Wirtschaft rechnet 2013 überwiegend mit weniger Jobs

Konjunkturexperte: Eurokrise schlägt im Osten durch

Für 2013 rechnet die deutsche Wirtschaft eher mit sinkender als mit steigender Beschäftigung. Elf von 46 befragten Branchenverbänden gingen von einem Rückgang der Beschäftigung in ihrem Zweig aus, wie eine Umfrage des Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ergab. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet derweil für den Osten im Jahr 2013 ein schwächeres Wirtschaftswachstum.

Laut IW-Umfrage erwarteten nur sechs Verbände einen Beschäftigungszuwachs, 29 weitere prognostizierten für 2013 ein gleichbleibendes Beschäftigungsniveau. Insbesondere im Finanzdienstleistungssektor gehe die Mehrzahl der Verbände von sinkenden Mitarbeiterzahlen aus. Unter anderem bei Privatbanken, Sparkassen und den Versicherern werde mit weniger Beschäftigung gerechnet.

Aber auch andere Wirtschaftszweige stellen sich laut IW-Umfrage auf einen Rückgang der Beschäftigung ein. So prognostizierten die Branchen Bergbau, Energie und Wasser, Arzneimittel, Schiffbau, Keramik, Druck und Entsorgung sinkende Mitarbeiterzahlen. Mit mehr Mitarbeitern hingegen rechnen unter anderem der Flugzeugbau, die Feinmechanik- und Optikbranche, der Groß- und Außenhandel sowie die Immobilienwirtschaft.

Insgesamt blickten die Branchen nur mit verhaltenem Optimismus auf das kommende Jahr. Aber immerhin 20 von 46 befragten Branchenverbänden erwarteten 2013 bessere Umsätze oder eine Steigerung der Produktion im Vergleich zu diesem Jahr. Elf Branchen rechneten mit einem schlechteren Geschäft, der Rest gehe von einem gleichbleibenden Niveau aus.

Die Wirtschaft sei zum Jahreswechsel "nicht gerade in Sektlaune", erklärten die Wirtschaftsforscher. 23 der 46 befragten Verbände hätten angegeben, die Stimmungslage in ihrer Branche sei derzeit schlechter als vor einem Jahr. In den übrigen 23 Wirtschaftszweigen sei das Stimmungsbild im Vergleich zum Vorjahr ungetrübt. Damit habe zu ersten Mal seit Beginn der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise im Herbst 2008 "kein einziger Wirtschaftsverband von einer Verbesserung der Stimmungslage" zum Jahreswechsel berichtet, teilte das IW mit.

"Die beachtliche Differenz zwischen Stimmung und Lage macht deutlich, wie leicht die Politik durch unbedachtes Reden und Handeln Vertrauen verspielt und wie schwer es ist, dies zu korrigieren", erklärte IW-Direktor Michael Hüther.

Nach Einschätzung des Konjunkturexperten Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wird sich die Wirtschaft 2013 in Ostdeutschland schlechter als im Westen entwickeln. "Im Vergleich zu den alten Bundesländern dürfte das Wirtschaftswachstum 2013 um etwa 0,2 Prozentpunkte schwächer ausfallen. Im auslaufenden Jahr bewegen wir uns sogar nahe der Rezession", sagte er der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Superillu". Für ganz Deutschland erwarte das IWH für 2012 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,8 Prozent, für 2013 um 0,7 Prozent.

Die Verunsicherung über die Zukunft der Gemeinschaftswährung führe verstärkt zu Investitionszurückhaltungen, sagte Holtemöller weiter. Trotzdem gehe er nicht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im Osten 2013 überdurchschnittlich stark steige: "In Ostdeutschland kommt die negative demografische Entwicklung zum Tragen: Es scheiden mehr Menschen aus dem Arbeitsleben aus, als auf den Markt drängen."

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