Wilhelm Brandenburg: "Eklatante Hygienemängel" in Hessens größtem Fleischbetrieb

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Schimmel, Rost, Schmutz – in der Frankfurter Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg gibt es einem Bericht zufolge seit Jahren etliche Verstöße gegen die Hygienevorschriften. Passiert ist bis heute wenig.

fresh sausage and meat in the bar for sale in the supermarket
Symbolbild: Getty Images

Das Unternehmen Wilhelm Brandenburg ist mit schweren Vorwürfen konfrontiert. In der zum Rewe-Konzern gehörenden Fleisch- und Wurstfabrik gibt es nach einem Bericht des Hessischen Rundfunks "eklatante Hygienemängel". Nicht nur die lange Liste der Verstöße, auch der Umstand wiegt schwer, dass sich an den Zuständen trotz wiederholter Beanstandungen offenbar nichts geändert hat.

Die Rundfunkanstalt beruft sich auf Prüfberichte der Lebensmittelkontrollen, die das Frankfurter Ordnungsamt Veterinärwesen zwischen 2016 und 2021 in der Großmetzgerei durchgeführt hat. In dem Frankfurter Betrieb verarbeiten 1.400 Mitarbeiter wöchentlich 1.350 Tonnen Fleisch, die größtenteils an die Supermarktketten Rewe- und Penny-Märkte geliefert werden.

Etliche Verstöße gegen Hygieneregel

Die Mängelliste ist offenbar lang. Den Protokollen zufolge reichen die Verstöße von Schimmelbefall und Rost an den Betriebsmitteln über Mängel in der Arbeits- und Betriebshygiene bis hin zu starker Verschmutzung und fehlenden Waschmöglichkeiten für Mitarbeiter. Zudem hätten die Kontrolleure festgestellt, heißt es in einem Bericht, dass ein Arbeitsraum "nicht schädlingssicher" sei.

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Belastend kommt hinzu: Die Hygieneverstöße werden seit Jahren festgestellt, verbessert haben sich die Zustände aber offenbar nicht. In einem Bericht ist von "noch nicht beseitigten Mängeln aus früheren Kontrollen" die Rede. Im September 2020 stellten die Kontrolleure fest: "Aus Sicht der Lebensmittelüberwachung ist das eigenständige Erkennen und das zeitnahe Beheben baulicher Mängel nach wie vor unbefriedigend."

Unternehmen und Behörden wehren sich

Wilhelm Brandenburg und der Mutterkonzern Rewe wehren sich gegen die Vorwürfe. Die Großmetzgerei erklärte auf Anfrage des Hessischen Rundfunks: Man habe keine Zweifel daran, "dass die Produktionsstätte uneingeschränkt zur Herstellung qualitativ hochwertiger und sicherer Lebensmittel geeignet ist. Rewe teilte auf hr-Anfrage mit, dass die festgestellten Mängel so schnell wie möglich behoben worden seien.

In der Kritik stehen aber auch Politik und Aufsichtsbehörden. Der hr lässt in dem Zusammenhang den Metzgermeister Franz Voll zu Wort kommen, der den Ämtern vorwirft, im Umgang mit Lebensmittelbetrieben nicht konsequent genug zu sein. Gewicht hat das Urteil des Metzgers auch insofern, als er selbst jahrelang Lebensmittelkontrolleur war.

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Die für Lebensmittel- und Hygieneüberwachung zuständige Stadt Frankfurt wehrt sich gegen solche Vorwürfe. Auf hr-Anfrage verweist die Stadt auf die umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen, die Wilhelm Brandenburg nach einer Kontrolle eingeleitet habe. Infolgedessen sei "mittlerweile die Anzahl der festgestellten Beanstandungen erheblich gesunken". Die Interpretation der festgestellten Mängel als "eklatant" hält der Leiter des Frankfurter Veterinäramts, Detlef Thiele, laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für falsch. In 95 Prozent der Fälle hätte es sich um bauliche Unzulänglichkeiten gehandelt.

Alte Fabrik wird geschlossen

Die Fleischfabrik von Wilhelm Brandenburg stammt zum Teil aus den 1950er Jahren. Demnächst soll der Frankfurter Betrieb einem Neubau in der Stadt Erlensee bei Hanau weichen. Der erste Spatenstich soll 2022 erfolgen, wie das Unternehmen 2019 mitteilte. Ob dieser und alle weiteren Termine eingehalten werden können, ist mit Blick auf die Einschnitte durch die Corona-Pandemie allerdings fraglich.

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