Wohnungsknappheit in den Städten und Leerstand auf dem Land

In vielen Städten in Deutschland mangelt es an Wohnraum. Insbesondere in Groß- und Universitätsstädte sei die Bevölkerung in den vergangenen Jahren so stark gewachsen, dass es "zum Teil spürbare Wohnungsengpässe" gebe, heißt es in einer Studie

Zu geringe Bautätigkeit führt in vielen Städten weiterhin zu Wohnungsmangel. Insbesondere in Groß- und Universitätsstädten sei die Bevölkerung in den vergangenen Jahren so stark gewachsen, dass es "zum Teil spürbare Wohnungsengpässe" gebe, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). In bestimmten ländlichen Gebieten wiederum sei der Leerstand von Wohnungen ein großes Problem.

Die jüngsten Entwicklungen zeigten, "dass der bisherige Neubau insbesondere von Mietwohnungen immer noch nicht für die anhaltende Nachfrage ausreicht", heißt es in der Untersuchung des BBSR. Dementsprechend stiegen auch die Mieten. Im bundesweiten Durchschnitt hätten sie 2015 "deutlich" um 3,3 Prozent zugelegt. Vor allem "einige Metropolkerne und Großstädte" wiesen "anhaltende Steigerungen" auf.

Auch die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen legen den Experten zufolge seit 2010 "spürbar" zu. Gebrauchte Eigentumswohnungen waren in Großstädten 2014 rund 21 Prozent teurer als 2009. Überdurchschnittlich stark stiegen die Preise demnach vor allem in "süddeutschen Universitätsstädten" wie Regensburg, Augsburg oder Ulm. Hier habe es von 2009 bis 2014 Zunahmen um 50 Prozent und mehr gegeben. In München habe das Plus gar 69 Prozent betragen.

"Hauptursache für Mieten- und Preissteigerungen ist die jahrelang zu geringe Neubautätigkeit", erklärte das BBSR. Auch der Bauboom der vergangenen Jahre hält demnach "insbesondere in den wachsenden Regionen" nicht mit dem Bedarf Schritt.

Hinzu komme, dass sich "kaum verlässlich" abschätzen lasse, wie sich der Zuzug von Flüchtlingen auf die "künftige reale Wohnungsnachfrage" auswirke. Es sei aber damit zu rechnen, dass sich die Lage in den Städten dadurch verschärfe. "Deshalb sind Bund, Länder und Gemeinden gefordert, den Neubau ebenso wie die Schaffung zusätzlichen Wohnraums durch Investitionen im Wohnungsbestand zu fördern, um weitere Versorgungsschwierigkeiten zu verhindern und Wohnraumversorgung aller einkommensschwächeren Haushalte sicherzustellen."

Abseits der angespannten Lage in vielen Städten gibt es in Deutschland allerdings auch Probleme wegen eines zu großen Angebots an Wohnraum. Viel Leerstand gebe es in vielen Regionen Ostdeutschlands sowie "in ländlichen und häufig peripher gelegenen Landkreisen in den westdeutschen Flächenländern" mit Ausnahme von Schleswig-Holstein. Bundesweit hätten 2014 etwa 2,05 Millionen Wohnungen leergestanden.

"Wohnungsleerstände werden absehbar weiter zunehmen", sagten die BBSR-Experten voraus. In Regionen mit schrumpfender Bevölkerung stünden Immobilieneigentümer oftmals vor gravierenden finanziellen und organisatorischen Problemen.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen