Wolfgang Niedecken zum Tod von Clemens Böll: „Der Clemens hat uns immer machen lassen“

BAP spielte immer wieder in Bölls Südstadt-Kneipe Chlodwig-Eck.

Der Musiker Wolfgang Niedecken hat im „Kölner Stadt-Anzeiger“ einen Nachruf auf Clemens Böll geschrieben.

Clemens Böll kenne ich nun wirklich schon sehr lange. Wir waren ja Stammkunden im alten Chlodwig-Eck, das damals an der Ecke Chlodwigplatz/Bonner Straße lag. Hinter der Theke stand Clemens mit Karl Heinz Pütz, der leider auch schon tot ist.

Clemens Böll war derjenige, der BAP im Chlodwig-Eck hat spielen lassen. Wir traten da samstagmorgens um 11 Uhr zur Matinee an. Es konnte sein, dass die Leute nach ihren Einkäufen lieber in Ruhe ihr Bier getrunken hätten. Aber wir konnten da unsere Lieder vom ersten Album spielen. Der Clemens hat uns immer machen lassen.

Nur einmal hat er sich furchtbar aufgeregt. Wir hatten nämlich Aufkleber mit unserem bewährten BAP-Schriftzug verteilt, oben links stand da „Kölschrock“ drauf und unten rechts meine Telefonnummer für den Fall, dass uns jemand buchen wollte. Unter dieser Nummer rief Clemens eines Tages wutentbrannt an. Der schimpfte: „Die Aufkleber könnt Ihr Euch wer-weiß-wohin kleben, aber nicht bei mir.“

Was war passiert: Es gab damals eine rechte Partei namens EAP (Europäische Arbeiterpartei) – und der Clemens hat gedacht, da stehe EAP und nicht BAP auf den Aufklebern. Der hatte einen unfassbaren Zorn. Ich kam erst gar nicht zu Wort und rief nur „Clemens! Clemens! Hör’ doch mal... das sind wir nicht!“ Dann habe ich ihm das erklärt, worauf er sagte. „Dann is et ja jut.“

Irgendwann standen zu viele Leute vor der Kneipe

Wir haben in der Kneipe unheimlich oft gespielt. Auch beim Umzug an die Ecke Severinswall/Annostraße im Mai 1989. Der Clemens fand das alles prima. Irgendwann ging das aber nicht mehr, weil zu viele Leute vor der Kneipe standen und alle zehn Minuten der Bus kam.

In „Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau“ kommt er ja persönlich vor. Der Song handelt von der Wahnsinnsfrau, die gerade eine unheimliche Schwachsinns-Tirade losgelassen hat, worauf es dann heißt: „Ich saach: Jenau, Clemens, dunn uns zwei Schabau!“ Einmal hat er mich mit einem Besuch überrascht, als er während unserer „Tonfilm“-Tour exakt bei dieser Zeile auf die Bühne des Musical-Dome kam und auf einem Tablett zwei Schabau servierte. Eigentlich tranken wir ja gar keinen Schabau, aber das musste dann nun mal sein. Wenn ich diese Zeile singe, klar, dann denke ich immer an den Clemens.

Die Verbindung mit Clemens Böll war immer sehr herzlich

Es gibt so Freunde, mit denen hast Du zwei Jahre nichts zu tun und dann triffst Du sie wieder – und es ist wie immer. Er war so einer. Die Verbindung war immer sehr herzlich – der kam ab und zu mal bei uns vorbei, brachte etwas mit, war dann aber auch immer wieder schnell weg. Trotzdem war das eine innige Beziehung. Das war jetzt auch so, als wir ihn vor zwei Wochen im Hospiz besucht haben. Da musst Du nichts erklären, da ist alles wie immer. Auf die Frage, ob er Schmerzen habe, sagte er nur: „Hier in dem Gebäude tut Dir nichts mehr weh.“

Jeder von uns möchte geliebt werden. Und es tut gut, wenn Du am Ende deines Lebens spürst, dass Dich die Menschen mögen. Dieses Gefühl haben dem Clemens ganz viele Leute gegeben. Die Bude war voll. Alle wollten von ihm Abschied nehmen und ihm etwas Gutes tun. Das war schön.

Aufgezeichnet von Martin Oehlen...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen