Wie gefährlich ist Kiffen wirklich?

Marihuana gilt als “weiche Droge“ ohne ernste Nebenwirkungen. Kiffen hat den Ruf, weniger eine Sucht als vielmehr ein Freizeitvergnügen zu sein. In vielen Ländern ist der Konsum von Marihuana erlaubt, in Deutschland wird das Thema Legalisierung seit Jahren heiß diskutiert. Kritiker warnen davor, die Droge zu verharmlosen. Doch wie gefährlich ist Kiffen wirklich? Yahoo Nachrichten hat im Gespräch mit Experten nachgefragt.

Marihuana gilt als “harmlose“ Droge. (Symbolbild: Getty Images)

Marihuana oder Gras ist die in Deutschland am häufigsten konsumierte illegale Droge. Und an diesem Thema scheiden sich die Geister. Die einen sehen die Hanfpflanze Cannabis mit ihren Wirkungen als schmerzlindernd, vor allem bei schweren Erkrankungen wie Krebs. Ein Joint würde zwar high machen, sei aber im Großen und Ganzen keine ernste Gefahr für die Gesundheit. Die anderen warnen vor der psychischen Abhängigkeit der Droge, die durchaus ihre Nebenwirkungen hat.

“In Vergleich zum Alkohol hat Cannabis deutlich weniger gesundheitliche Folgen, was die Substanz aber nicht per se automatisch harmlos macht. Die Gefahren liegen eher im psychischen und sozialen Bereich“, meint Sven Frisch, Sozialpädagoge und Suchttherapeut bei der Caritas in München, auf Nachfrage von Yahoo Nachrichten.

Zwar gibt es keine offizielle Bestätigung dafür, dass eine Überdosis THC tödlich sein kann, doch immer wieder gibt es einzelne Todesfälle, bei denen die Mediziner eine Verbindung mit dem Cannabinoid nicht ausschließen können. Zuletzt gab es in den USA einen Fall, wo eine 39-jährige Frau tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde. In ihrem Blut fanden die Ärzte einen extrem hohen THC-Wert von 8,6 Nanogramm pro Milliliter.

Wie wirkt Marihuana?

Marihuana oder Gras wird aus den getrockneten und zerkleinerten Blüten und Blättern der weiblichen Cannabis-Pflanze hergestellt. Geraucht werden dabei nicht nur die Blätter, sondern auch das extrahierte Harz, was als Haschisch oder Hasch bekannt ist. Der Wirkstoff der Pflanze ist das Cannabinoid THC (Tetrahydrocannabinol). Durch Rauchen oder Verdampfen gelangt der Wirkstoff in das zentrale Nervensystem, wo er eine tief entspannende, aber auch euphorische Wirkung entfaltet.

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Vor allem Langzeitkonsumenten, die schon im frühen Alter mit dem Rauchen von Cannabis anfangen, riskieren auf Dauer Gesundheitsschäden. Christoph-Peter Teich, Suchttherapeut und Leiter der Telefonberatung Suchthotline hat täglich mit Suchtkranken und Drogenproblemen zu tun. “Besonders gefährdet sind Jugendliche und junge Erwachsene. Da sich das Gehirn bis zum Alter von 24 noch entwickelt, kann hier der gelegentliche Konsum schnell zu einer Sucht führen“, erzählt er auf Nachfrage von Yahoo Nachrichten.

Hanf ist eine der ältesten Kultur- und Nutzpflanzen. Die weiblichen Blätter und Blüten werden getrocknet und als Marihuana geraucht. (Symbolbild: Getty Images)

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Cannabis-Konsum kann zu akuten Angstzuständen führen, die sich bis zur Psychose steigern können. Auf Dauer kann es die motorischen Fähigkeiten und die Konzentration massiv einschränken. THC hat auch Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Schwindel, Müdigkeit und Rhythmusstörungen können die Folge sein. “Bei einer Überdosis kann es zu massiven Kreislaufproblemen mit Erbrechen kommen. Auch Erkrankungen der Atemwege sind möglich“, meint Christoph-Peter Teich.

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Was Mediziner sicher wissen, ist, dass Kiffen die Hirnfunktion beeinträchtigen kann. Langzeitkonsumenten fällt es oft schwer, sich an Dinge zu erinnern und sie können sich nur schwer konzentrieren. Chronische Erkrankungen der Atemwege sind ebenfalls häufig, etwa eine Bronchitis. Bei Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder der Gefäße kann THC die Beschwerden verschlimmern und – in sehr seltenen Fällen – tödliche Folgen haben.

“Zu einer Überdosis kann es eigentlich nur bei einer oralen Einnahme oder einer geringen Toleranz kommen. Diese besteht aus starkem Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sowie starken kognitiven Einschränkungen und sogar psychotischen Wahrnehmungen“, meint auch Experte Frisch von der Caritas. “Diese Symptome klingen in der Regel nach wenigen Stunden wieder ab. Tödliche Überdosierungen mit THC gibt es zwar nicht, aber dennoch stehen jährlich in Deutschland viele Todesfälle in Zusammenhang mit synthetischen Cannabinoiden.“

Wo finden Betroffene und Angehörige Hilfe?

Cannabis macht zwar nicht körperlich abhängig, wohl aber psychisch. Für das soziale Umfeld ist der Umgang mit der Sucht nicht immer leicht. “Angehörige können ihre Sorge ausdrücken und möglichst ohne Vorwürfe die Fakten benennen, die sie als Folgen des Cannabis-Konsums wahrnehmen“, sagt Suchttherapeut Teich. Der Experte kennt auch die richtige Anlaufstelle für Aussteiger: “Das bundesweite internetgestützte Programm ‘Quit the Shit‘ ist sehr erfolgreich. Es ist verbunden mit einem mehrwöchigen Training und macht darüber hinaus auch noch Spaß. Etwa 50 Prozent der Teilnehmer erreichen bei dem Programm ihr Ziel: entweder völlige Abstinenz oder eine deutliche Reduktion.“

Auch Sven Frisch von der Caritas hat Empfehlungen: “In Deutschland gibt es glücklicher Weise ein breites Spektrum an Hilfsangeboten, wie zum Beispiel die CANDIS-Therapie. Jede Beratungsstelle bietet kostenlose Beratung für Betroffene und deren Angehörige an und kann entsprechende weiterführende Maßnahmen einleiten. Die Behandlungserfolge bei Cannabis-Störungen sind übrigens recht gut im Vergleich zu anderen Substanzen.“

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