Wurst und Fleisch kommen nur noch bei weniger als jedem Dritten täglich auf den Tisch

Würstchen mit Senf im Berliner Paul-Löbe-Haus

Verbraucher in Deutschland lieben es beim Essen abwechslungsreich - verzichten laut einer Umfrage aber zunehmend auf Fleisch. Wie aus dem am Mittwoch vorgestellten Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervorgeht, geben 28 Prozent der Befragten an, dass sie jeden Tag Wurst oder Fleisch essen. Zwei Jahre zuvor waren es noch 34 Prozent gewesen. Zugleich bezeichnen sich aber nur sechs Prozent als Vegetarier - und Braten oder Schnitzel werden weiter am häufigsten als Lieblingsessen genannt.

Für den Ernährungsreport "Deutschland, wie es isst" befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Oktober und November rund tausend Deutsche ab 14 Jahren. Fast alle (99 Prozent) sagen demnach, dass Essen für sie vor allem gut schmecken und gut für die Gesundheit (91 Prozent) sein soll. Obst und Gemüse stehen bei 71 Prozent täglich auf dem Speiseplan, Milchprodukte wie Käse und Joghurt bei 64 Prozent.

Bei Wurst und Fleisch geben deutlich mehr Männer (39 Prozent) als Frauen (18 Prozent) an, diese jeden Tag zu verzehren. Auch zwischen Ost (43 Prozent) und West (26 Prozent) gibt es hier klare Unterschiede. Befragt nach ihrem Lieblingsessen votierten 33 Prozent der Befragten für Braten, Schnitzel und Gulasch, dahinter folgen mit 17 Prozent Spaghetti, Lasagne oder Spätzle vor Salaten oder Gemüsegerichten mit zehn Prozent.

Konsequent auf Fleisch (sechs Prozent Vegetarier) oder gar alle tierischen Produkte (ein Prozent Veganer) verzichtet indes nur eine Minderheit der Befragten. Je jünger sie sind, desto höher ist dieser Anteil allerdings: Unter den 14- bis 29-Jährigen sind es mit elf Prozent fast doppelt so viele Vegetarier.

Befragt nach den Herausforderungen durch das weltweite Bevölkerungswachstum sprechen sich mehr als vier Fünftel (84 Prozent) für eine Verringerung der Lebensmittelverschwendung aus. Knapp drei Viertel (74 Prozent) meinen, dass weniger Fleischkonsum der richtige Weg sei. Ein knappes Drittel (29 Prozent) ist grundsätzlich offen für alternative Fleischarten als Beitrag zur Ernährungssicherheit - wie etwa aus Insekten hergestellte Lebensmittel oder Laborfleisch.

Nach Angaben von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigt die Umfrage auch, dass sich die deutschen Verbraucher immer bewusster ernähren. "71 Prozent ist es wichtig, dass Fertigprodukte weniger Zucker enthalten, 68 Prozent wollen weniger ungesunde Transfette und 38 Prozent weniger Salz", erklärte die Ministerin, die im Herbst mit der Ernährungswirtschaft eine Grundsatzvereinbarung zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten unterzeichnet hatte.

Die Organisation Foodwatch kritisierte, Klöckner verteidige "wirtschaftliche Interessen gegen Anliegen des Verbraucherschutzes, wenn sie allein auf freiwillige Maßnahmen setzt". Ein freiwilliges Tierwohl-Label werde am "katastrophalen Gesundheitszustand zahlreicher Nutztiere" kaum etwas ändern und eine freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie, den Zucker zu reduzieren, sei "zum Scheitern verurteilt".

Auch die Deutsche Diabetes-Gesellschaft kritisierte, alle Maßnahmen, den Salz-, Zucker- oder Fettgehalt in ungesunden Lebensmitteln zu reduzieren, seien bisher ins Leere gelaufen, weil sie auf Freiwilligkeit basierten. Lebensmittel müssten auf der Vorderseite sichtbar gekennzeichnet werden, forderte Geschäftsführerin Barbara Bitzer im SWR. Für die effektivste Maßnahme gegen ungesunde Lebensmittel halte sie eine Steuer auf Produkte mit viel Zucker, Fett und Salz.