Deutsches BIP im zweiten Quartal wieder gewachsen - Konsum deutlich gestiegen

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Außengastronomie in Berlin Anfang Juni

Die deutsche Wirtschaft dreht wieder auf: Nach einem Rückgang zum Jahresbeginn ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 1,6 Prozent verglichen mit dem Vorquartal gewachsen. Im Vergleich zum vierten Quartal 2019, bevor die Corona-Pandemie um sich griff, war die Wirtschaftsleistung allerdings noch 3,3 Prozent geringer, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte, die deutsche Wirtschaft werde künftig wieder "kräftig" wachsen.

Das Statistische Bundesamt korrigierte mit seiner Mitteilung vom Dienstag seine erste Prognose von Ende Juli leicht nach oben, damals waren die Statistiker noch von einem Anstieg von 1,5 Prozent ausgegangen. Im ersten Quartal 2021 ging das Wachstum nach neuen Berechnungen um 2,0 Prozent zurück.

Bedingt durch die zunehmenden Lockerungen im Rahmen der Pandemie wurde wieder deutlich mehr konsumiert: Die privaten Konsumausgaben waren demnach preis-, saison- und kalenderbereinigt 3,2 Prozent höher als im Dreimonatszeitraum von Januar bis März. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben um 1,8 Prozent. Die Investitionen in Ausrüstungen - also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge - stiegen ebenso wie die Bauinvestitionen um 0,3 Prozent.

Auch der Außenhandel legte im Vergleich zum ersten Quartal zu: Ins Ausland wurden 0,5 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert, die Importe stiegen um 2,1 Prozent.

Die einzelnen Wirtschaftsbereiche trugen unterschiedlich stark zum Wachstum bei. Während die Bruttowertschöpfung in den Bereichen Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit (3,8 Prozent) und Handel, Verkehr, Gastgewerbe (1,1 Prozent) laut Bundesamt "deutlich" zulegte, stieg sie im Baugewerbe gegenüber dem ersten Quartal nur noch leicht (0,1 Prozent). Für das Verarbeitende Gewerbe wurde gar ein Rückgang der Bruttowertschöpfung um 1,3 Prozent verzeichnet.

Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, also dem zweiten Quartal 2020, ergibt sich ein deutlicher Anstieg: Preis- und kalenderbereinigt lag das BIP mit einem Plus von 9,4 Prozent deutlich höher. Damals war die Wirtschaftsleistung infolge der Corona-Krise massiv zurückgegangen. Der private Konsum zog verglichen mit dem Vorjahr um 6,0 Prozent an, die staatlichen Ausgaben um 3,7 Prozent.

Auch der Außenhandel nahm deutlich zu - so wurden 26,5 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert, die Importe waren 20,1 Prozent höher. In allen Wirtschaftsbereichen legte die Leistung im Vorjahresvergleich "deutlich" zu. Erbracht wurde die Wirtschaftsleistung von rund 44,7 Millionen Erwerbstätigen - damit blieb die Zahl verglichen mit dem Vorjahr stabil.

Trotz der Erholung lag das Bruttoinlandsprodukt jedoch noch immer 3,3 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Außerdem wuchs es in vielen EU-Staaten stärker als Deutschland - in Spanien um 2,8 Prozent, in Italien um 2,7 Prozent verglichen mit dem Jahresanfang. Für die gesamte EU prognostizierte das europäische Statistikamt ein vorläufiges Wachstum von im Schnitt 2,0 Prozent.

Wirtschaftsminister Altmaier erklärte gleichwohl, der Aufschwung in Deutschland habe "Tritt gefasst". Der Minister blickte zudem positiv auf das Wachstum in diesem und im nächsten Jahr.

Die staatliche Förderbank KfW erwartet ebenfalls auch für das dritte Quartal ein "kräftiges Wachstum" - warnte aber vor den Folgen der "hartnäckigen Angebotsengpässe", welche die Industrieproduktion bremsen. Für 2021 revidierte die KfW-Forschungsabteilung das Wachstum daher von 3,5 Prozent auf 3,0 Prozent nach unten.

Das Verarbeitende Gewerbe dürfte "erst ab dem Jahresende wieder signifikant zum Wachstum beitragen", prognostizierte die KfW. Bis dahin werde das mangelnde Angebot an Material und Vorprodukten, besonders an Halbleitern, insbesondere die Industrieproduktion und den Bau beschränken. Zusätzlich bereiteten der Wirtschaft das nachlassende Impftempo sowie die sich ausbreitende Delta-Variante des Coronavirus Sorgen.

hcy/jm

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