Wie umweltschädlich sind Kreuzfahrtschiffe?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Kreuzfahrtschiffe haben einen besonders schlechten Ruf, was ihren ökologischen Fußabdruck angeht. Um das zu ändern, setzen manche Reedereien mittlerweile auf Flüssiggas (LNG) statt auf Schweröl und beschäftigen zum Beispiel Umweltoffiziere. Doch hilft das wirklich?

Was machen Kreuzfahrtschiffe mit unserer Umwelt? (Symbolbild: Getty Images)

Weltweit sind mehr als 350 Kreuzfahrtschiffe unterwegs, die jährlich 250 Millionen Touristen befördern und dabei einen Umsatz von 25 Milliarden Euro machen. Kreuzfahrten erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, und das, obwohl sie als besonders schädlich für die Umwelt gelten.

Abfälle und Abwässer landen im Meer

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen erlaubt die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO), dass die an Bord produzierten Abfälle in zerkleinerter Form einfach ins Meer geworfen werden dürfen, wodurch die Meere überdüngt werden. Zum anderen gelangen auch die Abwasser aus der Küche, den Toiletten und Duschen ins Meer, was den Sauerstoffgehalt herabsetzt und die Algen sprießen lässt.

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Manche Reedereien beschäftigen Umweltoffiziere

Manche Schiffe zum Beispiel von Tui Cruises oder Royal Caribbean haben zwar eigene Müllverbrennungsanlagen und Kläranlagen für Abwässer an Bord, die Regel ist das aber noch lange nicht. Und auch Umweltoffiziere, die u.a. dafür sorgen, dass am Buffet gar nicht erst so viele Essensreste übrig bleiben oder die kleinen Shampoo- und Duschgelfläschchen aus Plastik abgeschafft werden, gehören noch nicht überall zur festen Crew.

Schweröl belastet die Umwelt extrem

Das aus Umweltsicht aber wohl größte Problem der Kreuzfahrtriesen besteht darin, dass sie mit Schweröl betrieben werden. Ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff für 3000 Urlauber verbraucht laut “Reiseutopia.de“ pro Tag zwischen 150 und 240 Tonnen Schweröl, das als dreckigster Treibstoff auf dem Markt gilt. Die CO2-Emissionen sind enorm, befeuern die Klimaerwärmung und in der Atemluft verbreiten sich Feinstaub und Stickoxide.

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Die CO2-Emissionen übertreffen diejenigen anderer Fortbewegungsmittel deutlich

Laut Stiftung Warentest und der Organisation Atmosfair hat ein Urlauber nach einer Woche auf einem Kreuzfahrtschiff 1500 Kilogramm Kohlendioxid verbraucht. Um zum selben Ergebnis zu kommen, könnte man mit einem Mittelklassewagen 9000 Kilometer zurücklegen. Das “klimaverträgliche Jahresbudget” an CO2-Emissionen liegt übrigens bei 2300 Kilogramm CO2-Emissionen und ist mit dieser einen Woche im Jahr schon über die Hälfte ausgereizt. Das Kreuzfahrtschiff schneidet auch im Vergleich mit Flugzeugreisen schlecht ab. Zum einen, weil die Energiedichte von Schweröl höher als die von Kerosin ist. Zum anderen, weil auch der Verbrauch in Relation zur zurückgelegten Strecke fast drei Mal so hoch ist.

Die "Aida Nova“ ist das erste Kreuzfahrtschiff der Welt das ausschließlich mit Flüssig-Erdgas (LNG) betrieben wird. (Bild: Getty Images)

Manche Reedereien setzen schon auf Flüssiggas statt Schweröl

Der Naturschutzbund Deutschland rät generell von Kreuzfahrten ab, hebt aber Tui Cruises und Aida als zumindest nur “graue Schafe“ der Branche hervor. Als einziges Kreuzfahrtschiff empfiehlt der Nabu in seinem regelmäßig erstellten Kreuzfahrt-Ranking die “Aida Nova“, die als erstes Kreuzfahrtschiff der Welt ausschließlich mit Flüssig-Erdgas (LNG) betrieben wird und mit 2500 Kabinen das größte Schiff von Aida ist. In den kommenden Jahren sollen zwei weitere LNG-betriebene Schiffe folgen und auch die Kreuzfahrtunternehmen TUI Cruises und Costa Crociere setzen in Zukunft zumindest teilweise auf Flüssiggas.

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Flüssiggas ist zwar etwas besser, aber immer noch schlecht

Wirklich “grün“ ist aber auch die Alternative zum Schweröl nicht. Feinstaub, Stickoxide, Ruß und Schwefel werden dadurch nicht produziert, das ist ein klarer Vorteil. Und doch ist auch das Flüssiggas ein fossiler Kraftstoff, der genau so viele Treibhausgas-Emissionen produziert wie das Schweröl. Vielmehr verweisen manche Studien sogar darauf, dass LNG aus dem Treibhausgas Methan besteht, das 25 Mal schlimmer als CO2 wirke. Schon kleine Lecks könnten also einen großen Schaden verursachen.

Ein weiterer Punkt auf der Minusliste: LNG wird auch durch die umstrittene Methode Fracking gewonnen, die nicht nur bei Umweltschützern die Alarmglocken schrillen lässt. Dazu kommt: Zumindest bislang gibt es in den meisten Häfen keine Möglichkeit, die Schiffe mit LNG zu betanken.

Bis Kreuzfahrtschiffe klimaneutral sind, ist es noch ein weiter Weg

Wirklich klimaneutral wären Schiffe nur dann, wenn sie mit Sonnen- oder Windkraft, mit Batteriebetrieb, Biogas oder Brennstoffzellen fahren könnten. Sowohl Aida als auch Hurtigruten arbeiten bereits an der Entwicklung von Schiffen mit Brennstoffzellen, bei Hurtigruten soll auch aus organischen Abfällen gewonnenes Flüssigbiogas zum Einsatz kommen.

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