"Ich will mir jetzt einen Blumentopf-Ofen bauen": Zehn junge Menschen geben Tipps zum Energiesparen

Blumentopf-Ofen, Heizdecke, Licht aus: Business Insider hat mit zehn jungen Menschen darüber gesprochen, wie sie in der Krise Energie sparen.

Zehn junge Menschen erzählen Business Insider, wie es ihnen in der Krise geht und wie sie Energie sparen. - Copyright: Lisa Kempke
Zehn junge Menschen erzählen Business Insider, wie es ihnen in der Krise geht und wie sie Energie sparen. - Copyright: Lisa Kempke

Die Energiekrise trifft Privathaushalte mit voller Wucht: Die Gas- und Strompreise haben mittlerweile ein Rekordniveau erreicht. Ab 2023 müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher sogar auf eine Verdreifachung der Abschläge einstellen. Noch dazu beginnt bald die Heizsaison und viele Menschen stehen vor der Frage: Wie kann ich Energie einsparen?

Business Insider hat mit zehn jungen Menschen darüber gesprochen, wie es ihnen in der Krise geht und wie sie Energie sparen. In den Gesprächen haben wir erfahren, dass sich die Verzweiflung bisher noch in Grenzen zu halten scheint – vielmehr versuchen sie, kreative Lösungen zu finden.

So wie die 28-jährige Valerie Bürger. Sie erzählt uns von einer Mini-Heizung aus Blumentöpfen, den sie in ihrem Lieblings-Café gesehen hat und nun nachbauen möchte. Mit ihrem Interesse an kreativen Lösungen für günstige Wärme ist sie nicht allein. Auf Social Media kursieren etliche Videos zu Do-it-yourself-Heizungen. Ein TikTok-Video von einem selbst gebauten Blumentopfofen erreichte zum Beispiel bereits 106.000 Likes.

Valerie Bürger (28): "Ich will mir jetzt einen Blumentopf-Ofen bauen"

Valerie (28) macht eine Ausbildung zur Psychotherapeutin. - Copyright: Lisa Kempke
Valerie (28) macht eine Ausbildung zur Psychotherapeutin. - Copyright: Lisa Kempke

"Ich bin ganz frisch von Bayern nach Berlin gezogen, um hier meine Ausbildung zur Psychotherapeutin zu machen. Und ich muss echt sagen: Die Stadt ist teuer. Bisher wohne ich zur Untermiete sehr günstig für 250 Euro und kann mich wirklich nicht beschweren. Vor allem, weil Gas- und Strom in dem Preis inbegriffen sind und ich nicht damit rechnen muss, dass plötzlich die Nebenkosten ansteigen.

Aber das wird sich auch ändern, wenn ich bald umziehe. Deswegen will ich mir jetzt schon einen Blumentopf-Ofen bauen. Das habe ich letztens in einem Café gesehen. Im Prinzip steckt man zwei unterschiedlich große Ton-Blumentöpfe ineinander und baut sie wie eine Haube über ein paar Teelichtern auf. Der ersetzt natürlich keine richtige Heizung, kann aber zumindest ein bisschen wärmen.

Um ehrlich zu sein, möchte ich mich aber noch nicht mit den Gaspreisen beschäftigen, sondern erstmal den Umzug schaffen. Also aktuell ist für mich eher die Inflation das Problem. Ich probiere gerne neue Restaurants aus oder gehe feiern und das kostet viel Geld. Ich sage mir aber, lieber exzessiv leben und woanders sparen, zum Beispiel beim Heizen.

Außerdem habe ich im September auf ein Bahnticket verzichtet und warte auf das 29-Euro-Ticket, das ab Oktober in Berlin kommt. Dann muss ich im September eben mit dem Fahrrad fahren."

Jon S. (32): "Für alle Fälle lege ich mir jeden Monat 1000 Euro zur Seite"

Jon (32), Ingenieur. - Copyright: Lisa Kempke
Jon (32), Ingenieur. - Copyright: Lisa Kempke

"Glücklicherweise zahle ich für meine Wohnung nur 500 Euro Miete im Monat. Gas- und Strom sind darin schon enthalten, also muss ich mir im Moment noch keine Sorgen darüber machen, wie viel Energie ich verbrauche. Noch wurde meine Miete auch nicht erhöht. Ich glaube, das liegt auch daran, dass ich den Vermieter persönlich kenne.

Hätte ich mit einer Hausverwaltung zu tun, dann wäre das vielleicht ganz anders. Trotzdem versuche ich aber, noch nicht zu heizen, und wenn es bald kälter wird, dann stelle ich die Heizung erstmal auf eine ganz niedrige Stufe. Für alle Fälle lege ich mir jeden Monat 1000 Euro zur Seite. Und zwar nicht am Ende des Monats, sondern gleich am Anfang überweise ich den Betrag auf mein Anlagekonto."

