Wohnungsnot: Angst vor Verdrängung: Die Ohnmacht der Mieter in Berlin

Viktoria Trosien Mieterin in der Brunnenstraße

Im Hausflur riecht es nach Verwesung – wohl ein totes Tier in der Erdgeschoss-Bäckerei, die im August aufgegeben werden musste. Schmutzigweiß sind die Wände, darunter ist grüne Farbe großflächig abgestoßen. Am Klingelschild haben die letzten Mietparteien neben ihre Namen auf Zettelchen Telefonnummern geschrieben. "Denn läuten kann man bei uns seit einiger Zeit nicht mehr", sagt Viktoria Trosien.

Für sie sind das Signale, mit denen die Hausbesitzer ihre Mieter unmissverständlich wissen lassen: "Ihr seid ab sofort unerwünscht." Deshalb durchlebt die 37-Jährige derzeit Wochen in Angst. Die neuen Eigentümer wollen das Haus in zentraler Bestlage Berlins modernisieren. Viktoria Trosien soll mehr als 1000 Euro zusätzlich bezahlen. Das kann sie nicht. "Das ist wie ein Rauswurf", sagt sie.

Ein Ort, an dem ihre Tochter aufwachsen sollte

Als sie vor sechs Jahren in die Wohnung an Mittes Brunnenstraße zog, sei das "eine Zeit der Hoffnung" gewesen. "Ich war schwanger, und dies sollte nun das Zuhause unserer kleinen Familie werden, der Ort, an dem meine Tochter groß wird", sagt Trosien.

Selbst in Berlin geboren und aufgewachsen, ist es ihr wichtig, ihrem Kind "starke Wurzeln zu geben". Dass es nun in einem Haus lebt, das einmal auf der Ostseite unmittelbar an die Mauer stieß, empfindet sie als wertvolle Besonderheit. So könne ihre Tochter die besondere Geschichte der Stadt "von Anfang an hautnah erleben".

Trosiens Vier-Zimmer-Wohnung im Gründerzeit-Gebäude ist mit Laminat ausgelegt. Das Jugendk...

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