Wie und warum man sein Handy gezielt entsorgen sollte

Fast jeder hat eins zu Hause: Ein ausgedientes Smartphone. Doch statt es ungenutzt liegen zu lassen, wäre es sinnvoll, das alte Handy gezielt zu entsorgen. Denn drin stecken wertvolle Rohstoffe, die dringend benötigt werden.

Smartphone-Recycling. (Bild: Getty Images)
Smartphone-Recycling. (Bild: Getty Images)

Haben Sie auch ein altes Handy, das in der Schublade schlummert? Dann befinden Sie sich in bester Gesellschaft. Nach Angaben von Bitkom haben 87 Prozent der Deutschen wenigstens ein ungenutztes Smartphone zu Hause. Der Digitalverband errechnete, dass deutsche Haushalte aktuell rund 210 Millionen ausgediente Handys und Smartphones aufbewahren und damit jede Menge Rohstoffe horten.

Gigantischer Rohstoffschatz

Doch statt den Elektroschrott in der Schublade zu lagern, wäre Recycling die weitaus sinnvollere Alternative. Laut einer Untersuchung von 2020 kamen Britta Bookhagen und ihr Team von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zu dem Ergebnis, dass in rund 200 Millionen Smartphones in deutschen Schubladen unter anderem rund 3,4 Tonnen Gold, 1.300 Tonnen Kupfer und 520 Tonnen Nickel stecken.

Ähnliche Berechnungen stellte der Digitalverband Bitkom an. Demnach befinden sich in den aktuell 210 Millionen Geräten neben etwa 6600 Tonnen Aluminium, dessen Ausgangsstoff Bauxit von der EU als kritischer Rohstoff eingestuft ist, der ebenfalls kritische Rohstoff Kobalt (ca. 1400 Tonnen), Lithium (ca. 180 Tonnen), Magnesium (ca. 140 Tonnen), Titan (ca. 60 Tonnen) sowie Phosphor, Tantal, Platin-Metalle oder Seltene Erden sowie etwa drei Tonnen Gold.

"Die Deutschen horten einen riesigen Rohstoffschatz. Auch vor dem Hintergrund immer wieder neu unterbrochener Lieferketten ist wichtig, dass wir die schon vorhandenen Rohstoffe in den Haushalten nicht brach liegen lassen", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Rohstoffbedarf für zehn Jahre

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass die in den ausgedienten Handys enthaltenen Materialien ausreichen würden, um den Rohstoffbedarf aller neuen Smartphones der kommenden zehn Jahre zu decken. Die Forschenden errechneten, dass der Wert des Metalls der ungenutzten Handys rund 240 Millionen Euro beträgt. Die Experten fordern, Rückführungs- und Recyclingprozesse noch effizienter zu gestalten, um das Potenzial auszuschöpfen.

Urban Mining schont die Umwelt und macht unabhängig

Ausrangierte elektronische Geräte wie Smartphones, aber auch Tablets, TV-Geräte und Laptops sind die sogenannte urbane Mine, aus denen wertvolle Rohstoffe gewonnen werden können. Das schont laut IW langfristig nicht nur die Umwelt, sondern macht die deutsche Wirtschaft und die Verbraucher auch unabhängiger von Exportländern wie China.

Doch die Studie gibt auch zu bedenken, dass viele Recyclingprozesse noch nicht effizient genug seien und sich die Wiederverwertung betriebswirtschaftlich nicht lohne. Den reinen Metallwert eines alten Handys beziffern die Forschenden mit 1,15 Euro, zudem erschwere die Kleinteiligkeit der Geräte das Recycling. "Das Recycling stellt nur eine Lösung dar. Besser wäre es, bereits bei der Produktentwicklung Abfälle zu vermeiden oder die Geräte und ihre Komponenten für eine Wiederverwendung professionell aufzubereiten", sagt Studienautorin und Kreislaufwirtschaftsexpertin Adriana Neligan.

Verbraucher sind gefordert

Ein erster wichtiger Schritt wäre, dass die Verbraucher ihre ungenutzten Altgeräte zurückbringen. Aber auch die Politik müsse hier unterstützen, Tempo machen und für bessere Anreize bei der Sammlung sorgen.

"Abgebaut" wird in der urbanen Mine nicht mit Schaufelradbagger und Spitzhacke, sondern durch Recycling - und somit ist es bis zu einem gewissen Teil auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagt die Geologin Bookhagen. Sie stellt aber klar: "Urban Mining bezieht sich auf Produkte am Ende ihres Lebens." Erst wenn alle anderen Wege, etwa reparieren oder weiterverkaufen, ausgeschöpft sind, geht es ums Recycling - "bitte nicht in die Schublade", sagt Bookhagen.

Smartphone-Recycling – so geht es richtig

Grundsätzlich dürfen Elektrogeräte wie Handys nicht im Hausmüll entsorgt werden. Alte Geräte können kostenfrei bei kommunalen Sammelstellen wie Recyclinghöfen abgegeben werden. Seit 1. Juli 2022 muss auch der Handel Altgeräte zurücknehmen. Dazu verpflichtet sind alle größeren Geschäfte, die Elektrogeräte anbieten. Dazu gehören auch Lebensmittelgeschäfte, die Elektrogeräte verkaufen.

Mit Informationen von dpa.

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