„Wollen Profit machen“ - Shein flutet Deutschland mit Billig-Mode - und rückt immer näher nach Europa

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Shein könnte in London an die Börse gehen.AFP via Getty Images/RICHARD A. BROOKS

Shein macht ernst und flutet den deutschen Markt mit Billig-Kleidung! Mit unschlagbar günstigen Preisen und einer riesigen Auswahl lockt der chinesische Modegigant immer mehr Deutsche in seinen Bann. Doch was steckt hinter den verlockenden Angeboten?

Shein ist ein Händler für Mode und Sportartikel, der 2008 von Chris Xu gegründet wurde und seinen Sitz inzwischen in Singapur hat. In Deutschland erfreut sich der Billig-Modehändler großer Beliebtheit. „Wir wollen Profit machen. Und das tun wir“, sagt Donald Tang, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Shein, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).

Doch zu welchem Preis?  Der Fast-Fashion-Anbieter steht seit vielen Jahren von Verbraucherschützern und Behördern in der Kritik, Verbraucher aufs Glatteis zu führen und Regeln des Verbraucherschutzes zu missachten. Die Vorwürfe nehme er ernst, sagt Tang: „Sollten sich Sicherheitsbedenken bei Produkten ergeben, handeln wir sofort.“ Entsprechende Produkte würden umgehend aus dem Angebot genommen.

Die deutsche Politik und der Zoll sind alarmiert: Unzählige Pakete aus China überfluten die Zollstellen. „Die massive Flut von teilweise gesundheitsgefährdender Billigware aus Fernost trifft an unseren Grenzen auf einen Zoll, der darauf nicht vorbereitet ist“, sagte kürzlich NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk. „Eine effektive Kontrolle, was auf unseren Markt gelangt und ob es fair besteuert ist, findet de facto nicht statt.“

EU will Schlupfloch schließen, Folgen für Shein und Temu

Angesichts der Konkurrenz aus Fernost will die Europäische Union nun eine Regelung beschließen. Bisher gilt, dass Lieferungen bis zu einem Warenwert von 150 Euro zollfrei bleiben. Eine Aufhebung hätte zwar Auswirkungen auf das Geschäftsmodell von Shein, denn viele Bestellungen liegen unter dieser Grenze. Müssten Verbraucher plötzlich auf ihre Bestellungen höhere Zollgebühren bezahlen, würde sich das auf den Preis auswirken. Der Shein-Chef gibt sich darauf angesprochen kämpferisch: „Es liegt in unserer DNA, uns unter fairen Wettbewerbsbedingungen durchzusetzen.“

Die Europäische Kommission verlangt mittlerweile von den Online-Händlern Temu und Shein mehr Informationen zum Vorgehen gegen illegale Produkte und Manipulation von Verbrauchern. Die Brüsseler Behörde stellte vor wenigen Tagen ein Auskunftsersuchen auf der Grundlage eines neuen EU-Gesetzes für digitale Dienste (Digital Services Act). Demnach sollen die chinesischen Konzerne unter anderem mehr Informationen über die Maßnahmen vorlegen, mit denen sie Verbraucher schützen. Also beispielsweise wie die Möglichkeiten aussehen, illegale Produkte zu melden oder inwiefern die Händler zurückzuverfolgen sind.

Temu und Shein müssen den Angaben zufolge die geforderten Informationen bis zum 12. Juli liefern. Auf Grundlage der Antworten werde die Kommission die nächsten Schritte festlegen. Wenn ein Unternehmen falsche, unvollständige oder irreführende Informationen bereitstelle oder sich weigere, die Fragen zu beantworten, könne die Behörde Geldstrafen verhängen. „Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden ein gutes Produkterlebnis haben“, sagt Tang.

Das Gesetz über digitale Dienste (DSA) soll unter anderem sicherstellen, dass Plattformen illegale Inhalte auf ihren Seiten schneller entfernen als bislang. Nutzern wird es wiederum leichter gemacht, solche Inhalte zu melden. Grundsätzlich müssen große Dienste mehr Regeln befolgen als kleine.

„Wir verkaufen nichts in China“

Zur geplanten Börsennotierung schweigt Tang. Dafür setzt Shein seine Expansion in Europa ungehindert fort.

„Wir verkaufen nichts in China, haben aber ungefähr 90 Prozent unserer Lieferkette dort“, sagt Tang. Mittlerweile hat Shein sein Produktionszentrum in die Türkei verlagert. Auch die Lagerhäuser rücken mehr ins Herz von Europa. Das Unternehmen eröffnete solche Standorte in Italien und Polen. Weitere sollen folgen. Das wirkt sich positiv auf Effizienz und Kosten aus. „Wir haben kürzere Lieferzeiten, weil wir näher an den Kunden sind.“