"Wir wollten keinen Eklat": ZDF bezieht Stellung zu Höcke-Interview

teleschau
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"Wir wollten keinen Eklat": ZDF bezieht Stellung zu Höcke-Interview

Nach dem abgebrochenen ZDF-Interview mit Björn Höcke ging der Chefredakteur des Senders, Peter Frey, im "ZDF-mittagsmagazin" an die Öffentlichkeit.

Das ZDF reagiert auf die heftigen Kontroversen, die Björn Höcke mit seinem abgebrochenen Interview im Rahmen der Sendung "Berlin direkt" ausgelöst hatte. Zu Gast im "ZDF-mittagsmagazin" bezog ZDF-Chefredakteur Peter Frey Stellung im Gespräch mit Moderatorin Jana Pareigis. Er stellte sich demonstrativ hinter Interviewer David Gebhard, den Frey für ein "vorbildliches Interview" lobte. Gebhard hätte ein bestimmtes Thema behandeln wollen, nämlich die "Anleihen der Sprache bei den Nationalsozialisten". In diesem Zusammenhang wies Frey auch auf ein Gutachten hin, das die AfD 2017 in Bezug auf parteiinterne Ermittlungen selbst in Auftrag gegeben hatte. Außerdem betonte er, das ZDF habe bedauert, dass Höcke das Interview abgebrochen habe, "ausgerechnet, als wir über das Thema Demokratie sprechen wollten".

"Wir wollten keinen Eklat", bekräftigte der ZDF-Chefredakteur. Er hob die Aufgabe des Senders hervor, "zu markieren, wenn rote Linien überschritten werden". Er sei der Meinung, "wenn sich ausländerfeindliche, antisemitische Zungenschläge mit in die Rede hineinmogeln", dann müsse das infrage gestellt werden. In Bezug auf Höckes Drohung, es kämen "massive Konsequenzen" auf das ZDF zu, zeigte sich Frey gespannt auf die Reaktion der AfD nach den Aussagen ihres Landesvorsitzenden in Thüringen.

Der ZDF-Journalist hatte Björn Höcke am Anfang des Interviews mit kurzen Videos konfrontiert, in denen er AfD-Abgeordneten Zitate aus Höckes Buch vorlegte und sie fragte, ob diese von ihm seien oder aus Adolf Hitlers "Mein Kampf" stammen. Im Anschluss drehte sich das Gespräch um Höckes Sprache und etwaige Parallelen zur NS-Zeit. Nach etwa zehn Minuten mischte sich dann Höckes Sprecher Günther Lachmann ein, wenig später brach Höcke das Interview ab. Das ZDF veröffentlichte im Nachhinein sowohl das knapp 17-minütige Original-Video in ganzer Länge als auch eine komplett verschriftete Version des Interviews.