"Wir werden sie jagen": Facebook-Seite sammelt menschenverachtende AfD-Aussagen

Yahoo Redaktion
Björn Höcke (links), der Anführer des AfD-Flügels, der vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft wurde und Parteichef der AfD, Alexander Gauland, der in der Öffentlichkeit gern davon spricht, dass seiner Partei zu wenig Neutralität entgegengebracht werde. Beide finden sich mit Aussagen auf der neuen Facebook-Seite "Wir werden sie jagen" wieder. Foto: AP Photo / Jens Meyer
Björn Höcke (links), der Anführer des AfD-Flügels, der vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft wurde und Parteichef der AfD, Alexander Gauland, der in der Öffentlichkeit gern davon spricht, dass seiner Partei zu wenig Neutralität entgegengebracht werde. Beide finden sich mit Aussagen auf der neuen Facebook-Seite "Wir werden sie jagen" wieder. Foto: AP Photo / Jens Meyer

Eine neue Facebookseite unter dem Namen „Wir werden sie jagen“ publiziert seit einer Woche Aussagen von AfD-Politikerinnen und AfD-Politikern. Das Besondere: Die Zitate sind aufgemacht wie AfD-Postings, mit Deutschlandflagge und auf blauem Grund.

„Wir riefen Gastarbeiter, bekamen aber Gesindel.“ Diesen Satz veröffentlichte der Europapolitiker der AfD, Nicolaus Fest, im Jahr 2017 auf seiner Homepage. Er ist dort immer noch nachzulesen unter dem Eintrag „Menschenwürde und Logikbrüche“. Hervorgeholt und besonders in Szene gesetzt hat Fests Aussage diese Woche eine neu ins Leben gerufene Facebook-Seite: „Wir werden sie jagen“.

Dort werden seit dem 16. Oktober Aussagen von AfD-Politikerinnen und AfD-Politikern veröffentlicht. Und zwar im Stil der Partei selbst: Mit Deutschlandflagge, auf blauem Grund und mit Konterfeit der Zitate-Urheberin oder des Urhebers. Dazu ist noch ein kleines, nach rechts gekipptes, Haus in den Bildern zu sehen. Symbolisch „sehr treffend, für eine Partei wie Euch“, schreiben die Seitenbetreiber direkt an die AfD gerichtet.

Seitenbetreiberin, zumindest steht sie als Kontaktinformation auf Facebook, ist die Initiative „Hooligans Gegen Satzbau“. Sie versteht sich selbst als digitale Antwort auf einen zunehmenden Rechtsruck in der Gesellschaft. Die Mitwirkenden sind stets anonym.

Gegen das Vergessen

Das Ziel der Seite formulieren die Betreiber in einem angepinnten Erklärungspost: „Liebe AfD, liebe Landes- und Ortsverbände, liebe Bundestagsfraktion, sicherlich habt Ihr schon bemerkt, dass wir hier Eure Aussagen zu den verschiedensten Themen sammeln und grafisch aufbereiten. Es ist uns nämlich sehr wichtig, dass eben diese Aussagen inhaltlich und vor allem visuell mit Euch in Verbindung gebracht werden. Ihr propagiert ja den sogenannten Mut zur Wahrheit, deshalb möchten wir Euch ganz ohne Schlussfolgerung dabei unterstützen, eben diese Wahrheit noch bekannter zu machen.“

Die Betreiber schreiben weiter, dass alle Aussagen mit Quellenangaben, die „den originalen Wortlaut nebst Kontext zeigen“, belegt seien. Manche Aussagen würden allerdings Schlagzeilen-tauglich gemacht und dafür grammatikalisch umgestellt, „ohne aber ihren Inhalt zu verfälschen“. Deshalb würden die Aussagen nicht als wörtliche Zitate kenntlich gemacht, sondern stellten vielmehr indirekte Zitate dar. Die Betreiber argumentieren, dass die Aktion somit von der Meinungsfreiheit gedeckt sei.

Reaktion auf Fakenews-Vorwürfe

Via Twitter reagieren die Hooligans gegen Satzbau zudem auf Fakenews-Vorwürfe aus dem AfD-Umfeld: „Wir hetzen nicht. Wir beleidigen nicht. Wir denken uns keine Aussagen aus. Alles was wir tun: Wir zeigen euch Aussagen der @AfD. mit entspr. Quellenangaben. Nicht mehr – nicht weniger.“

Ein Artikel des Bayerischen Rundfunks hat sich diese Woche bereits mit der Seite beschäftigt. Darin kommt Christian Schicha, Professor für Medienethik an der Universität in Erlangen, zu Wort. Er bestätigt: Grundsätzlich handle es sich bei der Aktion nicht um eine klassische Fake-News Kampagne, da keine Falschinformationen verbreitet würden. Wenn alle Aussagen tatsächlich so von den AfD-Mitgliedern geäußert und korrekt wiedergegeben würden, so Schicha, sei die Aktion eindeutig von der Meinungsfreiheit gedeckt. Allerdings fehle dem Medienethiker eine zeitliche Einordnung – dass etwa das Zitat von Fest aus dem Jahr 2017 stamme.

Facebook-Seite schafft Diskussion um Gastarbeiter

Ein erster publizistischer Erfolg der Facebook-Seite Wir werden sie jagen ist ihr mit genau diesem Zitat gelungen. Seither teilen unter dem Hashtag #Gesindel zahlreiche Menschen, häufig mit Migrationshintergrund, den Beitrag. Viele schreiben über die Erfahrungen, die ihre Eltern oder Großeltern als Gastarbeiter in Deutschland gemacht haben und dass sie eben kein Gesindel seien.

Auf eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks teilte die AfD mit, dass sie derzeit prüfe, ob sie gegen die Facebook-Seite anwaltlich vorgehen werde.