Yasin Sirganci (25): "Ich besorge mir jetzt erstmal ganz viele Kerzen"

Yasin (25), Tätowierer. - Copyright: Lisa Kempke
Yasin (25), Tätowierer. - Copyright: Lisa Kempke

"Ich verdiene als selbstständiger Künstler nicht jeden Monat das Gleiche. Aber ich komme durchschnittlich auf 4000 bis 5000 Euro im Monat. Für Miete zahle ich ungefähr 1000 Euro, für Lebensmittel 400 Euro und dann muss ich noch mein Auto abbezahlen. Am Ende des Monats bleiben ungefähr 2000 Euro übrig, die ich für den Notfall zur Seite legen kann.

Ich werde mir jetzt erstmal ganz viele Kerzen besorgen, um nicht für Licht unnötig Strom zu verbrauchen und ich achte darauf, dass ich auf Bio-Lebensmittel verzichte, gensuao auf teure Süßgetränke vom Späti. Wasser ist günstiger und sowieso besser für die Gesundheit."

Franka Vögel (22): "Noch wollen wir nicht heizen, aber weil ich so eine Frostbeule bin, habe ich mir schon zwei Wärmflaschen gekauft"

Franka Vögel (22), Studentin. - Copyright: Lisa Kempke
Franka Vögel (22), Studentin. - Copyright: Lisa Kempke

"Ich zahle im Monat 425 Euro für mein Zimmer, verdiene als studentische Aushilfe noch 700 Euro und bekomme zusätzlich noch Unterstützung von meinen Eltern, sodass ich am Ende des Monats zwischen 200 und 300 Euro übrig habe. Unsere Miete wurde bisher noch nicht erhöht. Vielleicht kommt mir das ganze Thema mit der Energiekrise deswegen noch so abstrakt vor.

Ich glaube, ich weiß noch gar nicht, was da auf mich zukommt. Trotzdem muss ich dringend mal mit meiner Mitbewohnerin darüber sprechen, wie wir Energie einsparen können. Noch wollen wir nicht heizen, aber weil ich so eine Frostbeule bin, habe ich mir schon zwei Wärmflaschen gekauft. Ob das reicht, weiß ich nicht. Da muss ich noch etwas kreativer werden, glaube ich."

Reginald Hawkins (22): "Zieh dich warm an, schnappe dir dicke Socken, einen Mantel und suche dir jemanden zum Kuscheln"

Reginald Hawkins (22), Musikproduzent*in und Stylist*in. - Copyright: Lisa Kempke
Reginald Hawkins (22), Musikproduzent*in und Stylist*in. - Copyright: Lisa Kempke

"Ich habe einen ganz praktischen Spartipp: Zieh dich warm an, schnappe dir dicke Socken, einen Mantel und suche dir jemanden zum Kuscheln – das hält warm. Wenn ich das tue, muss ich in meiner Wohnung auch weniger heizen.

Zusätzlich achte ich immer darauf, den Stecker von allen Geräten zu ziehen, um so noch ein bisschen Strom einzusparen. Für Miete zahle ich ungefähr 500 Euro. Weil ich im Moment noch arbeitslos bin, da ich gerade erst aus den USA nach Berlin gezogen bin, und von meinem Ersparten lebe, muss ich einfach aufs Geld achten. Das heißt, wenn ich Energie einsparen kann, tue ich das auch."

Lilith Pecsics (22): "Wenn ich mir eine Heizdecke kaufe, muss ich die Heizung eventuell nicht ganz so doll aufdrehen"

Lilith Pecsics (22), Studentin. - Copyright: Lisa Kempke
Lilith Pecsics (22), Studentin. - Copyright: Lisa Kempke

"Ich zahle für Miete ungefähr 530 Euro. Neben dem Studium habe ich noch zwei Jobs. Bei dem einen verdiene ich im Monat 650 Euro und bei dem anderen ungefähr 100 Euro. Dazu bekomme ich die rund 200 Euro Kindergeld und nochmal 100 Euro von meinen Eltern.

Am Ende des Monats bin ich aber irgendwie trotzdem immer im Minus. Ich glaube, noch ruhe ich mich darauf aus, dass meine Eltern mich im Notfall doch unterstützen könnten. Aber meine Mitbewohnerinnen und ich wollen jetzt mal miteinander sprechen, wie wir uns Geld zur Seite legen können. Bald kommt ja die Heizsaison. Aber: Wenn ich mir eine Heizdecke kaufe, muss ich die Heizung eventuell nicht ganz so doll aufdrehen."

