Wirtschaftsweiser sieht Finanzstabilität trotz Corona-Krise nicht gefährdet

Euro-Scheine

Der Wirtschaftsweise Lars Feld hält eine hohe Neuverschuldung des Bundes wegen der Corona-Krise für gerechtfertigt. Wenn der Anteil der Schulden am Bruttoinlandsprodukt nun von 60 Prozent auf 80 oder 90 Prozent steige, sei damit nicht die finanzpolitische Solidität des Landes infrage gestellt", sagte der neu gewählte Vorsitzende des Sachverständigenrats der "Welt am Sonntag" (WamS). Selbst einen Anstieg der Staatsverschuldung von aktuell zwei auf drei Billionen Euro könne Deutschland verkraften.

Die Bundesregierung will kommende Woche die Schuldenbremse lockern und sich einen Nachtragshaushalt in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro vom Parlament bewilligen lassen. "Es ist absolut richtig, dass die Bundesregierung die im Gesetz von Anfang an eingebaute Klausel für Notsituationen nutzt und die Bremse dafür außer Kraft setzt", sagte Feld.

In der aktuellen Situation komme es auf schnelle und unbürokratische Hilfe an, sagte der Ökonom der "WamS". Der Staat könne jedoch "nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag alles tun, was notwendig ist, so wie es die Bundesregierung gerade versprochen hat". Jeder Euro müsse so gut wie möglich eingesetzt werden, im nächsten Schritt vermutlich für ein Konjunkturprogramm, mit dem die Wirtschaft nach dem Stillstand wieder in Schwung gebracht werde.

Die Zeit der harten Eingriffe in das wirtschaftliche Leben müsse begrenzt bleiben. Er habe "große Zweifel, dass wir den Stillstand länger als drei Monate durchhalten", sagte er.

Spätestens im Mai müsse die medizinische Strategie überdacht werden. "Irgendwann werden wir zu einer personalisierten Isolierung übergehen müssen", sagte Feld. Dann müssten die Geschäfte wieder öffnen, in Quarantäne blieben nur noch jene, die infiziert seien oder einer Risikogruppe angehörten.