Herbstprognose fällt trübe aus

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In der Autoproduktion fehlen Chips (AFP/JENS SCHLUETER)

Das Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute fällt trübe aus: Sie senkten ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Grund sind die andauernden Corona-Beschränkungen und die Lieferengpässe. Die Erholung soll nun 2022 kommen: Dann soll die Wirtschaft um 4,8 Prozent wachsen. Die Inflation bleibt laut Prognose hoch - von einer Deckelung der Energiepreise raten die Expertinnen und Experten aber ab.

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erläuterten am Donnerstag, warum sie ihre Prognose von 3,7 Prozent im Frühjahr auf nun 2,4 Prozent reduzierten. Vor allem das zweite Quartal von April bis Juni "haben wir ziemlich falsch eingeschätzt", sagte Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle. "Wir waren zu optimistisch." Lieferengpässe behinderten bereits im zweiten Quartal die Produktion.

Auch in diesem Winterhalbjahr - also bis Ende März - "dürfte die Erholung weiter gebremst werden", heißt es im Gutachten: In der kalten Jahreszeit werde die Aktivität im Dienstleistungsbereich wegen der Corona-Beschränkungen unter dem sonst üblichen Niveau bleiben, die Lieferengpässe dauern an.

Erst im Laufe des Jahres 2022 würden sich die Lieferprobleme "langsam auflösen", sagte Holtemöller. "Etwa im Sommer" werde wieder die Normalauslastung erreicht. Einen kräftigen Schub erwarten die Wirtschaftswissenschaftler vor allem durch den privaten Konsum, weil die Menschen ihre "Überschussersparnisse" aus der Corona-Zeit dann ausgeben.

Die sich erholende Nachfrage sorgt schon seit Monaten für einen "erheblichen Preisauftrieb", im September erreichte die Inflationsrate 4,1 Prozent. Im Gesamtjahr rechnen die Wirtschaftsforschungsinstitute mit 3,0 Prozent, im kommenden Jahr dann mit 2,5 Prozent. Timo Wollmershäuser vom Ifo-Institut in München wies darauf hin, dass sich die Anstiege auf die Lage von vor einem Jahr beziehen, als viele Preise sehr niedrig gelegen hatten. "Gut eineinhalb Prozentpunkte" könnten also abgezogen werden.

Ursache für die hohe Inflation sind vor allem die hohen Energiepreise. Jedoch: "Preisbeschränkungen", wie nun in der Diskussion, "lösen Knappheitsprobleme nicht, sondern übertünchen sie nur", betonte Holtemöller. "Von Preiskappungen würden wir abraten." Über Hilfen für einkommensschwache Haushalte aber "kann man sich Gedanken machen", sagte Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft Kiel.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betonte, die Wirtschaft erhole sich und wachse - das Tempo habe sich aber verlangsamt. Die neue Regierung müsse "Hemmnisse und Belastungen" reduzieren und auf Innovationen setzen, forderte er.

Die Wirtschaftsforscher mahnten die Politik, sich den langfristigen Herausforderungen zu stellen: Klimawandel, schrumpfende Bevölkerung und Digitalisierung. Beim Erreichen des Emissionsziels rieten die Ökonomen dazu, die Verschmutzungszertifikate Schritt für Schritt aus dem Handel zu nehmen. Der daraus folgende Preisanstieg müsse als Steuerungsinstrument zugelassen werden.

Das Rentensystem muss "auf stabile Füße gestellt werden", wie Holtemöller sagte. Die Wirtschaftsforscher schlagen vor, das Rentenniveau zu senken, die Lebensarbeitszeit zu verlängern und die Zuschüsse des Bundes zu erhöhen. "Es wird eine Kombination sein müssen. Das ist ein drängendes Problem."

Für die Digitalisierung seien Investitionen nötig, nicht nur des Staates, sondern auch der privaten Unternehmen. Das kommende Jahr sei "entscheidend, um reinzustarten", sagte Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Das Gutachten der Institute dient der Bundesregierung als Grundlage für ihre eigene Prognose. Altmaier wird diese am 27. Oktober vorstellen.

An dem gemeinsamen Gutachten sind das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI), das Leibniz-Institut in Halle (IWH), das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Münchner Ifo-Institut und das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel beteiligt.

ilo/hcy

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