Andi Grille (32): "Meinen Kühlschrank habe ich schon einen halben Grad heruntergedreht"

Andi Grille (32), Account-Manager. - Copyright: Lisa Kempke
Andi Grille (32), Account-Manager. - Copyright: Lisa Kempke

"Ich zahle für meine Einraumwohnung ungefähr 520 Euro. Meine Betriebskosten haben sich ungefähr um 30 Euro erhöht, aber auch das ist für mich noch kein großes Problem. Ich habe ein gutes Einkommen und kann mir genug zur Seite legen für den Notfall.

Meinen Kühlschrank habe ich aber schon einen halben Grad heruntergedreht. Und ich schalte bei allen Geräten den Stand-by-Modus, nachts und wenn ich das Haus verlasse, aus. Damit meine Wohnung nicht auskühlt, will ich mir jetzt noch Abdichtungen kaufen, die ich vor meine Tür und meine Fenster lege. Ich habe gehört, dass das echt einen Unterschied macht."

Domino Valenti (21): "Für meine Wohnung habe ich mir Elektroheizungen gekauft"

Domino Valenti (21), Tätowiererin. - Copyright: Lisa Kempke
Domino Valenti (21), Tätowiererin. - Copyright: Lisa Kempke

"Als Tattoo-Künstlerin verdiene ich im Monat ungefähr 1800 Euro. Für meine Wohnung bezahle ich monatlich 1250 Euro. Darin enthalten sind auch Strom und Gas. Also eigentlich müsste ich mir noch keine Sorgen darum machen, Energie zu sparen, weil es sich sowieso um einen Fixpreis handelt.

Aber trotzdem will ich vorsichtig sein und kein Gas verschwenden, wenn davon im Moment so wenig da ist. Für meine Wohnung habe ich mir deswegen Elektroheizungen gekauft. Insgesamt versuche ich auch, weniger Geld auszugeben. Meistens kaufe ich alles auf irgendwelchen Märkten, die echt preiswert sind. Letztens habe ich auf einem Flohmarkt nur 15 Euro für einen Esstisch ausgegeben. So günstig hätte ich was bei Ikea nicht gefunden."

Adam Matan (24): "Wenn ich die Wohnung verlasse, ziehe ich bei allen Elektrogeräten den Stecker"

Adam Matan (24), arbeitet in der IT-Branche. - Copyright: Lisa Kempke
Adam Matan (24), arbeitet in der IT-Branche. - Copyright: Lisa Kempke

"Wenn ich die Wohnung verlasse, ziehe ich bei allen Elektrogeräten den Stecker. Und ich achte sehr genau darauf, dass wirklich kein Licht mehr an ist. Außerdem ziehe ich mich warm an und versuche wirklich, nur noch bei Netto einkaufen zu gehen.

Beeren oder Avocados lasse ich zum Beispiel schon komplett weg, weil sie mir wirklich zu teuer sind. Im Moment kann ich auch noch nicht arbeiten, weil ich auf mein Visum warten muss. Ich bin im August von Toronto nach Berlin gezogen. Deswegen bin ich auch noch auf mein Erspartes angewiesen und muss ein bisschen genauer darauf achten, was ich kaufe."

Ashley Marc Hovelle (39): "Lichter machen wir nur an, wenn es wirklich nötig ist"

Ashley Marc Hovelle (39), leitet ein Mode-Unternehmen. - Copyright: Lisa Kempke
Ashley Marc Hovelle (39), leitet ein Mode-Unternehmen. - Copyright: Lisa Kempke

"Der Großteil meines Geldes fließt in mein Unternehmen. Deswegen kann ich zwar ein bisschen Geld zur Seite legen, aber auch nicht allzu viel. Um die Gas- und Stromkosten gering zu halten, sind nur die elektrischen Geräte angeschlossen, die wir wirklich brauchen. Lichter machen wir nur an, wenn es wirklich nötig ist.

Ich habe ein nachhaltiges Modelabel, also versuchen wir auch unser Bestes, energieeffizient zu arbeiten. Aber ich muss sagen, dass mir die hohen Preise im Supermarkt noch gar nicht aufgefallen sind. Aber ich habe auch nicht die Zeit auf solche Details zu achten. Was wir natürlich merken ist, dass Baumwolle teurer geworden ist. Wir versuchen aber trotzdem, die Preise unverändert zu lassen und bekommen das im Moment auch gut hin."

Noch mehr Wissenswertes dazu, wie Ihr gut durch die Energiekrise kommt, findet ihr in unserem Energieratgeber

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