Erstmals Deutscher am neuartigen Coronavirus gestorben

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Badeort Hurghada

An dem neuartigen Coronavirus ist erstmals ein Deutscher gestorben. Wie das ägyptische Gesundheitsministerium am Sonntag in Kairo mitteilte, starb der 60-jährige Deutsche im Badeort Hurghada am Roten Meer. Zur Eindämmung des Coronavirus in Deutschland forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Absage von Veranstaltungen mit mehr als tausend Menschen. Mittlerweile sind mehr als tausend Coronavirus-Fälle in Deutschland bestätigt. In Bayern gibt es bei zwei bis drei Patienten einen schweren Verlauf.

Der deutsche Tourist war den Angaben zufolge am Freitag mit Fieber in ein Krankenhaus in Hurghada gekommen und wurde am Samstag positiv auf das Coronavirus getestet. Er war eine Woche zuvor aus Deutschland angereist. Es ist zugleich der erste Todesfall auf dem afrikanischen Kontinent.

In Deutschland ist der Infektionsschutz Sache der Bundesländer, damit liegen auch Verbote von Veranstaltungen in deren Hand. Spahn gab mit seinen Äußerungen aber an diese zumindest eine klare Empfehlung. "Nach zahlreichen Gesprächen mit Verantwortlichen ermuntere ich ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern bis auf Weiteres abzusagen", schrieb Spahn bei Twitter. "Wir werden in den nächsten Tagen darüber sprechen, wie wir mit den wirtschaftlichen Folgen umgehen."

Zu entsprechenden Großveranstaltungen zählen vor allem Spiele der 1. und 2. Fußballbundesliga, aber auch der 3. Liga und Spiele in anderen Sportarten wie Handball oder Eishockey. Dazu kommen Konzerte, Kongresse oder Messen. Für die Deutsche Fußball-Liga (DFL) kündigte Geschäftsführer Christian Seifert an, "kurzfristig" mit den Vereinen zu sprechen.

In Italien gibt es bereits "Geisterspiele" ohne Publikum. Seifert schloss aber aus, die Saison auszusetzen - es stehe "außer Frage", dass sie bis Mitte Mai zu Ende gespielt werde.

Spahn rief gleichzeitig die Bevölkerung auf, auch Veranstaltungen im deutlich kleineren privaten Rahmen zu überdenken - bis hin zu Geburtstagsfeiern. "Wägen Sie ab, was Ihnen im eigenen Alltag so wichtig ist, dass Sie darauf in den nächsten zwei bis drei Monaten nicht verzichten wollen - sei es der Clubbesuch, die Geburtstagsfeier im familiären Kreis oder die Vereinssitzung."

Er vertraue darauf, dass die Bürger kluge Entscheidungen treffen, erklärte Spahn weiter. "Denn wir schützen mit dieser Vorsicht vor allem unsere älteren und chronisch kranken Mitbürger."

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in Deutschland erhöhte sich von Samstagnachmittag bis Sonntagnachmittag deutlich auf mehr als tausend. Das Robert-Koch-Institut bestätigte bundesweit 902 Fälle, dazu kommen weitere Fälle aus Bayern und Baden-Württemberg, die in dieser Statistik nicht erfasst sind.

Mit 398 Fällen ist Nordrhein-Westfalen weiter mit Abstand am stärksten betroffen, mehr als 200 Erkrankungen entfallen auf den Landkreis Heinsberg. Gegenüber Samstag waren dies 25 Erkrankte mehr. Die größten Steigerungen der Fallzahlen gibt es aber in Bayern, wo die Zahl der Fälle seit Samstag um 67 auf 200 anstieg. Besonders in der Landeshauptstadt München mit 35 neu erfassten Erkrankungen gab es demnach zahlreiche Meldungen. In Baden-Württemberg stieg die Zahl der Infizierten auf 199.

Bei zwei bis drei der Erkrankten gibt es nach Angaben der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) einen schweren Verlauf. Ob auch ein lebensbedrohlicher Zustand vorliegt, konnte das Landesministerium nicht sagen.

Um eine weitere Ausbreitung einzudämmen, sind auch einzelne Schulen in Deutschland geschlossen worden. Spahn sagte der "BamS", die Schließung könnten nur lokale Behörden anordnen. "Ich würde eine bundesweite Schließung auch für falsch halten."

Auf europäischer Ebene forderte Spahn, die europäische Seuchenbehörde ECDC zu stärken, um Epidemien vernünftig begleiten zu können. "Wir brauchen eine Art europäisches Robert-Koch-Institut. Dafür müssen wir im nächsten EU-Haushalt das entsprechende Geld zur Verfügung stellen."