Woran man merkt, dass es Zeit für einen Jobwechsel ist

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Zum Jahreswechsel ziehen viele Menschen Bilanz der vergangenen zwölf Monate. Dabei wird auch der Job einem prüfendem Blick unterzogen. Ist man mit seiner Arbeit noch glücklich oder ist es an der Zeit, weiterzuziehen?

Neuen Job suchen oder im Alten bleiben? Diese Frage stellen sich zum Jahreswechsel viele Arbeitnehmer. (Symbolbild: Getty Images)
Neuen Job suchen oder im Alten bleiben? Diese Frage stellen sich zum Jahreswechsel viele Arbeitnehmer. (Symbolbild: Getty Images)

Der Jahreswechsel ist die Zeit, in der viele die vergangenen Monate noch einmal Revue passieren lassen und eine Bilanz ziehen. Eines der Themen, über die dabei gegrübelt wird, ist auch das Berufsleben.

Gerade die letzten beiden Jahre, in denen der Arbeitsalltag, geprägt durch Corona, bei vielen Arbeitnehmern vom Homeoffice bestimmt war, dürfte bei dem ein oder anderen den Gedanken aufkeimen lassen, ob man mit seinem Job noch wirklich zufrieden ist oder ob es vielleicht an der Zeit ist, sich auf dem Arbeitsmarkt noch einmal anderweitig umzusehen, um sich beruflich doch noch mal weiter zu entwickeln. 

Doch woran kann man erkennen, dass es Zeit ist für einen beruflichen Tapetenwechsel?

Generell ist die Zeit zwischen den Jahren ein sehr guter Moment, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Zum Jahresanfang sind viele Firmen auf der Suche nach neuen Mitarbeitern und schreiben dementsprechend viele neue Stellen aus.

Januar nicht unbedingt die beste Zeit, um einen neuen Job zu suchen

Im Januar der Jobmarkt also ganz schön in Bewegung. Das muss allerdings nicht unbedingt ein Vorteil sein, glaubt Jobcoach Martin Wehrle. "Grundsätzlich sind die Zeitpunkte, zu denen es alle versuchen, die schlechtesten. Denn dann ist auf dem Arbeitsmarkt sehr viel Bewegung", so Wehrle gegenüber dem "SWR".

Bevor man nun als Arbeitnehmer in puren Aktionismus verfällt, empfiehlt Wehrle eine "Selbst-Inventur" in der man sich mal vor Augen halten sollte, wie das bisherige Arbeitsleben aussah, bei welchen Arbeitgebern und bei welchen Aufgaben man wirklich Spaß an der Arbeit hatte. Auch die Frage, in welchen Bereichen man wirklich gut ist, sollte man sich dabei beantworten. Bei welchen Themen fragten die Kollegen einen um Rat oder die Meinung?

Hat man für sich feststellen können, wo die eigenen Kompetenzen liegen und wo es Spaß gemacht hat, kann man sich nun den Job suchen, der nahezu perfekt zu einem selbst passt. Der muss nicht zwangsläufig bei einer anderen Firma sein, evtl. bietet ja auch der aktuelle Arbeitgeber eine solche Position an.

Bei der Selbstreflexion sollte man jedoch beachten, dass man sich einst für eben jenen Job entschieden hat, der einen nun scheinbar nicht mehr so erfüllt. Dies kann auch bei einem zukünftigen "Traumjob" passieren.

Sollte man spätestens nach vier Jahren den Arbeitgeber wechseln?

Viele Ratgeber nennen die Zeiträume, die man in einem Job verbracht hat, als Hilfestellung, ob es an der Zeit ist wieder einen neuen Arbeitgeber zu suchen. So gilt es allgemein hin nicht als gutes Zeichen, wenn man weniger als 18 Monate bei einer Firma arbeitet, es sei denn, die Position war von Beginn an nur auf diesen Zeitraum festgelegt. Künftige Arbeitgeber könnte aus einer kurzen Verweildauer schließen, dass der Bewerber die Probezeit nicht geschafft oder Anpassungsschwierigkeiten hatte oder ihm wichtige Kompetenzen für den Job fehlten.

Ewige Treue sollte man seinem Arbeitgeber aber auch nicht schwören. So ist Cameron Kang, Karrierecoach vom US-Magazin "Forbes" der Meinung, dass Mitarbeiter sehr viel Geld liegen lassen, wenn sie nicht alle zwei Jahre die Firma wechseln. 

Andere Experten sind davon überzeugt, dass man sich spätestens nach vier Jahren nach einem neuen Arbeitgeber umsehen sollte, vor allem dann, wenn man in dieser Zeit nicht befördert wurde und man immer noch die gleiche Tätigkeiten ausübt wie zu Beginn des Jobs.

Doch woran kann man erkennen, ob es wirklich Zeit für einen Jobwechsel ist oder ob man sich nicht einfach nur gerade in einem Formtief befindet?

Der 5-Jahres- und der Erschöpfungs-Check sind hilfreiche Ratgeber

Hier kann der 5-Jahres-Check äußerst hilfreich sein. Dabei gilt es, sich vorzustellen, den aktuellen Job auch noch in fünf Jahren auszuüben. Nun sollte man sich die Fragen stellen, ob einem diese Vorstellung gefällt. Freut man sich darauf oder ist diese Vorstellung eher erschreckend?

Auch der Erschöpfungs-Check kann einige Dinge verdeutlichen. So sollte man sich fragen, wie der eigene Feierabend aussieht? Ist man nach der Arbeit erschöpft und ärgert sich über Vorkommnisse des Tages? Auch Jobs, die einem Spaß machen, können fordernd sein, aber wenn man sich nach einem Arbeitstag nur noch ausgelaugt füllt und es schwer ist, sich immer und immer wieder zu motivieren, dann sollte man einen Jobwechsel und Neuanfang durchaus in Erwägung ziehen.

Zu guter Letzt ist auch die Bezahlung ein wichtiges Thema, über welches man sich Gedanken machen sollte. Ist man mit seiner Bezahlung zufrieden oder hält man sich für unterbezahlt?

Wie wichtig ist die Bezahlung?

Nun ist Geld durchaus ein wichtiger Faktor, aber eine Gehaltserhöhung alleine wird die Motivation langfristig sicherlich nicht in die Höhe treiben. Diese muss immer von innen herauskommen. Allerdings kann eine schlechte und unfaire Bezahlung die eigene Motivation in den Keller sinken lassen, was auch Karrierecoach Wehrle so sieht. "Wenn man weiß, dass der Kollege am Schreibtisch nebenan für die gleiche Arbeit mehr Geld bekommt, hat man keine Lust mehr", so Wehrle zum "SWR".

Die Bezahlung durch den Arbeitgeber ist auch immer als Wertschätzung für den Mitarbeiter zu verstehen und sollte daher bei der Suche nach einem neuen Job durchaus eine Rolle, wenn auch nicht die wichtigste, spielen.

Bevor man sich aber nun aber auf der Suche nach einem neuen Job auf den Arbeitsmarkt wirft, sollte man vielleicht zunächst das Gespräch mit seinem aktuellen Arbeitgeber suchen, denn warum in die Ferne schweifen, wenn ein toller, neuer Job doch in der Nähe liegt?

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