Flüchtlingsfeindliches Video aufgetaucht: RTL wirft Xavier Naidoo aus "DSDS"-Jury

(dr/spot)
Xavier Naidoo steht wegen eines neuen Videos in der Kritik. (Bild: imago images / Kadir Caliskan)

Der Sänger Xavier Naidoo (48) steht einmal mehr im Kreuzfeuer der Kritik: Durch ein am Montagabend aufgetauchtes, 45 Sekunden langes Video mit flüchtlingsfeindlichen Aussagen sorgt der Sänger für mächtig Wirbel. Sein Sender RTL zieht Konsequenzen und wirft ihn aus der Jury der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”.

Dort sieht man Naidoo, wie er offenbar in eine Webcam einige Zeilen eines bislang unveröffentlichten Liedes singt, dessen kryptischer Text derzeit in rechten Kreisen gefeiert wird. Das Video wurde offenbar nicht durch Naidoo selbst in Umlauf gebracht. Woher es stammt, in welchem Zusammenhang und wann es aufgenommen wurde, war zunächst nicht bekannt.

RTL fordert "klare Antworten"

Wörtlich heißt es in dem Video: "Weit und breit ist hier kein Mann, der dieses Land noch retten kann. Hauptsache es ist politisch korrekt, auch wenn ihr daran verreckt." Was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschehe, bei dem der “Gast dem Gastgeber ein Leben stehle”, fabuliert Naidoo weiter. Keiner dürfe “seine Leute” quälen, heißt es außerdem. "Lass es uns vollenden, und zwar nun. Ihr seid verloren", endet der Sänger seinen Beitrag.

Kritiker verweisen etwa darauf, dass Naidoo mit der angeblichen Anzahl von Morden durch Geflüchtete einschlägige Behauptungen aus rechtsextremen Zusammenhängen reproduziert, wie sie sich auch in den Manifesten des Mörders von Hanau wiederfanden.

Der Sender RTL zeigte sich auf Twitter von dem Video des "DSDS"-Jurors "irritiert". Man erwarte "klare Antworten" von Naidoo. Der Sender distanziere sich "von jeglicher Form von Rassismus". Naidoo sorgte bereits in der Vergangenheit durch fragwürdige Aussagen für Verwirrung. Ihm wird seit längerem eine Nähe zu Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern am rechten Rand nachgesagt.

Naidoo wies die Vorwürfe in einer Mitteilung auf Facebook zurück. In einem Vorspann zur persönlichen Erklärung werden den Kritikern “absolut falsche Interpretationen seiner Aussagen” vorgeworfen. Im persönlichen Teil beteuert der Sänger sein Engagement gegen “Ausgrenzung und Rassenhass”. “Das bedeutet für mich aber auch, dass alle in der Verantwortung sind, wachsam gegenüber Angriffen auf ein friedliches Miteinander aller Menschen zu sein, egal aus welcher politischen Richtung und ungeachtet der Herkunft”, heißt es weiter.

Den Text aus dem Jahr 2018 will er offenbar in diesem Sinne als Mahnung an eine gewalttätige Minderheit unter den Migranten verstanden wissen: “Auch meine Familie kam als Gast nach Deutschland und hat sich natürlich an Recht und Moralvorstellungen des Gastgebers gehalten. Diese Selbstverständlichkeit sollte für alle gelten - auch wenn nur ein sehr kleiner Teil dies missverstanden hat. Aber gerade dieser kleine Teil belastet alle anderen, die hierdurch in ‘Sippenhaft’ genommen und durch eine erschreckende Zunahme an Gewaltakten in Gefahr gebracht werden.”

RTL gab sich mit dieser Erklärung offenbar nicht zufrieden: Naidoo sei nicht mehr Teil der “DSDS”-Jury, ließ der Sender wissen. In einer Mitteilung wurde der Schritt damit begründet, dass Naidoo viele Antworten schuldig geblieben sei, was etwa die Entstehung und den Kontext des Videos betreffe. Zudem seien weitere Clips mit rassistischen Inhalten aufgetaucht.

“Die jetzt aufgetauchten Videos von Xavier Naidoo haben uns massiv irritiert. Unsere Bitte, seine Äußerungen im Dialog und live bei RTL persönlich und öffentlich zu diskutieren und zu erklären, hat er bislang unbeantwortet gelassen. Gerade diese Diskussion fänden wir wichtig, da für uns die Aussagen im Video und seine Kommentierung danach überhaupt nicht zusammen passen”, erklärt RTL-Geschäftsführer Jörg Graf dazu.

Seit 2019 war Xavier Naidoo Jurymitglied in der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar". Bereits bei Verkündung dieser Entscheidung musste sich der Sender einige Kritik gefallen lassen. 2015 gab der NDR bekannt, dass Naidoo für Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016 auftreten solle. Nach heftigem Gegenwind der Medien und zahlreicher NDR-Mitarbeiter wurde diese Entscheidung revidiert.

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