutet hat, bis 2028 bereits 10 Milliarden Dollar umsetzen. Größter Erlösbringer bleibt weiterhin das Anzeigengeschäft, das mit geschätzten 12 Milliarden Dollar Umsatz aber in sechs Jahren nur noch weniger als die gesamten Konzernerlöse beisteuern soll. Das Segment ‚Payments‘ soll zudem neu geschaffen werden und 2028 mehr als eine Milliarde Dollar erlösen.

Musk rechnet zudem mit einem regelrechten Nutzerboom: Die Anzahl der registrierten Twitterer soll von aktuell 217 Millionen auf enorme 931 Millionen in sechs Jahren anziehen. Das Interesse an Twitter scheint zumindest seit der Musk-Übernahme explosionsartig gestiegen zu sein. Wie Daniel Zhao vom Job-Bewertungsportal Glassdoor ermittelt hat, wurden Stellenausschreibungen von Twitter im April um 263 Prozent mehr angeklickt als noch im Vormonat.

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