Wird die Gefahr durch Cyber-Angriffe unterschätzt?

Nach Ansicht von Experten geht die Gesellschaft zu achtlos mit den Gefahren durch Cyber-Angriffe um. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Die Gesellschaft ist nach Experteneinschätzung verwundbarer denn je für Cyber-Angriffe - und geht gleichzeitig zu achtlos mit den Gefahren um.

«Alles ist zunehmend IT-basiert», sagte der Informatiker und Leiter des Hasso-Plattner-Instituts, Christoph Meinel, der Deutschen Presse-Agentur. Das biete enorme Angriffsflächen für Cyber-Attacken. «Durch die Vernetzung sind wir verwundbarer denn je.»

Das Bewusstsein für die Risiken sei in der Gesellschaft allerdings noch nicht gut entwickelt, sagte Meinel. «Die Leute glauben, sie wüssten über die virtuelle Welt Bescheid, weil sie ihr Smartphone bedienen können.» Das reiche aber bei weitem nicht. Nötig sei eine «digitale Aufklärung».

Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam veranstaltet an diesem Donnerstag und Freitag eine große Cybersicherheitskonferenz. Erwartet werden dort Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Mit dabei sind unter anderen die Chefs des Bundeskriminalamts (BKA), des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) und des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Meinel sagte, jeder könne bei sich selbst anfangen, sich besser vor Cyber-Kriminalität zu schützen - durch Anti-Viren-Software, vernünftige Passwörter, einen bedachten Umgang mit den eigenen Daten. Aber auch bei Unternehmen sei noch viel zu tun. «Viele erkennen Cyber-Angriffe überhaupt nicht - oder erst mit großer Verzögerung.» Und wenn eine Attacke entdeckt werde, gebe es oft Scheu, darüber zu sprechen - intern wie auch nach außen. Viele Firmen wollten sich in der Öffentlichkeit keine Blöße geben.

«Das ist eine vertrackte Situation», beklagte Meinel. Weil viele das Thema wie ein Tabu behandelten, gebe es ein großes Dunkelfeld. Wenn überhaupt Zahlen zu Cyber-Attacken genannt würden, dann handele es sich lediglich um einen kleinen Ausschnitt.

Cyber-Attacken abzuwehren und nachzuverfolgen, sei schwierig, betonte der IT-Experte. Professionelle Hacker könnten ihre Spuren gut verwischen. «Typischerweise laufen Attacken auch nicht über den Rechner des Angreifers, sondern über gekaperte, schlecht gesicherte Rechner von Fremden.» Das mache die Abwehr und einen Gegenschlag schwierig. Oft sei es nur möglich, Attacken im Nachhinein zu rekonstruieren, nicht aber, sie in Echtzeit zu erkennen.

Ein weiteres Problem: Die Gruppe potenzieller Angreifer werde größer. «Früher bedurfte es für einen Angriff großer technischer Versiertheit. Heute kann man sich Hacking-Werkzeuge relativ leicht im Internet besorgen oder Kriminelle für Angriffe bezahlen.»

BKA-Lagebild zu Cybercrime 2015

Bundesinnenministerium zu Cyberterrorismus

BSI-Lagebild zur IT-Sicherheit in Deutschland 2016

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