Wie gesundheitsschädlich ist Einsamkeit?

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Immer mehr Menschen fühlen sich allein: Doch wie schädlich für unsere Gesundheit ist diese “Epidemie der Moderne“ wirklich? In einer Video-Reportage der BBC wird dieser Frage nachgegangen.

Schadet Einsamkeit unserer Gesundheit? (Symbolbild: Getty Images)

Studien zeigen: Soziale Isolation kann zu Herzerkrankungen, Schlaganfällen und damit auch zu einem frühen Tod führen. Und doch gibt es auch Vorteile der Einsamkeit – oder besser: des Alleinseins – wie nun eine Videoreportage der BBC hervorhob.

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Wie jetzt, macht Alleinsein nun krank oder glücklich? Alles kommt, so der Tenor bei der BBC, auf das Verhältnis des Menschen zum Alleinsein an – und wie gut die Beziehungen mit den Menschen um ihn herum sind. Fühlt sich ein Mensch etwa innerhalb einer Menschengruppe sozial isoliert, fühlt er sich also einsam im eigentlichen Sinne (obwohl er nicht einmal alleine ist), kann dies langfristig seiner Gesundheit schaden. Begreift sich ein Mensch allerdings als introvertiert und fühlt sich alleine im Zweifel sogar besser als in einer großen Menschenansammlung, tut er sich (und auch seiner Gesundheit) mit dem Alleinsein eher einen Gefallen.

Einsamkeit hat nichts mit der Anzahl der Menschen zu tun, mit denen man sich umgibt

Introvertierte Menschen umgeben sich demnach zwar alles in allem mit weniger Menschen, ihre Beziehungen können jedoch durchaus tiefer und erfüllender sein. Wie viele und wie intensive Verbindungen ein Mensch braucht, ist demnach individuell. Für den Gesundheitszustand ist viel wichtiger, wie man entspannt – und nicht, mit wem (oder wie vielen!). Eine Studie zeigte, dass die Nr.1-Beschäftigung zur Entspannung beispielsweise sowieso alleine verbracht wird: das Lesen. Auf Platz 3 der weltweiten Studie: Zeit alleine verbringen. Erst auf Platz 12 der Top-Beschäftigung zur Entspannung fand sich die verbrachte Zeit mit Familie und Freunden.

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Macht Alleinsein kreativ?

Ob Einsamkeit kreativ macht, ist fraglich. Doch Alleinsein wird tatsächlich mit Kreativität in Verbindung gebracht, gelingt es hier doch am besten, sich zu fokussieren und inspirieren zu lassen. Auch Stille – ob alleine oder mit anderen erlebt – trägt zu kreativem Output bei: So wird dabei das so genannte Default Mode Network aktiviert, die Region im Gehirn, die im Ruhezustand aktiviert wird und zu einer besseren Konzentration führt.

Für diejenigen, die meinen, den Unterschied zwischen Einzelgängertum und Einsamkeit nicht erkennen zu können, hat der BBC-Report einen Tipp: Wer sich einsam fühlt, verspürt tief in sich ein Bedürfnis, etwas dagegen zu tun – vergleichbar etwa mit Hunger oder Durst. Wer nur alleine, aber nicht einsam ist, genießt das selbst gewählte Einzelgängertum – und ist alleine womöglich einfach glücklicher.

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