Zülpicher Straße: Stadt und Politiker bewerten Sperrung positiv

Die Anwohner stehen dem Verkehrsversuch nahe der Uni kritischer gegenüber.

Die Stadt hat den Verkehrsversuch an der Zülpicher Straße zwei Wochen, nachdem die Zahlen aus der Verkehrszählung auf den Tisch liegen, erstmals bewertet – und mit Einschränkungen für positiv befunden.

„Der Verkehr ist nicht zusammengebrochen“, sagte Angela Stolte-Neumann vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik bei einer Informationsveranstaltung im Philosophikum der Universität am Dienstagabend.

Erster Versuch mit Straßensperrung der Zülpicher Straße vor knapp einem Jahr

Im Mai 2016 hatte die Verwaltung die Zülpicher Straße auf Höhe der Wilhelm-Waldeyer-Straße sperren lassen und den Autoverkehr auf sämtlichen Straßen im Universitätsviertel zählen lassen. Ziel des Versuchs war es, die Zülpicher Straße vom Autoverkehr zu entlasten und Fußgängern und Radfahrern mehr Platz einzuräumen.

Ergebnis: Die 5500 Autos, die auf der Zülpicher Straße pro Tag weniger fuhren, wurden von den umliegenden Straßen aufgenommen. Ein halbes Dutzend neuralgische Stellen, an denen der Verkehr zuweilen stockt, hatte die Verwaltung ausgemacht. Aber selbst auf der Luxemburger Straße, an der seit dem Versuch täglich 2160 zusätzliche Autos fahren, sieht Stolte-Neumann keine großen Probleme.

Denn der zusätzliche Verkehr mache nur zehn Prozent der 22000 Fahrzeuge aus, die diese Straße passieren. Probleme gebe es aber unter anderem an den Kreuzungen Universitätsstraße/Zülpicher Straße, am Zülpicher Wall und an der Wilhelm-Waldeyer-Straße.

Der Autoverkehr müsste um sieben Prozent reduziert werden

Unterstützung für die Sperrung gab es von Seiten der Politik: „Wir müssen schnell zur Drittel-Parität, sonst gibt es keinen sozialen Frieden in der Stadt“, sagte der Bezirksbürgermeister der Innenstadt, Andreas Hupke. Gemeint ist ein Verkehrsmix, der zu gleichen Teilen aus Autos, Radfahrern sowie Bussen und Bahnen besteht. Um das hinzubekommen, müsste der Autoverkehr – derzeit 40 Prozent – um sieben Prozent reduziert werden.

Die Sperrung der Zülpicher Straße sei ein Baustein, um diese Strategie umzusetzen. Auch der stellvertretende Bürgermeister Lindenthals, Roland Schüler, bewertete den Versuch als gelungen: „Aufenthaltsqualität und Sicherheit sind auf der Zülpicher Straße enorm gestiegen.“ Die Auswirkung machten sich bis auf den Hohenstaufenring bemerkbar, wo die Stadt 2500 Autos weniger gezählt hatte. Schüler plädierte für eine Ausweitung des Sperrung – am besten bis zum Ring.

Anwohner sind geteilter Meinung über den Verkehrsversuch

Die Meinungen der Anwohner waren geteilt: Martin Herrndorf, Sülzer und Initiator des alternativen „Tags des guten Lebens“ sagte: „Endlich können wir auf der Zülpicher Straße wieder entspannt mit dem Rad fahren.“ Thomas Naumann freute sich, dass er nun mit dem Kinderwagen in Richtung Weyertal sicherer unterwegs sei. Ein weiterer Bürger betonte: Es ist in Sülz wesentlich ruhiger geworden.“

Andere Nachbarn sahen die Sperrung durchaus kritisch: „Ich kenne niemanden, der von dem Versuch begeistert ist“, sagte Anwohnerin Sabine Grünberg. Die mehr als 5000 Autos könnten seit dem Beginn der Sperrung nicht mehr auf gerader Strecke zu ihrem Ziel fahren, sondern nur über viele Umwege. Das nerve die Autofahrer und belaste das Klima. Durch anvisierte Baumaßnahmen auf der Berrenrather Straße und an der Kreuzung Luxemburger Straße/Gürtel drohe das Viertel vollends unpassierbar für Autofahrer zu werden.

Im Juni will die Verwaltung einen neuen Antrag einbringen

Rainer Markgraf, der in der Wilhelm-Waldeyer-Straße wohnt, sieht seine Straße durch die Sperrung über Gebühr belastet. „Wir haben zehnmal mehr Verkehr, Abgase und Lärm.“ Die Stadt hatte dort in der Tat 600 zusätzliche Autos pro Tag gezählt. Die meisten waren Falschfahrer, die die Beschilderung zur Sperrung übersehen hatten. Für Aufsehen sorgten mitunter Lastwagen oder Busse, die sich in der engen, gewundenen Straße festgefahren hatten. Die Stadt kündigte an, hier erneut zu zählen und die Beschilderung zu verbessern. Markgraf bleibt skeptisch: „Es gibt 1000 Gründe, warum man ein Schild übersieht.“

Damit die Anregungen der Bürger nicht verloren gehen, konnten sie ihre Verbesserungsvorschläge auf Karten notieren, die die Stadt in ihre weitere Planung einarbeiten will. Vermutlich im Juni will die Verwaltung einen neuen Antrag in die Gremien einbringen. Beschließen müssen dann die Bezirksvertretungen Innenstadt und Lindenthal, weil die Zülpicher Straße durch beide Bezirke verläuft, sowie der Verkehrsausschuss. Solange bleibt die Sperrung bestehen. Gäbe die Politik grünes Licht, müsste die Zülpicher Straße sehr wahrscheinlich umgebaut werden. Verkehrsplanerin Stolte-Neumann betonte: „Wir gehen in den Prozess völlig ergebnisoffen.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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