Y'akoto: "Wird Helene Fischer auch auf Rassismus angesprochen?"

Y'akoto lebt zwischen den Welten

Die Hamburger Künstlerin Y'akoto (29) begeistert auf ihrem dritten Album "Mermaid Blues" (VÖ: 31. April) mit einer ausdrucksstarken Soul-Stimme. Gerne wird sie mit Soul-Ikone Erykah Badu und Blues-Legende Nina Simone verglichen. Vergleiche, die Y'akoto ehren, die sie aber niemals annehmen würde.

Doch eines hat sie zweifelsohne mit den beiden gemeinsam: den Blues. Der zieht sich wie ein roter Faden durch ihre musikalische Vita. Nach ihrem Debüt mit "Babyblues" folgte "Moody Blues" und nun "Mermaid Blues". "Blues ist der Ursprung aller Popmusik", begründet Y'akoto die Namensgebung im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. "Das Wort Blues ist für mich auch ein Statement, um zu sagen: 'I know, where I come from!'"

"Ich bewege mich zwischen zwei Welten"

Geboren wurde Y'akoto in Hamburg, ihre Kindheit verbrachte sie aber in Ghana, dem Heimatland ihres Vaters. So wie sie zwischen zwei Kontinenten aufwuchs, so beschreibt sie auch ihr Leben. "Ich bewege mich zwischen zwei Welten, wie eine Meerjungfrau sich zwischen Wasser und Land bewegt", erklärt Y'akoto und will damit ausdrücken, dass sie neben ihrem Leben als Musikerin auch ein ganz normales Leben "als Frau, Tochter und Schwester" führt.

Ein Thema auf das Y'akoto in Interviews immer angesprochen wird, ist Rassismus. Darüber spreche sie "meist länger als über meine Musik". Sie frage sich nur: "Warum?" Allzu gerne würde sie wissen, ob "Leute wie Helene Fischer das auch gefragt werden? Oder ist das bei mir akut, weil ich schwarz bin?" Y'akoto ist nicht genervt von diesen Fragen, sagt aber: "Mir persönlich ist das sehr unangenehm, dass wir heute immer noch über Rassismus reden. Es kann sich doch niemand das Recht herausnehmen, zu denken, dass er besser sei oder mehr wert als jemand anders."

Rassismus geht jeden Menschen etwas an

Die Arroganz vieler westlicher Menschen, die "noch immer denken, Wohlstand teilt man nicht, ist schlimm", sagt Y'akoto. "Ich kann darüber nur noch lachen, obwohl ich das nicht sollte, aber das ist nur noch lächerlich." Deshalb sei ihr wichtig, "dass sich auch Weiße mit dem Thema beschäftigen und nicht denken, es ginge sie nichts an, weil für sie Alltagsrassismus kein Thema ist". Um Vorurteile gegenüber fremden Menschen und Kulturen abzubauen, könne sie "jedem nur empfehlen, viel zu reisen".

Viel gereist ist Y'akoto auch für ihr neues Album. Das hat sie in Stockholm, Paris, Hamburg und Berlin aufgenommen. Die verschiedenen Städte seien "gut für die kreative Arbeit" gewesen. Denn in ungewohnten Umgebungen betrachte man sich "nicht als Zentrum des Universums", so die Sängerin. "Für mich ist das Wichtigste, sich unwichtig zu fühlen."

Keine Zeit für die Liebe?


Das Album hat in den vergangenen Monaten viel Zeit in Anspruch genommen. Ein Grund, warum die hübsche Hamburgerin noch immer als Single durch die Welt reist? Ja, aber auch irgendwie nein. Mit einem Lachen im Gesicht sagt sie: "Man braucht Zeit, um zu lieben und auch um sich zu verlieben." Zeit, die sie wegen ihrer Musik kaum hat. Aber sie sagt auch: "Ich habe gerade eine Phase, in der ich nicht an die romantische Liebe glaube. Aber Künstler haben Phasen, die sind zu respektieren." Sie wisse aber, dass keine Phase endgültig ist. Deshalb könne es durchaus passieren, "dass ich mich morgen verliebe und ganz bescheuert im Kopf werde".

Foto(s): Julia Kiecksee

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