Winzerverband lockert jahrhundertealte Abstandsregel für Champagner-Rebstöcke

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Revolution im Champagner-Anbau

Revolution im Champagner-Anbaugebiet: Der französische Winzerverband SGV hat eine jahrhundertealte Vorschrift über den Rebstock-Abstand abgeschafft und damit heftige Kritik auf sich gezogen. Laut einem Beschluss des Verbands SGV vom Donnerstag ist ab 2023 ein Abstand von zwei bis 2,2 Metern statt der bislang zulässigen 1,5 Meter zwischen den einzelnen Rebstöcken erlaubt. Außerdem wurde die zulässige Höhe der Pflanzen von derzeit 1,2 bis 1,3 Metern auf zwei Meter angehoben.

Für die Winzer in der französischen Region Champagne gelten seit rund 100 Jahren strikte Vorschriften. Nur wer Trauben aus der Region verwendet und bei der Herstellung spezielle Methoden anwendet, darf sein Produkt als Champagner bezeichnen. Bislang durfte der Abstand zwischen den Rebzeilen maximal 1,5 Meter betragen, da dies laut Experten das ideale Verhältnis von Ertrag und Qualität ermöglicht.

Nur auf diese Weise konkurrieren die Reben demnach um Wasser sowie Nährstoffe und produzieren kleinere und qualitativ hochwertigere Trauben mit genau dem richtigen Säuregehalt. Der geringe Abstand zwischen den Rebzeilen erschwert jedoch die Bearbeitung der Weinberge mit Maschinen.

Laut einer vor 15 Jahren begonnenen Studie des SGV führen größere Abstände zu einer Verringerung der Treibhausgasemissionen um 20 Prozent, da effizientere Maschinen eingesetzt werden können. Der Studie zufolge werden die Rebstöcke auch widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Witterungseinflüsse. Obwohl auf diese Weise weniger Rebstöcke auf einem Anbaugebiet Platz finden, gleicht die höhere Produktion der einzelnen Rebstöcke die Verluste demnach aus.

"Ziel ist es, den notwendigen agrarökologischen Wandel zu begleiten, indem die Weinbaugebiete der Champagne an den Klimawandel angepasst werden, und gleichzeitig die Qualität und Typizität des Champagners sowie die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Betriebe zu erhalten", erklärte SGV-Präsident Maxime Toubart. Es sei jedem Winzer selbst überlassen, ob er die neue Regelung anwende.

Gegner der Neuerung fürchten um die örtlichen Traditionen, die Qualität der Trauben und um Arbeitsplätze. "Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes wird hier ein Wirtschaftsprojekt zur Kostensenkung umgesetzt", kritisierte Patrick Leroy, Generalsekretär der linksgerichteten Gewerkschaft CGT-Champagne. Bis zu einem Viertel der 10.000 Arbeitsplätze der Branche könnten laut Leroy verloren gehen.

noe/isd

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